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| 17:25 Uhr

Unterwegs im Revier Hohenleipisch
Birke hilft bei Waldumbau auch in Elbe-Elster

Die Teilnehmer des Waldspazierganges zum Auftakt des Projektes „Plan Birke“ im Revier Hohenleipisch. Die Birke ist dort bereits sehr gut vertreten.
Die Teilnehmer des Waldspazierganges zum Auftakt des Projektes „Plan Birke“ im Revier Hohenleipisch. Die Birke ist dort bereits sehr gut vertreten. FOTO: LR / Manfred Feller
Hohenleipisch. Einst ungeliebte Baumart soll dem Wald bei Klimaveränderungen helfen. Wissenschaftler, Forstfachleute, Waldbesitzer und sogar Schüler sind dazu im Revier Hohenleipisch unterwegs. Von Manfred Feller

Wenn es der beginnende Klimawandel ist, der uns den Sommer beschert hat, dann könnte die Birke ein Helfer beim Bewältigen der Folgen sein. Gewissermaßen eine Retterin des umzubauenden Waldes auch in Brandenburg und damit in Elbe-Elster. Nico Friedrich, Leiter der Landeswald-Oberförsterei in Doberlug-Kirchhain, spricht in diesem Zusammenhang gar von der „Birke als große Chance“.

So liege der Anteil dieser Baumart in der Oberförsterei bereits bei etwa 15 Prozent. Der Bundesdurchschnitt betrage nicht einmal fünf Prozent. In Brandenburger Wäldern sind sieben von zehn Bäumen Kiefern. Nur eine Kiefer auf zehn Waldbäume wäre natürlich. Eichen und Buchen machen lediglich zehn Prozent aus. Aktuell sind nur 25 Prozent der Nadelwälder mit Laubbäumen durchmischt. Das heißt: Arbeit ohne Ende und über Generationen.

Im Forschungswald zum Wasserhaushalt: Mit diesem „Rucksack“ wird der Saftdurchfluss im Stamm gemessen.
Im Forschungswald zum Wasserhaushalt: Mit diesem „Rucksack“ wird der Saftdurchfluss im Stamm gemessen. FOTO: LR / Manfred Feller

Das Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften (FIB) in Finsterwalde und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Brandenburg heben mit dem vom Bund unterstützten dreijährigen Projekt „Plan Birke, forsch voran“ diese Baumart in den Vordergrund. Obwohl schön anzusehen, war sie im Wald ungern gesehen.

Daran hat Nico Friedrich während des Projekt-Auftaktrundganges mit Wissenschaftlern, Forstfachleuten, Waldbesitzern und Umweltschützern im Revier Hohenleipisch erinnert. Der Fachmann stammt aus Thüringen, die Eltern Revierförster. „Die Birke war lange das Unkraut des Waldes“, sagt er. Vermeintlich schädigende Weichgehölze seien fast rigoros entfernt worden.

In der Rinne wird das am Stamm hinabfließende Regenwasser gesammelt und in einen Kanister geleitet. In diesem Sommer sah es sehr schlecht aus.
In der Rinne wird das am Stamm hinabfließende Regenwasser gesammelt und in einen Kanister geleitet. In diesem Sommer sah es sehr schlecht aus. FOTO: LR / Manfred Feller

Dies hatte nach Ansicht von Dirk Knoche vom FIB auch andere Gründe: „Die Birke gilt als Wassersäufer. Deswegen war sie verpönt.“ Zudem werde sie in ihrer wirtschaftlichen Nutzung auch aufgrund von Vorurteilen stark unterschätzt. Die Wissenschaftler wollen mit Fakten untermauern, dass die „Birke eine Schlüsselbaumart auch in dieser wärmsten und trockensten Region Deutschlands“ sein kann, so Dirk Knoche. Nach einer Störung im Wald, wie es die regional verheerenden Stürme der jüngeren Vergangenheit waren, sei die Birke die Pionierbaumart. Sie investiere nicht in die Holzmasse, sondern in ihre Reproduktion. Ihr folgen Eiche und Co. Wer durch die Wälder des Reviers Hohenleipisch streift, sieht einen bereits gut durchmischten Bestand. Gegenwärtig müssen Spaziergänger aufpassen, dass ihnen die Eicheln nicht auf den Kopf fallen. Besser als ausschließlich Kienäpfel.

