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| 02:37 Uhr

Beim Testament steckt der Teufel zumeist im Detail

Auf ein reges Interesse ist unlängst ein RUNDSCHAU-Forum zum Thema Erbrecht in Finsterwalde gestoßen. Irene Bebernitz von den Notarkammern der neuen Bundesländer antwortet hier auf einige der meistgestellten Leserfragen:

Was ist bei der Erstellung eines Testamentes zu beachten? So wie man wohl kein Haus ohne Architekt baut, sollte auch niemand an die Abfassung seines letzten Willens gehen, ohne sich gründlich beraten zu lassen. Denn oft steckt der Teufel im Detail. Grundsätzlich kann ein Testament privatschriftlich, das heißt mit der Hand ge- und unterschrieben und mit Ort und Datum versehen, verfasst werden. Der Notar hilft Ihnen gern bei der inhaltlichen Abfassung. In diesem Fall handelt es sich dann um ein notariell-beurkundetes Testament, das als öffentliche Urkunde zum Beispiel auch zu Grundbuchberichtigungszwecken nach Ableben des Erblassers ohne separate Erteilung eines Erbscheines genutzt werden kann.

Was sollte ein Testament beinhalten?
Die inhaltliche Gestaltung ist in Abhängigkeit von der Familienkonstellation nicht immer einfach. Beispielsweise ruft ein Ehegattentestament mit einer einfachen gegenseitigen Erbeinsetzung bei sogenannten Patchwork-Familien oftmals mehr Ärger hervor, als geahnt. Dies gilt vor allem im Hinblick auf entstehende Pflichtteilsansprüche der Kinder. Es empfiehlt sich in jedem Fall vorher eine juristische Beratung. Errichten Sie das Testament beim Notar, ist die Beratung in den Kosten der Beurkundung enthalten. Benennen Sie im Testament, wer Ihr Erbe oder Ihre Erben werden sollen. Unterlassen Sie eine Auflistung einzelner Vermögensgegenstände. Für einzelne wichtige Gegenstände können Vermächtnisse ausgesetzt werden, das heißt, Sie bestimmen, dass der Erbe bestimmte namentlich benannte Gegenstände aus dem Nachlass herauszugeben hat.

Mein Mann hat aus erster Ehe zwei Kinder. Unser Haus gehört mir allein. Wir haben in einem Berliner Testament bestimmt, dass der Überlebende Alleinerbe sein soll und erst nach dessen Ableben die gemeinsamen Kinder. Haben die Kinder des Mannes Ansprüche am Haus?
Das Berliner Testament ist in diesem Fall nicht günstig, da keiner weiß, wer zuerst verstirbt. Verstirbt der Mann zuerst, gibt es keine Probleme. Versterben Sie aber zuerst, wird der Ehemann Alleinerbe und erbt das Haus. Damit werden die Pflichtteilsansprüche der Kinder des Ehemannes erhöht, da das Haus zur Erbmasse gehört. Damit diese Folge nicht eintritt und die testamentarischen Formulierungen wasserdicht sind, sollten Sie ein Testament bei einem Notar errichten. Der Vorteil besteht für die Erben dann auch darin, dass diese keinen Erbschein benötigen, der im Endergebnis teurer wird.

Erbt der Ehegatte im Falle des Todes allein, wenn keine Kinder und kein Testament vorhanden sind?
Nein, neben dem Ehegatten erben auch Eltern beziehungsweise Geschwister. Wer das nicht wünscht, sollte unbedingt ein Testament machen. Im Übrigen haben auch Eltern einen Pflichtteilsanspruch, Geschwister haben einen solchen Anspruch nicht und können vollständig enterbt werden.

Kann man Kinder von der Erbfolge ausschließen, wenn man keinen Kontakt zu ihnen hat und diese auch keinen Kontakt wünschen?
Jeder Erwachsene kann selbst bestimmen, wer künftig sein Erbe sein soll und auch die Kinder von der Erbfolge ausschließen. Allerdings müssen Sie bedenken, dass Abkömmlinge, ebenso wie Ehepartner oder Eltern (wenn keine Kinder vorhanden sind) einen Pflichtteilsanspruch haben. Das Gesetz regelt spezielle Pflichtteilsentziehungsgründe. Ein solcher liegt allerdings noch nicht vor, wenn lediglich kein Kontakt besteht. Notwendig wäre zum Beispiel das Vorliegen körperlicher Gewalt gegen den Erblasser oder eine erfolgte gerichtliche Verurteilung aufgrund einer Straftat. Der Pflichtteil ist übrigens immer ein Geldanspruch in Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbanspruches.

Wie kann man die Bestellung eines gesetzlichen Betreuers durch das Gericht verhindern?
Wer eine gerichtliche Betreuerbestellung für den Fall der eigenen Geschäftsunfähigkeit verhindern will, sollte durch eine umfassende Vorsorgevollmacht eine Vertrauensperson zur Vertretung bevollmächtigen. Dadurch entfällt die Notwendigkeit einer gerichtlichen Betreuung.

Wie kann eine Vorsorgevollmacht errichtet werden?
Eine Vorsorgevollmacht muss zumindest privatschriftlich erstellt werden. Empfehlenswert ist aus Gründen der Rechtssicherheit jedoch die notarielle Form. In einigen Fällen, zum Beispiel wenn der Bevollmächtigte auch über Grundstücke verfügen soll, ist sie sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Wie kann eine Vorsorgevollmacht gestaltet werden?
Es ist immer ratsam, nicht nur eine Person zu bevollmächtigen. Werden mehrere Bevollmächtigte benannt, ist aber zu klären, ob jeder Bevollmächtigte allein oder nur mehrere zusammen handungsberechtigt sind. Außerdem sollte die Vollmacht über den Tod hinaus errichtet werden. Dadurch ist der Bevollmächtigte insbesondere in der Zeit, bis ein Erbschein erteilt oder Testament eröffnet ist, handlungsfähig. Achtung: Die Vorsorgevollmacht ersetzt in keinem Fall die Errichtung eines Testamentes. Eine notarielle Vorsorgevollmacht ersetzt jedoch in vielen Fällen das Erbscheinserfordernis, zum Beispiel bei der Bank. Ihr Notar hilft Ihnen gern bei der inhaltlichen Gestaltung der Vorsorgevollmacht.

Wozu und wann benötigt man eine Patientenverfügung?
Die Patientenverfügung enthält Festlegungen, ob bestimmte ärztliche Maßnahmen im Falle der eigenen Einwilligungsunfähigkeit durchgeführt werden sollen oder nicht. Diese Anweisungen richten sich in erster Linie an den Bevollmächtigten beziehungsweise Betreuer. Relevant ist die Patientenverfügung insbesondere für lebenserhaltende Maßnahmen bei Koma oder schwerster Demenz (zum Beispiel Ablehnung künstlicher Ernährung oder künstlicher Beatmung). Eine Patientenverfügung muss zumindest schriftlich erfolgen, auch hier empfiehlt sich aus Gründen der Rechtssicherheit die notarielle Form.

Die Fragen übermittelte

Dieter Babbe