Von Frank Claus

Seit Monaten wird die Leitung eines Einkaufsmarktes im Bad Liebenwerdaer Stadtzentrum von einem Mann attackiert. Sowohl während der Geschäftszeiten als auch außerhalb. 

„Jetzt reicht es. Wir gehen an die Öffentlichkeit“, sagen die Inhaber. Auch, weil sie sich und ihre Mitarbeiter von Polizei und Justiz nicht geschützt fühlen. „Unsere Angestellten und auch wir haben Angst“, sagen sie.

Höhepunkt am Dienstag dieser Woche: Der nach Polizeiangaben 37-jährige Mann, der sich, so heißt es im Polizeibericht, „augenscheinlich in einer psychischen Ausnahmesituation befindet“, zündet die im Eingangsbereich des Marktes aufgestapelte Grillkohle an. Danach hat er nach Angaben der Marktleitung zu einer der Kassiererinnen gesagt: „Ihr lebt gefährlich hier, peng, peng, peng.“

Das Feuer kann zum Glück schnell gelöscht werden. Seelisch sitzt der Vorfall bei der Markt­inhaberin aber tief. Sie berichtet, nach dem Vorfall in Tränen ausgebrochen zu sein.

Supermarkt in Bad Liebenwerda erhält Polizeischutz

„Wie lange müssen wir das noch ertragen?“ Sie stellt die Frage in den Raum und zeigt auf den Stapel Papier. Alles Anzeigen bei der Polizei und Schriftverkehr mit der Cottbuser Staatsanwaltschaft. Seit August des vergangenen Jahres laufen die Auseinandersetzungen mit dem Mann. „Kunden haben uns darauf aufmerksam gemacht, wenn er wieder mal eine Flasche mitgehen lieߓ, erzählt die Chefin.

Schließlich habe sie sich entschlossen, dem Mann Hausverbot zu erteilen. Danach ist die Situation dann richtig eskaliert. Der Mann habe dann auch bei der zentralen Kundendiensthotline des Unternehmens angerufen und sich beschwert. Dort, und auch das ist bei Polizei und Staatsanwaltschaft aktenkundig, habe er schließlich geäußert, dass er „die erste Person, die ihm im Markt begegnet, abstechen werde“. Einen Tag lang erhält der Supermarkt daraufhin Polizeischutz.

Mann uriniert gegen Auto von Supermarkt-Angestellten

Immer wieder betritt er den Bad Liebenwerdaer Markt. Die Mitarbeiter reagieren verängstigt. Die Polizei habe den Inhabern empfohlen, ihn gewähren zu lassen mit der Begründung, „wir wissen nicht, wie er reagiert“, und umgehend die Beamten zu informieren.

Die Inhaberin ist frustriert: „Der darf hier rein- und rausspazieren, machen, was er will, und keiner hilft uns.“ Schließlich kommt es sogar auf offener Straße zur Bedrohung. „Ich bringe dich um. Du wirst noch sterben“, soll er zum Ehemann der Inhaberin gesagt haben, als diese gerade bei einem Spaziergang sind.

Die Anfeindungen hören auch danach nicht auf. Der Mann uriniert gegen das Auto eines Angestellten, reißt die Autotür einer Mitarbeiterin auf, die früh auf die Ladenöffnung wartet. Die zuckt verängstigt zusammen. Allein sieben Fälle werden 2018 aktenkundig. Und bis jetzt reißen die Vorfälle nicht ab.

Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt gegen Mann

Horst Nothbaum, Oberstaatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Cottbus, bestätigt, dass gegen den Mann Ermittlungen in mehrfachen Fällen laufen. Raub, Sachbeschädigung, Beleidigung, Bedrohung, Körperverletzung, Ladendiebstahl – die Liste sei lang.

Zeitweise seien Ermittlungen eingestellt worden, weil der Mann nicht auffindbar gewesen sei. Inzwischen würden am Amtsgericht Bad Liebenwerda Termine anstehen. Im Wesentlichen würde es sich, so der Staatsanwalt, von der Schwere her um Bagatelldelikte handeln. Zudem müsse das Gericht die Schuldfähigkeit des Mannes prüfen. Das dauere.

Hinsichtlich der Bedrohungen räumt Horst Nothbaum ein, dass die so Angefeindeten die getätigten Aussagen natürlich beunruhigten, aber es eben „in Anführungsstrichen nur verbale Bedrohungen“ seien.

Weil der Mann am Dienstag Polizeiangaben zufolge im Stadtgebiet „mehrfach aufgefallen“ sei, unter anderem vor einem Hauseingang randalierte, sei er in Polizeigewahrsam genommen worden. Später habe ihn ein Notarzt in ein Krankenhaus eingewiesen.