Ein Plädoyer für die Birke hält auch Gernod Bilke vom Projektpartner Landesbetrieb Forst Brandenburg (LFB): Die Birke habe durch die eingreifende Menschenhand eine lange Leidensstrecke hinter sich. Nach dem trockensten Sommer, den der Forstmann in seinen 30 Berufsjahren erlebt hat, schätze er die Birke als anpassungsfähige Baumart erst recht. „Sie ist der unterschätzteste Baum im Waldumbau“, stellt der Fachmann fest. Sie werde noch mehr an Bedeutung gewinnen, wenn solche Sommer wie der vergangene in 50 Jahren zu den eher feuchten gezählt werden. Der nicht von allen geteilte Klimawandel lässt grüßen.

Überall Leitungen: Diese kleine Wetterstation misst unter anderem den Wind mitten im Wald.
Überall Leitungen: Diese kleine Wetterstation misst unter anderem den Wind mitten im Wald. FOTO: LR / Manfred Feller

Der wieder entdeckten Birke nun jeden Freiraum zu überlassen, das gehe aber auch nicht. Das Forschungsinstitut aus Finsterwalde will Basisdaten liefern. „Wir untersuchen, wie viel Birke die Kiefer und die Eiche als Konkurrenten um das Wasser im Wald vertragen“, erläutert Dirk Knoche.

Dazu wird im Revier Hohenleipisch auf einer umzäunten Waldfläche mit zwei Baumarten der Wasserhaushalt wissenschaftlich untersucht. Derartige Waldversuchsflächen gebe es in ganz Europa. In Brandenburg seien es fünf.

Dieser Niederschlagsmesser fängt den von den Baumkronen durchgelassenen Regen auf.
Dieser Niederschlagsmesser fängt den von den Baumkronen durchgelassenen Regen auf. FOTO: LR / Manfred Feller

Das hiesige Areal ist 30 mal 30 Meter groß. Darauf stehen etwa 200 Bäume – Kiefern und Birken. Der erste Eindruck angesichts der Messbehälter, Schläuche, Leitungen und Apparate: Der Wald als Koma-Patient liegt auf der Intensivstation. Ein Jahr lang werden unter anderem Bodentemperatur, Feuchte, Niederschläge auf verschiedenen Vegetationsebenen, Wind, Saftfluss im Gehölz und Laubfall gemessen, um daraus Schlüsse zu ziehen. Dirk Knoche bringt den Aufwand auf den Punkt: „Wir Menschen haben eine emotionale Bindung zum Wald. Wenn dieser wie im vergangenen Sommer in Gefahr ist, dann werden Öffentlichkeit und Politik wach.“

Da der Wald nichts ist, was man bei einem Schaden neu im Supermarkt kaufen kann, hat das Projekt „Plan Birke“ auch einen Bildungsauftrag. Schüler sollen selbst erleben, wie das wertvolle Ökosystem vor ihrer Haustür funktioniert. Neuntklässler vom Elsterschloss-Gymnasium wenden ihre Kenntnisse draußen in der Natur an. Mit einfachen Mitteln können sie nun sogar die Höhe von Bäumen berechnen und über die Stammumfänge auch das Holzvolumen eines Waldstücks. „Mathematik erleben ist besser“, stellt Forstfachmann Gernod Bilke fest.

Da weiter oben kaum Niederschlag war, kommt in dem Sammler unter der Strauchschicht noch weniger an.
Da weiter oben kaum Niederschlag war, kommt in dem Sammler unter der Strauchschicht noch weniger an. FOTO: LR / Manfred Feller

Der Wald in dem besuchten Revier Hohenleipisch sieht trotz Dürresommer grün und gesund aus. Täuscht der Eindruck? „Aufgrund des Grundwassereinflusses, der Moore, ist die Situation dort etwas besser“, weiß Nico Friedrich, Leiter der Landeswald-Oberförsterei. Auf anderen Standorten seines 20 000 Hektar großen Landeswald-Verantwortungsgebietes in Elbe-Elster und OSL seien wegen der Trockenheit bereits Bäume abgestorben. Stürme und zu wenig Niederschlag machen die Bestände anfällig für Schadinsekten. Kiefer und Fichte seien vor allem betroffen. Das ganze Ausmaß werde erst später sichtbar. Die Region brauche dringend Regen.

Praktische Mathematik: Schüler zeigen, wie sie Baumhöhe und Holzvolumen in einem Waldstück ermitteln.
Praktische Mathematik: Schüler zeigen, wie sie Baumhöhe und Holzvolumen in einem Waldstück ermitteln. FOTO: LR / Manfred Feller