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| 18:19 Uhr

Aufregung am Kiessee Zeischa
Der Stubben-Wall von Zeischa

Ein Wall aus gerodeten Baumstubben umschließt jetzt Teile des Kiessees in Zeischa und sorgt für Verstimmungen.  Fotos: Frank Claus
Ein Wall aus gerodeten Baumstubben umschließt jetzt Teile des Kiessees in Zeischa und sorgt für Verstimmungen. Fotos: Frank Claus FOTO: Frank Claus / LR
Bad Liebenwerda. Stadt Bad Liebenwerda und Anlieger protestieren – Bergamt stärkt dem Betreiber den Rücken. Von Frank Claus

Um große Teile des Kiessees in Zeischa wird seit Tagen ein Wall aus Baumstubben errichtet. Angeliefert werden die ganz aus der Nähe: Sie fallen beim drei- streifigen Ausbau der B 101 zwischen Bad Liebenwerda und Elsterwerda an. Insider wollen wissen, dass sich der Baubetrieb damit eine kostengünstige Entsorgung gesichert habe. Eine Behauptung, die sicher nur teilweise zutrifft. Denn dass die Stubben jetzt am Bergwerksgelände abgelegt werden dürfen, geht auf eine Genehmigung „von ganz oben“ zurück. Das Landesbergamt hat diese Schutzmaßnahme sogar empfohlen.

Vor allem den Bewohnern der angrenzenden Bungalowsiedlung sind die Stubben, die ihnen den direkten Zugang zum See verwehren sollen, ein Dorn im Auge. Gleich mehrere Nutzer haben sich bei der RUNDSCHAU gemeldet, darauf verwiesen, dass sie seit vielen Jahren den See zum Baden nutzen und garantiert nicht diejenigen sind, die für Gefährdungen oder gar Verschmutzungen sorgen würden.

Schwer im Magen liegen auch der Stadt Bad Liebenwerda die Ablagerungen. Denn die denkt einen Schritt weiter. „Wir wollen den Kiessee Zeischa perspektivisch als Nah- erholungsgebiet entwickeln. Wenn dort jetzt ringsherum Baumstubben abgelagert werden, könnten sich möglicherweise Biotope entwickeln, die wir nie wieder wegkriegen“, sagt Bürgermeister Thomas Richter (CDU) und sieht auch die Kosten, die bei einer späteren Beräumung anfallen würden.

Bergwerksbetreiber Mirko Schüring indes sieht keinen anderen Ausweg mehr. Er steht zwischen Baum und Borke. Unter Androhung von empfindlichen Strafen werde er immer wieder beauflagt, die Sicherheit des Kiestagesbaus zu gewährleisten. Werkleiter Uwe Weißbach könnte ein Buch über die fortwährenden Sachbeschädigungen schreiben. Immer wieder würden, auch im engen Abstand aufgestellte „Betreten verboten!“-Schilder nicht beachtet oder werden meist schon kurz nach dem Aufstellen wieder beschädigt oder entwendet. Einen Maschendrahtzaun ums Werk ziehen, gehe nicht. Dies sei zu kostspielig und zudem würde der immer wieder aufgeschnitten. „Ich muss mir üble Beschimpfungen gefallen lassen, hatte auch schon Hunde am Arm“, sagt er und berichtet, dass seinem Vorgänger sogar angedroht worden sei: „Wir wissen, wo Du wohnst.“

Teile der Heerscharen von Badenden würden Müll hinterlassen. Motocrosser bewegen sich in ungesicherten Steilhängen. Angler würden Stege errichtet haben. „Wenn was passiert, sind wir dran“, sagt er und schiebt nach: Die ganz große Mehrheit verhält sich ordentlich. Aber es gibt eben immer Extreme. Ihm selbst würden die Bungalow-Besitzer am meisten leid tun.

Hans-Georg Thiem, Präsident des Landesbergamtes Cottbus, kennt die angespannte Lage, weiß auch um den enormen touristischen Reiz, den das Gewässer ausstrahlt. Hunderte Brandenburger und Sachsen würden sich jährlich am See tummeln. Aber ein Werk sei nun mal ein Werk.

Am 15. März will er selbst nach Zeischa kommen, um dort mit den Fachleuten seines Amtes, dem Bergwerksbetreiber und der Stadt vor Ort zu beraten. Dabei solle auch nach Lösungen gesucht werden, mögliche weitere Teilbereiche für die öffentliche Nutzung freizugeben. „Das haben wir für den Bereich an der Straße zwischen B 101 und Prieschka ja schon getan. Doch jetzt hören wir, dass die Stadt die touristische Entwicklung zuerst gegenüber der Tankstelle will. Das macht ja Sinn, wenn man die Nähe zur Stadt und die Straßenanbindung sieht“, zeigt er Verständnis. Doch eben gerade dort würde jetzt Kies gefördert. „Möglicherweise finden wir ja auch neue Zuwegungen für den Abtransport.“ Er jedenfalls wolle mit klaren Vorstellungen nach Zeischa kommen.

Mehr Einsicht erwarte er aber auch von den Bürgern. Für den Umgang mit den Baumstubben wolle er Lösungen aufzeigen. Seiner Auffassung nach könne die jetzige Ablagerung nur eine Zwischenlösung sein.

Ein Video zum Thema finden Sie hier.

Die Stubben stammen vom dreistreifigen Ausbau der benachbarten B 101.
Die Stubben stammen vom dreistreifigen Ausbau der benachbarten B 101. FOTO: Frank Claus / LR