Die drohende Schließung der Schule, von den Abgeordneten mehrheitlich beschlossen, lässt insbesondere bei Eltern, Großeltern und anderen großen Besuchern des Festes keine Freude aufkommen. Während die Mädchen und Jungen an verschiedenen Stationen, die von vielen Helfern betreut werden, kurzweilige Unterhaltung finden, stecken die Erwachsenen die Köpfe zusammen und diskutieren. Das angestrebte Bürgerbegehren ist in aller Munde. "Die ersten Unterschriftenlisten sind voll", freuen sich die Initiatoren um Delf Gerlach. "Wir haben ganz viel Hoffnung, damit etwas bewegen zu können und sind froh zu sehen, wie viele engagierte Eltern es gibt", sagt Petra Hoehne. "Viele hängen an dem Standort. Meine Eltern sind hier schon zur Schule gegangen, ich selbst ebenso wie meine Geschwister und später dann meine Kinder und Pflegekinder", erzählt Marion Kluge.

Dass die Schule nach mehr als 100-jähriger Existenz nicht mehr zu Uebigau gehören soll, wollen viele, die hier das Einmaleins und mehr erlernt haben, nicht verstehen. Zu ihnen gehört auch die Rentnerin Siegrid Brockmeier. Mit neun Jahren sei sie von Halle nach Uebigau umgezogen und dann natürlich auch hier zur Schule gegangen. "Das waren schöne Jahre", erinnert sie sich und plaudert mit anderen Seniorinnen. Erinnerungen werden dabei wach - an die vielen in der Stadt verteilten Außenstellen, an Schläge mit dem Geigenstock auf die Hand, aber auch an viele schöne Freundschaften, die mitunter bis heute halten.

Ute Müller, die 20 Jahre als Hortnerin gearbeitet hat, ist traurig über die aktuelle Entwicklung. "Hier ist es ideal", sagt sie, während ihr Blick über den Schulhof und das Schulensemble streift. Sabine Hoffmann, Erzieherin in der Uebigauer Kita, wird mit Blick in die Zukunft bange. Werden die Eltern ihre Kinder dann nicht lieber in die Kitas nach Wahrenbrück und Falkenberg bringen, damit sie von Anfang an mit ihren späteren Klassenkameraden aufwachsen, fragt sie sich.

Es scheint, als sei es der Tag der tausend Fragen. Nur dreieinhalb Wochen vor Schuljahresende ist unklar, wie es wirklich weitergeht. Wird das Bürgerbegehren Erfolg haben und dafür sorgen, dass die Schule in Uebigau erst einmal weiter Bestand hat?

Wird der Beschluss der Stadtverordneten überhaupt so bestehen bleiben? Wegen eines Fehlers, die Schulkonferenzen sind im Vorfeld nicht gehört worden, muss der nämlich noch einmal aufgerufen werden, ist am Rande des Schulfestes von Bürgermeister Andreas Claus (parteilos) zu hören. Die Termine für die neue Beratungskette, darin eingeschlossen die Schulkonferenzen der Grundschulen in Uebigau und Wahrenbrück sowie die städtischen Ausschüsse, würden gerade abgestimmt. Am 16. Juli solle es eine zusätzliche Stadtverordnetenversammlung geben, so Claus. "Wir schauen uns alles noch einmal an und reden über die offenen Fragen", verspricht er. Und dürfte damit viel Erklärungsbedarf haben. Denn: "Es müssen handfeste Fakten und Zahlen auf den Tisch", haben einige Abgeordnete schon gefordert, als von der erneuten Beratungsrunde noch nicht im Ansatz die Rede war.