Von Frank Claus

Von einem möglichen „Jahrhundertjahrgang“ schwärmen die Brandenburger Weinbauern angesichts des zurückliegenden Sommers kurz vor der Jungweinprobe am 10. Mai in Cottbus. Aufgrund der vielen Sonnenscheinstunden kletterten die Oechslewerte auf überdurchschnittliche Werte, so dass Aromen besonders gut eingelagert werden konnten, sagen die Experten. Der Geschmackstest wird zeigen, ob die Prognosen zutreffen. Schon allein die guten Aussichten wären also Grund genug, zu feiern. Wäre da nicht das vergangene Frost-Wochenende, das auch Weinbauern in Elbe-Elster kalte Schauer über den Rücken und die Weinstöcke trieb.

Doch erst einmal zurück zur guten Entwicklung des Weinanbaus. Die Fachgruppe Weinbau des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg organisiert die Brandenburger Jungweinprobe bereits zum fünften Mal; 2015 wurden in Großräschen 32 Brandenburger Weine angestellt und verprobt. In diesem Jahr werden ein Dutzend Brandenburger Winzerinnen und Winzer mehr als 45 Weine präsentieren, darunter 29 Weißweine, zwölf Rotweine, vier Roséweine, einen Rotling und einen Blanc de Noir. Mit dabei sind dann auch Rico Leonhardt aus Bad Liebenwerda und der Schliebener Weinbauverein.

Aktuell wachsen in Brandenburg nach Angaben des Verbandes auf 33,3 Hektar Rebfläche (Stand 31.7.2018) fast 20 Traubensorten, die 2018 einen Ertrag von etwa 1450 Hektolitern erzielten, davon etwa zwei Drittel Weißweine und ein Drittel Rotweine. Alleinstellungsmerkmal des Brandenburger Weins sei, dass vor allem viele pilz­widerstandsfähige (PiWi-)Sorten gepflanzt werden, was den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln deutlich reduziere.

Weinbau erlangt auch in Elbe-Elster immer größere Bedeutung. Mit Rico Leonhardt, der 2011 in Bad Liebenwerda aufrebte, und Rouven Rieger, der im vergangenen Jahr die ersten 4226 Rebstöcke in Theisa setzte, gesellen sich zu Gunter Schurig aus Lausitz und dem Schliebener Weinbauverein weitere Winzer hinzu.

Bei Gunter Schurig aus Lausitz, der dort auch eine Galerie betreibt und seine eigenen Bilder ausstellt, ist es die Liebe zur Natur und zum edlen Wein, die ihn immer wieder antreibt. Während er am Sonntagmorgen beim ersten Blick zunächst keine Schäden nach den zurückliegenden kühlen Nächten bemerkte, räumte er am Abend dann doch ein: „Geringe Frostschäden sind doch sichtbar. Aber nichts Schlimmes.“ Und er schwärmt: „Die Bienen besuchen  die vielen Blüten der Taubnessel – ,ein Königreich für die Bienen’ – in den begrünten Gassen zwischen den Rebzeilen. Im gelagerten Rebschnitt hat sich in der Sonne eine Eidechse aufgewärmt.“

Wie andere Winzer auch, hat er eins festgestellt: „Die Reben leiden immer noch unter Wassermangel.“ und er schmunzelt, wenn er von seinen neuen, „tierischen Helfern“ berichtet, die ihm der Nachbar schicke. „Die Hühner bereiten mir große Freude, sie picken fleißig an den Wildkräutern  und düngen den Boden.“ Schön zu sehen sei auch der vitale Austrieb der Reben.

Bei Rouven Rieger in Theisa haben die Weinstöcke den ersten Winter überstanden. Mit seiner Familie und Helfern aus dem Ort habe er die Pflanzen aus dem Winterschlaf geholt, sie abgehäufelt und Gießringe ausgeformt. „Immerhin etwa 4200 Mal – und das alles mit zwei alten Rübenhacken“, wie er schreibt. Da er in Wolfsburg zu Hause ist, könne er zu Frostschäden noch nichts sagen. Erste flaumige Knospen seien aber bereits draußen gewesen. Und er habe sich für die Arbeiten am Hang ein erstes schweres Gerät – einen Einachser, Baujahr 1970, für die Stellen, wo der Trecker nicht hinkommt – zugelegt.

Rico Leonhardt in Bad Liebenwerda hat in der Nacht zu Montag Feuer zwischen den Weinreihen gemacht, um den Frost zu vertreiben. Regen und Kühle haben ihn und seine Familie am Sonnabend nicht abgehalten, Draht-Rahmen auf einer neuen Anbaufläche zu installieren. Jetzt freue er sich aber erst mal auf die Jungweinprobe am Freitag.