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| 01:36 Uhr

Beim Töpfern zugeschaut

In der Töpferei Engelmann in Gröbitz zeigt Susanne Tews dem kleinen Moritz, wie die Töpferscheibe funktioniert.
In der Töpferei Engelmann in Gröbitz zeigt Susanne Tews dem kleinen Moritz, wie die Töpferscheibe funktioniert. FOTO: Dietmar Seidel/dse1
Gröbitz/Hohenleipisch. Die Töpferfamilien Engelmann in Gröbitz sowie Biebach und Lück in Hohenleipisch gehörten am Wochenende zu den mehr als 500 Töpfereien, die am bundesweiten Tag ihrer Innung viele Neugierige hinter die Kulissen ihrer Betriebe blicken ließen. Von Dietmar Seidel und Veit Rösler

Für Töpfermeister Otto Engelmann, Ehefrau Gertraut, Sohn René und Schwiegertochter Susanne bedeutet dieser Tag so etwas wie den Saisonstart. Die Werkstatt ist herausgeputzt, Tische sind eingedeckt, Keramikvasen mit kleinen Frühlingssträußen stehen darauf. Kaffeeduft macht sich breit, schon bevor die ersten Besucher den Töpfereihof betreten.

Die Engelmanns haben sich in ihrem Betrieb, der in zwei Jahren seinen 100. Geburtstag feiert, gut vorbereitet auf dieses Wochenende. René Engelmann steht am RAKU-Ofen und erklärt den Interessierten die japanische Brenntechnik. Bis auf 1000 Grad wird die Keramik in relativ schneller Zeit in einer Tonne aufgeheizt und dann zum Abkühlen in einen Behälter mit organischen Materialien wie Sägespäne oder Laub gelegt. “Das Ergebnis ist eine ganz besondere Struktur in der Glasur oder auf der unglasierten Oberfläche„, kommt der Töpfer ins Schwärmen, bevor er mit einer kleinen Schippe noch einmal eine Handvoll Späne über das glühende Keramikstück wirft. Susanne, Renés Frau, sitzt bereits mit Kindern an der Drehscheibe. Moritz (6) aus Doberlug-Kirchhain, der mit seinem Papa Thomas Becker die Töpferei besucht, schneidet gerade mit einer Schnur seinen selbstgedrehten Kerzenhalter von der Scheibe.

Meister Otto Engelmann beantwortet zahlreichen Besuchern Fragen. Meisterfrau Gertraut hat noch an drei Schüsseln mit einem scharfen Messer die Ränder zu schneiden. Sie ist diejenige, die sich in der Geschichte des Betriebes auskennt. Sie erzählt vom Töpfer Otto, dem Großvater ihres Mannes, der 1913 im Dorf Klingmühl eine Töpferei aufbaute und dass in den ersten Jahren neben dem Gebrauchsgeschirr auch Ton- und Drainagerohre gefertigt wurden. Nach Berlin wurden Mayonnaisetöpfchen und Heringstöpfe geliefert. 1969 übernahm ihr Mann Otto den Betrieb vom Großvater Otto. Und als das Dorf Klingmühl der Kohle weichen sollte, entschlossen sich die Engelmanns für einen Neuanfang in Gröbitz.

Was ihnen zu DDR-Zeiten aus der Hand gerissen wurde, muss heute mühsam verkauft werden. Die wichtigsten Umsatzquellen sind die Töpfermärkte. 32 solcher Märkte werden im Jahr besucht. Da bleibt nicht viel Zeit für Familie und Urlaub. Der erste Markt ist in Rietschen, auf den freuen sie sich schon. Am ersten April-Wochenende haben sie ein Heimspiel in Crinitz. Märkte in Görztke nördlich von Berlin, in Neukirch in der Oberlausitz, in Freiberg und Crimmitschau stehen im Kalender.

Mehrere hundert Gäste besuchten am Wochenende auch die in der Hohenleipischer Bahnhofstraße nebeneinander liegenden Töpfereien Biebach und Lück. Beim Schautöpfern konnten die Besucher den Töpfermeistern und den in den Töpferstuben arbeitenden Künstlern über die Schulter schauen. Daneben konnten die Kinder in beiden Betrieben Ostereier und Hasen formen und getrocknete Rohlinge mit Farbe versehen. In der alten Töpferhochburg Hohenleipisch, in der es einmal 22 Töpfereien, 16 Ziegeleien und eine für ein Dorf ungewöhnliche eigene Töpferinnung gab, wurde dieses Handwerk erstmals im Jahre 1505 erwähnt. Andreas Biebach erklärte - an der Töpferscheibe arbeitend - die einzelnen Arbeitsschritte. Keramikmalerin Nicole Biebach lachte mit der Sonne und den Frühlingsblumen um die Wette. Wenn die auf den Rohling eines Tellers gemalten Osterglocken zunächst auch noch etwas blass wirkten - nach der Glasur und dem Brand im Töpferofen bei 1180 Grad Celsius entfalteten sie wie die Originale ihre ganze Farbenpracht. Mit der Künstlerin Antje Bräuer konnten die Kinder in der Töpferei Lück prächtige Osterhasen aus Ton gestalten.