(vrs) Ein etwa 100 Kilo schweres, acht Wochen altes Kalb ist in der Nacht zum Samstag mutmaßlich wieder Opfer eines Wolfes geworden. Rinderzüchter Fritjof Zinke (61) hat das verendete Jungtier zusammen mit einer Kollegin bei der Kontrolle der Herde auf einer angrenzenden Weidefläche gefunden. Nach einem Wolkenbruch am Vorabend sind diesmal im weichen Schlamm mehrere Trittsiegel gefunden worden. In einem der Tatzenabdrücke fanden sich noch graue Haare, die in einer Plastiktüte der Spurenermittler als Beweismittel gelandet sind. Der oder die vermeintlichen Wölfe müssen in der Nacht in die Herde aus 45 Mutterkühen und am Vorabend noch 32 Kälbern eingedrungen sein. Daneben sind nahe dem Koppelzaun Kampfspuren und Schleifspuren zu sehen. Danach ist das Kalb etwa 100 Meter weit auf eine offene Fläche gezerrt worden. Zwei im Auftrag des Landes Brandenburg agierende Wolfsbeauftragte haben die Spuren in der Koppel ausgewertet und auf der Wiese DNA-Material an den Rissspuren gesichert. Zu einer Aussage sind sie nicht bereit. Die Spurenauswerter seien lediglich dazu da, den Schaden festzustellen und um den Ist-Zustand aufzunehmen.

Der Wolf hatte in Plessa zuletzt am 13. Juni zugeschlagen, mit einem ähnlichen Schadensbild. Während das Vorderteil des verendeten Tieres noch vollkommen intakt ist, sind große Teile des Hinterleibes verschwunden. Dabei handelt es sich jetzt bereits um den neunten ähnlich gearteten Fall. Die Serie hatte am 9. Mai begonnen, so der Geschäftsführer der Agrar GmbH Jürgen Richter (62). Drei Jungtiere seien seitdem zudem spurlos verschwunden. Bei behördlich festgestellten Wolfsriss werde zwar eine Entschädigung gezahlt, diese widerspiegele aber nicht den tatsächlichen Wert eines Jungtieres. Spurlos verschwundene Tiere würden überhaupt nicht entschädigt.

  Der oder die Wölfe halten sich sehr wahrscheinlich im Schradenwald auf. Auch für einen leidenschaftlichen Landwirt seien solche Geschehnisse traumatische Ereignisse, wird doch mehr oder weniger eine Beziehung zu den Tieren aufgebaut. In der kommenden Woche sollen die Plessaer Landwirte Besuch von einer Präventionsbeauftragten bekommen, um Ratschläge zum Schutz der Koppeln während der Abkalbsaison zu erhalten.