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| 12:07 Uhr

Beim Sportfest des SV Blau-Weiß
Mund auf gegen den Blutkrebs in Möglenz

 Stäbchen rein, Spender sein: Marion Kohlhoff (55) und Sohn Sebastian Kohlhoff (32, links) freuen sich, dass der Möglenzer Julian Trzmiel (23) sein DNA-Material abgibt und so vielleicht einmal zum Lebensretter wird.
Stäbchen rein, Spender sein: Marion Kohlhoff (55) und Sohn Sebastian Kohlhoff (32, links) freuen sich, dass der Möglenzer Julian Trzmiel (23) sein DNA-Material abgibt und so vielleicht einmal zum Lebensretter wird. FOTO: VRS
Möglenz. Um an Blutkrebs erkrankten Menschen zu helfen, findet beim Sportfest des SV Blau-Weiß Möglenz eine DKMS-Typisierung statt. Die Aktion hat in dem Ort einen ernsten Hintergrund.

Das war knapp! Müde, abgeschlagen und schwach fühlte sich Marion Kohlhoff (55) schon eine ganze Weile. Dann nach einer Blutspende die Alarmzeichen: Mit den Blutwerten stimmt etwas nicht. Schlaflose Nächte, zermürbende Ungewissheit – und dann folgt auch noch die schlimme Diagnose: Blutkrebs! „Meine Ärztin gab mir nur noch ein paar Monate. Im ungünstigen Fall nur Wochen“, beschreibt Marion Kohlhoff die apokalyptische Nachricht.

Nach der Diagnose im Jahr 2012 bekam Marion Kohlhoff zwei Transplantationen mit Blutstammzellen von einem anonymen Spender. Die versagten, zeigten keine erfolgversprechende Reaktion. „Die transplantierten Stammzellen müssen quasi von einem genetischen Zwilling stammen. Es ist außerordentlich schwierig, so einen Menschen überhaupt zu finden. Noch immer kann für jeden zehnten Patienten allein in Deutschland kein geeigneter Spender gefunden werden“, kommentiert Rentnerin Marion Kohlhoff die Problematik.

Der dritte Versuch war dann ein Treffer! Heute hält die Möglenzerin Marion Kohlhoff Kontakt mit der 57-jährigen Spenderin aus Münster.

Die Möglenzerin und ihre Familie sind für die Hilfe unglaublich dankbar. Diese Dankbarkeit möchte Marion Kohlhoff nun in die Tat umsetzen. Gemeinsam mit ihrem Sohn Sebastian Kohlhoff (32) hat sie am Wochenende beim Sportfest ihres Sportvereins SV Blau-Weiß Möglenz an zwei Tagen potenzielle Stammzellspender gesucht. Gleich am Anfang meldeten sich acht Freiwillige, die sich gezielt auf die Aktion eingerichtet hatten. Dann kamen immer wieder sukzessive neue Spender, Sportler, Schaulustige, Festgäste. Einige mussten auch zurückgewiesen werden, weil sie bereits Alkohol getrunken hatten. Mit diesen wurde ein Termin zum nächsten Tag vereinbart.

Bei der Registrierungsaktion füllen die Spender im zeitlichen Altersfenster zwischen 17 und 55 Jahren einen Fragebogen aus. Danach wird mit drei jeweils über 60 Sekunden per Wattestäbchen abgenommenen Speichelproben aus dem Mund- und Rachenraum DNA-Material gesammelt. Marion Kohlhoff hat sich auf den Termin vorbereitet: „Über 8,5 Millionen Freiwillige haben sich bisher in den weltweit größten Dateienverbund aufnehmen lassen. Dank dieser Hilfe konnten bereits mehr als 74 000 Stammzellspenden ermöglicht werden“, berichtet sie.

Laut Statistik erkrankt in Deutschland alle 15 Minuten ein Mensch an Blutkrebs. Ob Kind oder Erwachsener, keiner ist vor der heimtückischen Krankheit sicher. Und jeder kann dazu beitragen, sie zu besiegen. Mit Hilfe einer Stammzellspende erhalten Blutkrebspatienten eine reale Heilungschance. Grundsätzlich kann sich jeder im Alter zwischen 17 und 55 Jahren als potenzieller Stammzellspender registrieren. Die Daten der freiwilligen Spender werden bis zum 61. Lebensjahr aufbewahrt.

In Deutschland organisiert die DKMS regelmäßig öffentliche Aktionen zur Aufnahme neuer Stammzellspender. Aktuelle Termine sind auf der Internetseite www.dkms.de zu finden.

Telefonisch unter 07071 9430 oder per E-Mail an post@dkms.de kann ein Registrierungsset mit den drei Wattestäbchen angefordert werden.

 Stäbchen rein, Spender sein: Marion Kohlhoff (55) und Sohn Sebastian Kohlhoff (32, links) freuen sich, dass der Möglenzer Julian Trzmiel (23) sein DNA-Material abgibt und so vielleicht einmal zum Lebensretter wird.
Stäbchen rein, Spender sein: Marion Kohlhoff (55) und Sohn Sebastian Kohlhoff (32, links) freuen sich, dass der Möglenzer Julian Trzmiel (23) sein DNA-Material abgibt und so vielleicht einmal zum Lebensretter wird. FOTO: VRS
(vrs)