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| 01:36 Uhr

Bertzitturm im Dornröschenschlaf

Ortsbürgermeister Steffen Klotzsch und der Bertzitturm.
Ortsbürgermeister Steffen Klotzsch und der Bertzitturm. FOTO: Veit Rösler
Das Türchen, das sich heute im RUNDSCHAU-Adventskalender öffnet, mutet an wie ein Tor zu einem geheimnisvollen Ort. Und ganz verkehrt liegt der Neugierige dabei nicht, denn selbst zum Status des Gebäudes weichen die Auffassungen voneinander ab. Die Rede ist von jenem markanten Bauwerk, das dem Vorbeifahrenden auf der Bundesstraße 169 zwischen Plessa und Kahla ins Blickfeld gerät. Von Gabi Böttcher

Der sogenannte Bertzitturm wird von den Kahlaern als ihr Wahrzeichen betrachtet. Ortsbürgermeister Steffen Klotzsch, der in der Nähe des Turmes wohnt, weiß davon zu erzählen, dass die Kahlaer eine Nachbildung des Turmes anlässlich der 600-Jahr-Feier des Ortes im Jahr 2006 im Festumzug mit sich geführt haben. Auch im Miniaturenpark in Elsterwerda gibt es einen kleinen Bruder des Bauwerkes.
So schön wie es wäre, den Turm als touristisches Ziel vermarkten zu können, derzeit gebe es dafür keine Hoffnung. Grund und Boden und der Turm gehören der Wolff & Müller Baustoffe GmbH. In der Geschäftsführung in Haida reagiert man äußerst gereizt auf eine Anfrage bezüglich möglicher Pläne für den Turm. Es sei ein technisches Denkmal. Und damit Punkt. Ein technisches Innenleben habe der Turm nie gehabt. Er werde so stehenbleiben, lautet die knappe Antwort.
Doch gerade der allseits vermutete Denkmalstatus veranlasste Sachgebietsleiterin Claudia Hofmann von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises gestern zum Prüfen der aktuellen Lage. Auf der Denkmalschutzliste des Landkreises Elbe-Elster ist der Turm derzeit nicht verzeichnet. Was jedoch aus der Sicht der Fachfrau keineswegs bedeutet, dass das Bauwerk keinen Denkmalwert habe. Wahrscheinlich hinge es mit der Novellierung des Denkmalschutzgesetzes und den damit verbundenen Umstellungen zusammen, dass der Turm derzeit nicht als denkmalgeschützt ausgewiesen ist.
In die Zeiten des Kohlebergbaus in der zwischen Döllingen und Kahla liegenden Grube Ada gehen auch die Wurzeln des Turmes zurück. Hier sollte das sogenannte Bertziner Verfahren zur Kohletrocknung und Gewinnung von Kohlestoffen angewendet werden. Der bis heute weithin sichtbare 35 Meter hohe Bertzitturm wurde in den Jahren 1915/16 gebaut, jedoch nie technisch ausgerüstet. Er wird als eine der ältesten Investruinen Deutschlands gehandelt.
Ortsbürgermeister Steffen Klotzsch könnte sich die Einbindung des Wahrzeichens in die Reihe bergbaugeschichtlich bedeutsamer Zeitzeugen wie der Brikettfabrik „Louise“ in Domsdorf und des wenig entfernt befindlichen Kraftwerkes Plessa vorstellen. Gelegen am Radwanderweg böte sich eine touristische Vernetzung an. Doch weder in Kahla, dem kleinen Ortsteil von Plessa mit nur 393 Einwohnern, noch im Amt Plessa kann man sich eine Finanzierung vorstellen, die zu einem solchen Ziel führen könnte.
Amtsdirektor Manfred Drews: „Der Turm ist Privateigentum.“ Im Amtsbereich gebe es genug andere Denkmale. Was man sich für den Turm vorstellen könnte und was wünschenswert wäre, das sei eine andere Sache. Ortsbürgermeister Steffen Klotzsch erinnert an die unweit des Turmes gelegene ehemalige Gaststätte „Waldeslust“ . Würde sich für diese wieder ein Betreiber finden, sähe die Situation auch schon wieder anders aus. So ist der Turm zwar vielfach in touristischen Wegweisern benannt, derzeit jedoch wohl weiter als seinerzeit Dornröschen davon entfernt, aus dem Tiefschlaf zu erwachen.

Wenn Ihnen, liebe Leser, Episoden oder Erlebnisse im Zusammenhang mit dem Bertzitturm einfallen, dann greifen Sie heute zwischen 14 und 14.30 Uhr zum Telefonhörer und erzählen Sie unseren Redakteuren davon: 03533 519422