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| 18:51 Uhr

In Zeischa und Oschätzchen hilft nur Wasser
Hitze quält auch die Baumschulen

Es regnet auf die Flächen der Forstbaumschulen „Fürst Pückler“ bei Zeischa. Leider ist dies nur von Menschenhand erzeugter Niederschlag und entsprechend teuer. Im Hintergrund halten Mitarbeiterinnen aus Maasdorf, Würdenhain, Prieschka, Hirschfeld und anderen Orten die Reihen unkrautfrei.
Es regnet auf die Flächen der Forstbaumschulen „Fürst Pückler“ bei Zeischa. Leider ist dies nur von Menschenhand erzeugter Niederschlag und entsprechend teuer. Im Hintergrund halten Mitarbeiterinnen aus Maasdorf, Würdenhain, Prieschka, Hirschfeld und anderen Orten die Reihen unkrautfrei. FOTO: LR / Manfred Feller
Zeischa/Oschätzchen. Dürrehilfen angebracht: Enorme Mehrkosten und auch Einnahmeausfälle plagen die Betriebe in Elbe-Elster. Von Manfred Feller

Die Landwirte werden für ihre teilweise erheblichen Ertragsausfälle wohl von Land und Bund Dürrehilfen erhalten. Doch was ist mit den Baumschulen?

Die anhaltende Hitzewelle und der erhebliche Mehraufwand bereiten auch den Forstbaumschulen „Fürst Pückler“ Zeischa GmbH große Sorgen. „Wir werden wahrscheinlich 30 Prozent weniger Umsatz erzielen bei rund 60 Prozent Mehrkosten. Das wird nicht so einfach aufzufangen sein“, stellt Carsten Lehmann, einer der beiden Geschäftsführer, fest. Die Mindereinnahmen und Mehrausgaben in diesem Hitzejahr werden sehr wahrscheinlich mit einer sechsstelligen Summe negativ zu Buche schlagen.

„Nach dem Hochwasser 2002 mit noch größeren Ausfällen haben wir Hilfen bekommen. Ob das jetzt für unsere kleine Branche mit wenig Lobby auch so sein wird, ist fraglich“, hofft Carsten Lehmann dennoch, dass die Verbände Druck gegenüber der Politik machen. Die Wetterprognosen sagen, dass es vorerst nicht besser wird.

„Für die Pflanzen ist diese Hitze absoluter Stress. Sie verbrauchen viel Wasser“, sagt der Geschäftsführer. Gegenüber dem Jahr 2017, als fast gar nicht beregnet werden musste, hätten sich dieses Jahr die Kosten für Personal, Strom und Diesel vervielfacht. Die Dieselaggregate, die Grundwasserpumpen betreiben, „schlucken“ zusammen wöchentlich Treibstoff für bis zu 4000 Euro. Ein Viertel wäre normal.

„Die Pflanzen leben noch, aber sie haben nicht die notwendige Größe und Stärke“, so Carsten Lehmann. Das heißt, sie sind schlecht bis gar zu verkaufen und müssen noch ein Jahr stehenbleiben. Die Baumschule verkauft ansonsten bis zu 15 Millionen Pflanzen im Jahr.

Die Anbauflächen für Forstpflanzen, Wildgehölze und Energieholzpflanzen umfassen 120 Hektar. Nicht alles ist belegt. Auf 30 Hek-tar wachsen Forstpflanzen, wie Kiefer, Eiche, Buche und Linde. Etwa 20 Hektar sind heimischen Wildgehölzen vorbehalten. Dazu gehören Hartriegel, Holunder und Wildrose. Heckengehölz wie Hainbuche, Liguster und Thuja steht auf zehn Hektar. Um alles kümmern sich in der Baumschule 25 Festangestellte. Weitere 25 arbeiten bei den eigenen forstlichen Dienstleistungen.

Carsten Lehmann baut darauf, dass es alsbald doch auskömmlich regnet. Denn dann würden sich die Pflanzen noch ein wenig erholen.

Das Beregnen ist für Steven Richter, Inhaber der Baumschule Richter & Graeff in Zeischa, bei der Hitze eine Daueraufgabe. Ansonsten drohen Verluste.
Das Beregnen ist für Steven Richter, Inhaber der Baumschule Richter & Graeff in Zeischa, bei der Hitze eine Daueraufgabe. Ansonsten drohen Verluste. FOTO: LR / Manfred Feller

Ausbaufähige 2000 Quadratmeter bewirtschaftet Steven Richter in der Baumschule Richter & Graeff in Zeischa. Seit März ist der 29-Jährige Alleininhaber. Die Hitze ist bereits das zweite „Naturereignis“, das ihm in diesem Jahr zu schaffen macht. Im Januar hatte das Orkantief „Friederike“ für Verwüstungen gesorgt, zahlreiche Bäume umgekippt und das Gewächshaus wegfliegen lassen.

Um die Pflanzen am Leben zu erhalten, läuft die Beregnung vier bis sechs Stunden am Tag. „Zum Glück haben wir hier sehr gutes Grundwasser“, sagt er. Braunes, zu kalkhaltiges Nass können die Pflanzen gar nicht gebrauchen. Damit diese schonend Wasser erhalten, verwendet Steven Richter eine für heiße Zonen ausgelegte australische Beregnungsanlage. Das Wasser wird zerstäubt, in der Luft erwärmt und fällt dann zu Boden.

Der Baumschulgärtner, der zwölf Jahre in Saathain alles Notwendige gelernt und gearbeitet hat, hat für seinen Betrieb große Pläne. „Ich möchte meine Baumschule in fünf Jahren so umgebaut haben, dass sie das Flair eines mittelalterlichen Marktes besitzt“, blickt er voraus. Dazu gehören Fachwerkgebäude und eine Wassermühle. Möglichst viel werde selbst geschaffen. Zur Seite stehen ihm zwei Mitarbeiter, darunter seine schwedische Freundin Sandra Larsson. Die 32-Jährige komme aus dem stressigen Einzelhandel und wird hier die künftige Produktionsleiterin sein.

Das zweite Standbein von Steven Richter sind die Gartenplanung und Gestaltung, natürlich mit eigenen Pflanzen. Viele Aufträge kämen aus Finsterwalde und inzwischen auch durch Mundpropaganda. Ein toller Garten spricht sich eben schnell herum. Um sich von anderen Baumschulen abzuheben, setzt Steven Richter in Zukunft mehr auf gefragte Raritätengehölze wie seltene Magnolien, Blumenhartriegel, asiatische Ahorne und Judasbäume.

Auch bei Michael Bormann in Oschätzchen sieht alles schön grün aus. Doch die Stunden, die er mit dem Gießen verbringt, möchte er lieber nicht zählen.
Auch bei Michael Bormann in Oschätzchen sieht alles schön grün aus. Doch die Stunden, die er mit dem Gießen verbringt, möchte er lieber nicht zählen. FOTO: LR / Manfred Feller

Beim Pflanzenhandel mit Baumschule von Michael Bormann in Oschätzchen sieht es schön grün aus. Doch das hat seinen Preis. Mehrmals täglich muss der Gartenschlauch in die Hand genommen werden. Auf der 4,5 Hektar großen Außenanbaufläche, wo überwiegend Heckenpflanzen und Koniferen stehen, wird beregnet. Da muss die ganze Familie ran. Dennoch zeigen Pflanzen Brandstellen am Laub, besonders Hainbuchen und einige Solitärsträucher. Die Hitze kostet überdurchschnittlich. Auch Michael Bormann spricht sich für Dürrehilfen an Baumschulen aus.