In den Ställen der Agrargenossenschaft Beyern am Kiebitz in Falkenberg stehen 750 Muttersauen plus Nachzucht. Die Beyerischen Muttersauen werfen im Durchschnitt 2,3 Mal im Jahr 27 Ferkel je Sau. „Das ist kein Spitzenwert, aber gute Mitteklasse“, sagt der Chef der Genossenschaft Horst Bielagk. Zum Abferkeln und in der etwa vierwöchigen Säugezeit kommen die Sauen bislang in Buchten mit einem sogenannten Ferkelschutzkorb. Dieser unterstützt das Hinlegen der Sauen und schützt die Ferkel so vor dem Erdrücken durch die Muttersau. So ist es Standard, schon seit DDR-Zeiten.

„Tierschützer werfen den Landwirten vor, die Sauen zu quälen, wenn man sie für drei bis vier Wochen fixiert. Wir wollen den Sauen in Bewegungsbuchten mehr Grundfläche und die Möglichkeit zum Umdrehen bieten“, so Bielagk. Die Sau wird nur noch um den Zeitraum des Abferkelns im Ferkelschutzkorb fixiert. Ab dem siebenten Lebenstag der Ferkel wird dieser geöffnet und die Sau kann sich frei bewegen.

Diese Haltungsform ist bei den Landwirten nicht unumstritten. „Bisher wurde das kaum praktiziert, weil die Meinung vorherrscht, dass die Erdrückungsgefahr für die Ferkel zu groß ist und so das ökonomische Ergebnis geschmälert wird. Aber das wollten wir genauer wissen“, sagt Bielagk.

Die Agrargenossenschaft Beyern hat sich deshalb um die Teilnahme an einem Europäischen Innovationsprojekt (EIP) beworben und den Zuschlag für das Projekt „Bewegungsbuchten für säugende Sauen in der Produktion“ erhalten. Für die Betreuung des Projektes konnte der Betrieb mit Unterstützung der EU für drei Jahre eine Mitarbeiterin einstellen. Seitdem beschäftigt sich Katja Menzer intensiv mit der Problematik. Die Torgauerin ist Diplomagraringenieurin und hat in Halle studiert.

Das Projekt läuft seit einem Jahr. Die Beyerischen haben vier verschiedene Varianten der Bewegungsbuchten im Test, die alle eine Größe von sechs Quadratmetern aufweisen. Sie sind damit etwa zwei Quadratmeter größer als die herkömmlichen Buchten. „Wir haben uns in verschiedenen Versuchsanstalten umgesehen, auch in Österreich, wo man Deutschland in dieser Problematik etwa drei, vier Jahre voraus ist“, so Katja Menzer. Die ersten Ergebnisse hätten ergeben, „dass sich die Verlustzahlen bei Öffnung des Ferkelschutzkorbes erst mit dem 7. Lebenstag der Ferkel in den Bewegungsbuchten im Vergleich zu den konventionellen Abferkelbuchten nicht erhöhen. Unterschiede zwischen den vier Varianten der Bewegungsbuchten gibt es aber“, so Katja Menzer. Und Horst Bielagk fügt an, dass er erstaunt war, wie schnell die Sauen zur Mütterlichkeit zurückgefunden hätten. „Die Instinkte sind nach wie vor da. Sie nutzen ihre Bewegungsfreiheit“, meint er.

Die Agrargenossenschaft Beyern ist von dem Projekt überzeugt und baut deshalb ab dem kommenden Jahr Schritt für Schritt fünf ihrer sechs Ställe um und richtet Bewegungsbuchten zum Abferkeln ein. Die Ställe sind technisch sowieso zerschlissen und müssten erneuert werden. 180 neue Buchten werden insgesamt gebaut. Bisher passen 48 in einen Stall, nach dem Umbau werden es nur noch 36 sein. „Für uns ist das machbar, weil wir im Jahr 2013 unseren Sauenbestand von ursprünglich 1000 auf 750 verringert haben“, so Horst Bielagk.

Katja Menzer wird dieses Projekt weiter begleiten. Sie erfasst genau die Verlustzahlen, das Gewicht der Tiere und verfolgt ihr Verhalten mithilfe eingebauter Kameratechnik. „Daneben wird auch die Praktikabilität der Buchten bewertet, indem die Mitarbeiter regelmäßig zur Handhabung der neuen Buchtensysteme befragt werden.

Die Agrargenossenschaft Beyern ist mit diesem EIP-Projekt beispielgebend für das Land Brandenburg. Andere landwirtschaftliche Betriebe können sich dann hier informieren und die Erfahrungen der Kollegen aus Elbe-Elster nutzen.