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Bewegendes Gedenken an die Tausenden Opfer von Kulmhof

Eine bewegende Kranzniederlegung im polnischen Che{lstrok}mno nad Nerem erinnerte an die unzähligen Opfer.
Eine bewegende Kranzniederlegung im polnischen Che{lstrok}mno nad Nerem erinnerte an die unzähligen Opfer. FOTO: Bekker
Leserbrief. Mit großem Interesse habe er in der RUNDSCHAU vom 30. September den Artikel über das Judenmassaker von Babi Jar in der Ukraine gelesen, schreibt Dr. Gustav Bekker aus Elsterwerda.

Vor Jahren habe er das Buch "Babi Jar" von Anatoli Kusnezow gelesen und wusste von den deutschen Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung von Kiew. "Ich war erneut zutiefst erschüttert, und dies bewegt mich auch, von einer Gedenkveranstaltung zu berichten, die am 5. September in Chemno nad Nerem in Polen stattfand und zu der meine Frau Inge und ich durch den Präses der polnischen "Mission Versöhnung", Tadeusz Kreps, eingeladen waren":

Was war in diesem kleinen Ort, unweit von odz gelegen, im Zweiten Weltkrieg geschehen? Bereits im September/Oktober 1939 hatten die deutschen Besatzer durch die "politische Flurbereinigung" ca. 10 000 polnische Zivilisten der Region erschossen. Hier in Chemno nad Nerem (Kulmhof) errichtete die SS das erste deutsche Vernichtungslager auf polnischem Boden.

Die Ermordung tausender Menschen wurde hier perfekt organisiert. Am Ende des Leidensweges wurden die Juden in die Gaswagen getrieben, die Türen verschlossen und die Abgase des laufenden Lkw-Motors 20 Minuten ins Innere des Todeswagens geleitet. Die Lastkraftwagen fuhren dann zu den im Wald ausgehobenen Erdgruben. Die Türen wurden dort geöffnet, und wer noch lebte, durch Pistolenschuss getötet. So kam es 1941 bis 1943 im Lager Kulmhof zur Ermordung von annähernd 173 000 Juden. Hinzu kam die Tötung von 4300 Roma und Sinti sowie unzähligen russischen Kriegsgefangenen. Unter den polnischen Opfern befanden sich Geistliche, Ordensschwestern, aber auch Kinder aus der Gegend von Zamosc. Kulmhof wurde auch die Hölle auf Erden für die Kinder des tschechischen Dorfes Lidice - hier wurden sie vergast.

Die perfekte Todesarbeit leistete das SS-Sonderkommando Kulmhof, auch als Sonderkommando Lange bekannt (benannt nach dem SS-Hauptsturmführer Herbert Lange). Gauleiter Arthur Greiser war nach einem Besuch in Kulmhof von den Mordtaten dieser Gruppe mit Stolz erfüllt. 75 Jahre nach diesen Massenmorden gedachten Hunderte polnische Menschen in einer bewegenden Gedenkfeier der Opfer. In Anwesenheit des Bischofs von Wocawek, Wiesaw Alojzy Mering, fand ein Gottesdienst unter freiem Himmel statt.

Vertreter der Öffentlichkeit fanden für die unzähligen Opfer Worte ehrenden Gedenkens. So beispielsweise der Bürgermeister der Stadt Dabie, Tomasz Ludwicki: "… es ist und bleibt unsere Pflicht, der Opfer zu gedenken, sich vor ihnen zu verneigen, Versöhnung zu praktizieren und im vereinten Europa partnerschaftlich zusammenzuarbeiten." Unter den Gästen befanden sich Vertreter der tschechischen, russischen und österreichischen Botschaften sowie und einige jüdische Bürger. Ein offizieller deutscher Vertreter fehlte. Quelle: Andrzej Grzegorczyk, Piotr Wasowicz "Lager der Ausrottung Kulmhof in Chemno am Ner"