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| 15:20 Uhr

„Bewaffneter“ im Zug - Gericht schreibt Strafbefehl
Nötigung im IC kostet 2000 Euro

So passiert im Juli 2017 in Herzberg: Der IC Prag-Kiel wird auf dem Westbahnhof gestoppt, etwa 400 Reisende werden evakuiert. Erstmeldung an die Polizei: Ein bewaffneter Mann bedroht Reisende. Das Spezialeinsatzkommando wird angefordert.
So passiert im Juli 2017 in Herzberg: Der IC Prag-Kiel wird auf dem Westbahnhof gestoppt, etwa 400 Reisende werden evakuiert. Erstmeldung an die Polizei: Ein bewaffneter Mann bedroht Reisende. Das Spezialeinsatzkommando wird angefordert. FOTO: Dieter Müller
Bad Liebenwerda/Herzberg. Richterin beantragt nach Vorfall in Herzberg 100 Tagessätze a 20 Euro Strafe. Von Frank Claus

Der Fall hat im Juli des vergangenen Jahres für Aufsehen gesorgt und eine starke Abordnung des Polizei-Sondereinsatzkommandos auf den Plan gerufen.

Im Intercity-Zug Prag-Kiel hat ein damals 46-jähriger Mann, in Dresden geboren und inzwischen nahe Berlin zu Hause, unter Alkoholeinfluss mit einer Pistole gedroht. Das war jedenfalls die erste Information, die die Polizei erreicht. Zugbegleitern sei es gelungen, den Mann in einem Abteil zu isolieren. Der Zug wurde auf dem Herzberger Westbahnhof angehalten. Die etwa 400 Fahrgäste und das Personal wurden evakuiert.

Wie sich später herausstellte, war es eine Plastikwaffe mit der der Mann hantiert hatte. Wohl auch mindestens ein Passagier sei von ihm bedrängt worden. Zur gestern anberaumten Verhandlung im Amtsgericht in Bad Liebenwerda sind der Beschuldigte und sein Pflichtverteidiger nicht erschienen. Sie hätten auf die Inhalte der polizeilichen Vernehmungen und die Aussagen des Beschuldigten verwiesen.

Der Zeuge, ein Deutscher, der mittlerweile in den USA lebt, habe sich ebenfalls geäußert und erklärt, die weite Anreise nicht auf sich nehmen zu wollen. Nach der Durchsicht aller Unterlagen und der Bewertung der Aussagen entschied die Richterin, einen Strafbefehl von 120 Tagessätzen zu je 20 Euro wegen Nötigung zu beantragen.  So könne zum Beispiel nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, ob und wie der Mann mit der „Waffe“ gedroht habe.

Das Urteil des Amtsgerichtes bedeute nicht, dass der Beschuldigte damit schon „aus dem Schneider“ ist. Die Richterin verwies darauf, dass auch die Bahn Ansprüche wegen des außerplanmäßigen Stopps und der Beeinträchtigung des Zugverkehrs auf zivilgerichtlichem Wege geltend machen könne.