Von Frank Claus

Donnerstag kurz vor Mittag in der evangelischen St. Nikolaikirche in Bad Liebenwerda: Die Bankreihen im Kirchenschiff sind mit einer dicken Staubschicht überzogen. Die Kanzel ist abgebaut und steht in zwei Teile auseinandergenommen und sicher geschützt in schwarzer Folie im Chorbereich. Der Altar, nicht unter Denkmalschutz stehend, ist abgebrochen. Das etwa fünf Meter große, schlichte Holzkreuz, das sonst mächtig als Kontrast zu den farbenprächtigen Bleiglasfenstern in der Mitte thronte, liegt flach auf den Bankreihen. Das Taufbecken hat seinen angestammten Platz verlassen.

Am Nebeneingang verrät die aus Beton gegossene Schräge bereits, wie Besucher künftig die Kirche barrierefrei erreichen können. Dort, wo einst links und rechts vom Mittelgang auch die vorderen Bankreihen auf etwa 15 Zentimeter hohen Holzpodesten montiert waren, klaffen zwei große, schon mit Beton ausgegossene Löcher im Fußboden.

In den einen Bereich wird das Taufbecken gerückt. „Genau dorthin, wo gegen Mittag die Sonne den Raum erfüllt“, sagt Pfarrer Torben Linke und lächelt. Wer ihn kennt, weiß, wie er das meint. Taufen sind im Kirchenleben immer was „Sonniges“.

Umrahmt wird das Taufbecken nicht von starren Bankreihen, sondern beweglichen, individuell verrückbaren Stühlen – der jeweiligen Taufgemeinde angepasst oder für Arbeit in kleineren Gruppen geeignet.

Auf der anderen Seite werden die Bänke fußbodengleich und damit tiefer als bisher aufgeschraubt. Das soll die Sicht für die Besucher in den hinteren Bankreihen verbessern. Im Chorbereich  hat Steinmetz Guido Heinrich (51) vom Steinmetzbetrieb Anlauff nach historischem Vorbild und damit nach Auflagen des Denkmalschutzes insgesamt 30 Quadratmeter, originalgetreue Bodenplatten in Sechseck- und Dreieckstruktur verlegt. Die in Marokko auf Bestellung von Hand hergestellten Fliesen wurden wie die etwa 200 Jahre alten Bad Liebenwerdaer Originale aus Zement gefertigt. Nach der Verlegung werden die neuen Bodenflächen noch imprägniert und gewachst.

Im hinteren Bereich der Kirche, direkt unter der Empore, ist auf der einen Seite ein kleiner Raum entstanden: die künftige Teeküche. Auf der anderen entsteht ein mit geräuschdämmendem Glas abgetrennter Bereich, in dem Kinder und Enkel spielen, während Eltern und Verwandten verfolgen können, was in der Kirche passiert.

Teile der Seitenwandverkleidung sind demontiert und geben den Blick frei auf neu verlegte Elektro- und Steuerungskabel für die Stromversorgung sowie für moderne Licht- und Audiotechnik. Im zweiten Bauabschnitt sollen die alten Kronleuchter von effizienteren, punktgenauer strahlenden Lichtquellen abgelöst werden. Dann erhalten auch die Wände frische Farbe.

Die Kanzel wird weiter nach hinten gerückt, um den Besuchern auf den Seitenbänken bessere Sicht zu gewähren. Der Altar ist schlicht gestaltet, das einst große, durch ein kleineres Kreuz ersetzt.

Bad Liebenwerdas Kirche wird damit von der Ausstattung her die modernste im Kreis. In ihrer inhaltlichen Neuausrichtung ist sie es schon lange. Sie hat sich geöffnet und bewahrt trotzdem ihre kirchlichen Wurzeln. Zum üblichen Orgelspiel und kirchlicher Musik sind Gospel, Big-Band-Klänge, Musical und Schauspiel gekommen. Das hat dafür gesorgt, dass die Kirche längst öfter als nur zu Weihnachten bis auf den letzten Platz gefüllt ist.

Jede Menge Arbeit bleibt also noch. Und das soll alles fertig werden bis Weihnachten? Als Vorsitzender des Gemeindekirchenrates lässt Markus Voigt keinen Zweifel aufkommen: Bis 30. November muss das Kircheninnere bis auf die Raumeinbauten wieder nutzbar sein. Dann bleiben vom 2. bis zum 5. Dezember nur vier Tage Zeit für die Putzkolonne. „Wir brauchen wirklich viele, viele Fleißige“, sagt Kantorin Dorothea Voigt. Deshalb ist ein Reinigungsplan erstellt worden, in den sich Freiwillige eintragen können (unter Telefon 035341 2264 oder 0177 3445200).

Schließlich steht am 7. Dezember das erste große Konzert nach den umfangreichen Bauarbeiten an – die Augsburger Domsingknaben kommen mit etwa 40 Sängern. Schon einen Tag vorher will die Kita St. Martin ihr Musical „Applaus für den Nikolaus“ am Nikolaustag aufführen. Die großen Chorkonzerte veranstaltet die Sparkasse Elbe-Elster seit dem Jahr 2015. Und immer kommen von jeder Eintrittskarte (diesmal 40 Euro) zehn Euro der Kirchengemeinde zugute. „Eine wunderbare Sache“, sagt Markus Voigt. Angesichts der Baupreissteigerungen reichen die momentan zur Verfügung stehenden 400 000 Euro nicht aus. „Die Licht- und Audiotechnik ist noch nicht finanziert“, sagt der Kirchenratschef und hofft, wie 2016, als die Domsingknaben schon einmal auftraten, auf eine volle Kirche. Damals waren die 500 Plätze ausverkauft. Insgesamt, so René Stolpe, haben seit 2015 bereits 2050 Besucher die sieben Konzerte besucht. „20 500 Euro konnten wir den gastgebenden Kirchengemeinden zukommen lassen“, sagt der Sparkassen-Mitarbeiter.

Karten für das Konzert der Augsburger Domsingknaben am 7. Dezember in Bad Liebenwerda – einen Tag vorher gastiert der Chor in der St. Marienkirche in Doberlug-Kirchhain – gibt es in allen Geschäftsstellen der Sparkasse, bei der Touristinformation in Bad Liebenwerda, beim Sängerstadtmarketingverein Finsterwalde und unter www.spk-elbe-elster.de/ticketshop.

Zur Erneuerung der Kirche Das sind mehr als nur Bauarbeiten