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Bioabfälle
Die Biotonne rollt nächstes Jahr an

Sandro Richter, Mitarbeiter des Abfallentsorgungsverbandes (AEV), liefert die Biotonnen aus. Bevor diese vor dem Grundstück bereitgestellt werden, wird die Behälternummer über den eingebauten Chip mithilfe des Lesegerätes ermittelt und dann mit dem jeweiligen Grundstück „verknüpft“. Die Daten aus dem Lesegerät werden danach in das AEV-Kundenprogramm eingelesen und dienen dazu, das Entleeren der Biotonne für die Abrechnung zu erfassen.
Sandro Richter, Mitarbeiter des Abfallentsorgungsverbandes (AEV), liefert die Biotonnen aus. Bevor diese vor dem Grundstück bereitgestellt werden, wird die Behälternummer über den eingebauten Chip mithilfe des Lesegerätes ermittelt und dann mit dem jeweiligen Grundstück „verknüpft“. Die Daten aus dem Lesegerät werden danach in das AEV-Kundenprogramm eingelesen und dienen dazu, das Entleeren der Biotonne für die Abrechnung zu erfassen. FOTO: AEV/Björn Naumann
Lauchhammer/Elbe-Elster. Freiwilligkeit bleibt: Nach dem Pilotversuch kann jeder Eigentümer einen Behälter bekommen. Von Manfred Feller

Es geht auch ohne Zwang. Das hat der Abfallentsorgungsverband (AEV) „Schwarze Elster“ mit dem Pilotversuch „Biotonne“ im Testgebiet Stadt Großräschen und Gemeinde Schipkau gezeigt. Jetzt bereitet der AEV nach Auskunft seines Verbandsvorstehers Dr. Bernd Dutschmann die flächendeckende Einführung des Behälters in seinem Verbandsgebiet vor. Dieses umfasst den Süden des Landkreises Oberspreewald-Lausitz und den kompletten Elbe-Elster-Landkreis mit insgesamt rund 50 000 Haushalten.

„Es bleibt bei der Freiwilligkeit“, betont der Vorsteher. Während es mit den Gewerbetreibenden, den privaten und kommunalen Vermietern individuelle Gespräche zum jeweiligen Bedarf geben wird, erhalten in der nächsten Zeit alle anderen Haushalte ein Informationsschreiben. Darin wird ihnen mitgeteilt, dass ihnen ab November 2018 jeweils eine 120-Liter-Biotonne vor das Grundstück gestellt wird. Wer einen größeren oder keinen Behälter wünscht, muss dies mitteilen. Dies ist mit der beigelegten Antwortkarte (Porto zahlt der Empfänger) möglich oder im Internet unter www.schwarze-elster.de/biobehaelter-bestellung beziehungsweise direkt über den QR-Code auf der Antwortkarte. Das Einsammeln der Bioabfälle beginnt dann im Januar 2019 im 14-tägigen Rhythmus.

Wie im Pilotgebiet kostet jede Leerung der 120-Liter-Tonne im ersten Jahr einen Euro, anschließend zwei Euro. Wer 240 Liter benötigt, zahlt zunächst für jede Schüttung 1,50 Euro und dann drei Euro.

Die Abfallverbände sind vom Gesetzgeber dazu verpflichtet worden, Bioabfälle separat zu sammeln und zu verarbeiten. Der AEV bleibt aufgrund der sehr guten Erfahrungen hinsichtlich der Mengen und der Qualität der Abfälle in den Testgebieten Großräschen und Schipkau dabei, die Tonnen nicht zwangsweise vor die Haustür zu stellen.

Der Gesetzgeber verlange, dass pro Person 35 Kilogramm Grünschnitt und Küchenabfälle im Jahr eingesammelt werden. Der Verband hat es im Zeitraum von April 2016 bis Ende März 2017 auf 37,5 Kilogramm gebracht. Anders als in anderen Gegenden des Bundesgebietes, wo die Biotonne zwangsweise eingeführt worden war, liege hier der Anteil der Störstoffe unter zwei Prozent. „Wir haben nach wie vor eine sehr hohe Qualität“, lobt Dr. Bernd Dutschmann die bisherigen Nutzer der Tonne. Offensichtlich sei bei Freiwilligkeit das Bewusstsein, sauber zu trennen, deutlich höher.

Die Bioabfälle werden in der Biogasanlage in Freienhufen vergoren. Das entweichende Gas wird im Blockheizkraftwerk in Elektroenergie umgewandelt, die wiederum in das Netz eingespeist wird.

Diese Anlage arbeitet bislang mit den separat eingesammelten Bioabfällen (565 Tonnen in einem Jahr) und jenen, die mit technischer Hilfe aus dem Restmüll sortiert worden sind. Der Verband geht ab 2019 von jährlich 9000 bis 10 000 Tonnen Bioabfall nur aus seinem Gebiet aus. Die vorhandene Verarbeitungskapazität sei dafür ausreichend.

Obwohl Elbe-Elster ländlich geprägt ist, viele Grundstücksbesitzer selbst kompostieren, rechnet der Verband mit vielen Abnehmern der Biotonne. Dies untermauern die wachsenden Grünmengen, die auf den Wertstoffhöfen in Hörlitz, Massen, Herzberg und Bad Liebenwerda abgegeben werden. Im Versuchsgebiet mit einigen Dörfern hatten etwa 55 Prozent der Haushalte einen solchen Behälter freiwillig geordert. „Es gab kaum Abbestellungen“, resümiert Dr. Bernd Dutschmann.

Der Wechsel von der kleinen auf die größere Tonne und umgekehrt sei jederzeit möglich und auch von einigen wenigen bestellt worden. Die Mehrheit in dem Versuchsgebiet, nämlich 1924 Haushalte, hatte sich für die 120-Liter-Tonne entschieden, 325 wählten die größere. Die Jahresmenge Bioabfall je Haushalt mit Biotonne lag bei etwa 250 Kilogramm.

Die Schüttgebühren je Biotonne decken die Kosten nicht. Dafür müsse ein Anteil der von jedem zu entrichtenden Grundgebühr herhalten, so wie dies bereits bei der Schadstoff- und Sperrmüllsammlung üblich ist, bei der bei Abholung oder Annahme nichts extra bezahlt werden muss. „Dennoch bleiben die Gebühren zumindest noch 2018 konstant“, versichert der Vorsteher. Seit 2006 sind die Gebühren nicht mehr erhöht worden.