In Elbe-Elster gibt es etwa 9000 funktionelle Analphabeten, bei einer Einwohnerzahl von etwas mehr als 100 000. Deutschlandweit sind es vor zehn Jahren noch 7,5 Millionen Menschen gewesen, heute noch rund sechs Millionen. Ungefähr zwölf Prozent der Erwachsenen haben deutliche Schwächen beim Lesen und Schreiben. Die erschreckenden Zahlen sind unter anderem aufgrund der höheren Anzahl Erwerbstätiger und durch Bildungsmaßnahmen gesunken.

Mehr als 3000 Lernende

Auch im Landkreis Elbe-Elster sitzen viele Erwachsene auf der Schulbank. Seit September 2015 gibt es hier die Lernstube des Grundbildungszentrums. Was zunächst in einem Klassenraum in der Regionalstelle Elsterwerda der Kreisvolkshochschule (KVHS) begann, wurde inzwischen zu einem Angebot, das seit dem Sommer 2016 an allen drei Regionalstellen beziehungsweise im Gärtnerhaus in Elsterwerda nicht nur vorgehalten, sondern bisher mit mehr als 3000 Lernenden vor allem rege genutzt wird.

Eine Änderung der Förderrichtlinie des Brandenburger Bildungsministeriums machte es möglich, dass dieses Angebot weiter ausgebaut werden konnte. „So ist seit Dezember 2019 in allen drei Regionalstellen der Kreisvolkshochschule die Lernstube an jeweils zwei Tagen geöffnet“, sagt Sabine Rau, Projektleiterin am Grundbildungszentrum.

Ronald Pache (2.v.l.) ist ein Lernender der ersten Stunde in Herzberg. Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (2.v.r.) und Bildungsdezernent Roland Neumann wünschen weiterhin viel Erfolg beim Lernen. Links: Sabine Rau, Projektleiterin am Grundbildungszentrum.
Ronald Pache (2.v.l.) ist ein Lernender der ersten Stunde in Herzberg. Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (2.v.r.) und Bildungsdezernent Roland Neumann wünschen weiterhin viel Erfolg beim Lernen. Links: Sabine Rau, Projektleiterin am Grundbildungszentrum.
© Foto: Holger Fränkel

Ronald Pache ist ein Lernender der „ersten Stunde“ in Herzberg. Seit dem Jahresanfang 2016 kommt er regelmäßig in die Lernstube nach Herzberg. Er staunt, als Landrat Christian Heinrich-Jaschinski mit dem Dezernenten Roland Neumann plötzlich im Raum der Lernstube steht und ihm zum Jubiläum gratuliert. Sie hatten nicht nur Glückwünsche im Gepäck. Ein Buch in leichter Sprache sowie ein Tee-Set sollen dem Gern-Lerner das Lesen in der heimatlichen Stube weiterhin schmackhaft machen.

Ronald Pache kommt seit der Eröffnung in die Lernstube. Er nahm an den Ausflügen zur Buchmesse nach Leipzig teil und will auch im März wieder dabei sein. Inzwischen war er mit dem AlfaMobil als Lernbotschafter unterwegs und steht dafür ein, dass Lernen im Erwachsenenalter wichtig ist und ihm endlich sogar Spaß macht.

1000 Erwachsene auf der Schulbank

Alleine im Jahr 2019 nahmen mehr als 1000 Erwachsene das niedrigschwellige Lernangebot in der Lernstube wahr. Niemand wird gezwungen, sich noch einmal auf die Schulbank zu setzen. Die Teilnehmer kommen freiwillig. Hier gibt es den geschützten Rahmen, in dem es nicht schlimm ist, wenn Lesen, Schreiben oder Rechnen schwer fallen, die Buchstaben keinen Sinn ergeben wollen oder die Zahlen auf dem Blatt durcheinandergeraten.

Umso größer ist die Freude, wenn sich ein Zusammengehörigkeitsgefühl ergibt, wenn man miteinander quatscht und sich gegenseitig hilft. „Es ist ein tolles Gefühl zu wissen, Menschen auf ihrem Lebens- und Lernweg zu begleiten, um ihnen den Alltag lebenswerter zu machen und Teilhabechancen zu verbessern. Viele Erwachsene nichtdeutscher Herkunft nutzen das Lernangebot ebenfalls, sei es zwischen zwei Deutschkursen, zur Prüfungsvorbereitung oder weil sie sich auf den Schulabschluss vorbereiten möchten,“ weiß die Leiterin der Kreisvolkshochschule Andrea Hähnlein zu berichten.