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| 18:46 Uhr

Noch mehr Bauverzug
Hiobsbotschaft zum Wehr Würdenhain 

Ein Blick auf die Baustelle Wehr Würdenhain in der Großen Röder. Eigentlich sollte es Anfang Juli fertig sein.  Mit etwa vier Monaten Bauverzug wird jetzt gerechnet.  Für den Unterhaltungsverband „unter den gegebenen äußeren Umständen (...) geringfügig“.
Ein Blick auf die Baustelle Wehr Würdenhain in der Großen Röder. Eigentlich sollte es Anfang Juli fertig sein. Mit etwa vier Monaten Bauverzug wird jetzt gerechnet. Für den Unterhaltungsverband „unter den gegebenen äußeren Umständen (...) geringfügig“. FOTO: LR / Frank Claus
Würdenhain. Die Fertigstellung des Wehr-Neubaus in der Großen Röder bei Würdenhain verzögert sich weiter. Jetzt bis ins vierte Quartal! Von Frank Claus

Gereizte Stimmung am Mittwoch auf der Baustelle am Wehr Würdenhain: Weil die RUNDSCHAU ohne vorherige Anmeldung am Wehr auftaucht, fallen die Antworten kurz aus.

Der erneute Bauverzug sei angesichts des Umfangs des Bauvorhabens im Rahmen, ist zu erfahren. Wirklich?

Und weshalb erneut Bauverzug? Nach einem kalten Winter sei nun der heiße Sommer schuld. Wasserbeton könne nämlich nur bis zu bestimmten Temperaturen eingebaut werden, sonst „verrecke“ dieser unterwegs, heißt es.

Dabei ist es der „Gewässerunterhaltungsverband Kleine Elster – Pulsnitz“ selbst, der auf seiner Internetseite Hoffnungen reifen lässt. Dort heißt es: „Voraussichtlich werden die Bauarbeiten Anfang Juli beendet und der öffentliche Steg für Fußgänger und Radfahrer nutzbar sein.“ Die Mitteilung, die wie in einem Neuigkeiten-Ticker auch noch mit laufendem roten Farbband  angepriesen wird, stammt allerdings vom 26. April dieses Jahres. Weiter ist darin zu lesen: „Im Auftrag des Landes Brandenburg ist der Gewässerverband „Kleine Elster – Pulsnitz“ mit der Umsetzung des Bauvorhabens ,Ersatzneubau Wehr Würdenhain’ mit Fischwanderhilfe betraut. Nach langer Winterpause sind die Bauarbeiten am Wehr Würdenhain nunmehr wieder in vollem Umfang aufgenommen. In den kommenden Wochen sind Korrosionsschutzarbeiten, Arbeiten der Elektrotechnik, Deichanpassungsmaßnahmen und Funktionsproben vorgesehen.“ Dann folgen noch Warnungen zum unberechtigten Betreten der Baustelle.

Dass die RUNDSCHAU am 19. Juli am Morgen schriftlich nachfragt, wie es um die Baustelle steht, und sich danach selbst ein Bild macht, passt scheinbar nicht. Dabei reagieren längst auch Bürger ungeduldig. Elsbeth Schneider-Beyer schreibt: „Wieder ist ein Jahr vergangen und noch immer kann der Elsterradweg nicht genutzt werden. Anfang des Jahres hatte ich diesbezüglich auch schon nachgefragt und mir wurde versichert, dass im Juni dieses Jahres die Brücke fertig sei.(...) Voriges Jahr hatte ich mich an den Landrat gewandt. Er hatte damals, als der RBB mit dem blauen Bus da war, zugesichert, dass er, wenn nichts passieren würde, die Sache höchstpersönlich in die Hand nehmen werde. Von seinem Büro bin ich dann mit irgendwelchen Zahlen und Fakten ,abgespeist’ worden, von denen ich nichts verstehe und die mich als Bürger auch nicht interessieren.“

Was passiert gegenwärtig auf der Baustelle? Deichanpassungsmaßnahmen. Der vorhandene Deich der Schwarzen Elster muss jetzt an das etwas verlegte neue Röder-Wehr angepasst werden. Der Deich samt Radweg wird in diesem Bereich gleichzeitig ertüchtigt.

Anja Kaussow, die zuständige Planungsingenieurin beim Gewässerunterhaltungsverband, antwortet auf die am Morgen des gestrigen Tages schriftlich gestellte RUNDSCHAU-Anfrage mit Vorwürfen: „Mit Berichterstattung der LR vom 13. Juni und 16./17. Juni wurde bereits aktuell über den Bautenstand berichtet. Leider entnehme ich der Leseranfrage, dass Ihre Berichterstattung augenscheinlich nicht dazu beitragen konnte, dass das entstehende komplexe Bauwerk mit Hochwasserschutz-Funktion, Sicherung des Wasserrückhalts in Trockenzeiten (wie jetzt) mit einhergehender Herstellung der gesetzlich vorgegebenen der ökologischen Durchgängigkeit mit höchster technischer Ausstattung bezüglich der Elektroanlage und mit Anpassung der Deichbereiche Schwarze Elster/Große Röder unter Beachtung der laufenden Hochwasserrisikomanagementplanung eben nicht nur als ,Elster-Radwegbrücke’ in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Was ich in Anbetracht der Erheblichkeit des eingesetzten finanziellen und personellen Aufwandes als sehr bedauerlich empfinde. Unter den gegebenen äußeren Umständen ist der geringfügige Bautenverzug unerheblich.“

Geringfügiger Bautenverzug? Beim zuständigen Landesumweltamt liest sich der so: „Natürlich ist uns daran gelegen, Ihnen die Anfrage bezüglich der Fertigstellung des Wehrs Würdenhain zu beantworten. Unter Berücksichtigung der noch offenen Bauleistungen kann ich Ihnen mitteilen, dass aus baufachlicher Sicht eine Fertigstellung der Gesamtmaßnahme im IV. Quartal 2018, voraussichtlich Ende Oktober/November, realistisch ist.“

So informiert der Gewässerunterhaltungsverband in seinem „News-Ticker“. Der stammt allerdings vom 26. April. Da war noch die Rede von der Freigabe Anfang Juli.
So informiert der Gewässerunterhaltungsverband in seinem „News-Ticker“. Der stammt allerdings vom 26. April. Da war noch die Rede von der Freigabe Anfang Juli. FOTO: www.gwv-sonnewalde.de