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| 02:37 Uhr

Bauern sind unzufrieden mit der Ernte

Der Regen verzögert die Ernte und lässt das Unkraut gedeihen, wie hier auf einem Weizenschlag bei Mühlberg. Dorsten Höhne (l.), Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, und Uve Gliemann, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Mühlberg, sehen aufgrund der Witterung Qualitätseinbußen.
Der Regen verzögert die Ernte und lässt das Unkraut gedeihen, wie hier auf einem Weizenschlag bei Mühlberg. Dorsten Höhne (l.), Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, und Uve Gliemann, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Mühlberg, sehen aufgrund der Witterung Qualitätseinbußen. FOTO: Manfred Feller
Mühlberg/Weinberge. Sie sind nicht existenzbedrohend, aber die Felderträge der Landwirte im Landkreis Elbe-Elster werden bei vielen Kulturen unter denen der Vorjahre liegen. Ursache ist das zeitweise ernteunfreundliche Wechselwetter mit reichlich Niederschlägen und einem Auf und Ab der Temperaturen. Manfred Feller / mf

Die Mindererträge können nach Auskunft von Uve Gliemann, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Mühlberg, nur bedingt durch Vorverträge mit den Abnehmern und leicht gestiegene Preise ausgeglichen werden. Denn Abzüge gibt es für die teilweise wetterbedingte mindere Qualität des Getreides. "Das Betriebsergebnis wird in etwa wie in den Vorjahren sein", sagt er. Andere Bauern hat es deutlich härter getroffen.

Kein einheitliches Erntezwischenfazit kann Dorsten Höhne, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster, ziehen. "Dafür waren die Regenbedingungen im Aufwuchsmonat Mai zu unterschiedlich", weiß er. Fakt sei aber, dass die Landwirte mit der Ernte hinterherhinken. "Die einzelnen Betriebe liegen jetzt zwischen 25 und 50 Prozent. In den Vorjahren waren wir zu diesem Zeitpunkt schon bei 70 Prozent", sagt er. "Mit den diesjährigen Einnahmen wird es nicht möglich sein, Geld auf die hohe Kante zu legen. Die Lage in der Landwirtschaft bleibt angespannt. Schwächer aufgestellte Betriebe können alte Verluste nicht ausgleichen."

Stärkere Genossenschaften wie die Mühlberger behelfen sich mit innerbetrieblichen Quersubventionen. Als der immer noch nicht akzeptable Milchpreis absolut im Keller war, musste die eine Sparte der anderen helfen. Aus gutem Grund, wie Uve Gliemann versichert: "Wir wollen die Milch- und die Schweineproduktion erhalten. Denn wir brauchen den Kreislauf Boden - Pflanze -Tier und die Arbeit."

Aufgrund des relativ geringen Tierbestandes (plus Biogasanlage) im Verhältnis zur landwirtschaftlichen Fläche sei die Menge der Gülle für die Mühlberger nicht das Problem - nicht mit Blick auf die bestätigte sehr niedrige Nitratkonzentration im Grundwasser, wohl aber hinsichtlich der nun durch die neue Düngeverordnung vorgeschriebenen Ausbringezeit der Gülle. Darüber schütteln die Landwirte nur mit dem Kopf.

Regen und Sturm (vor allem im Süden des Landkreises) haben sich nur begrenzt auf die Nutzbarkeit und Befahrbarkeit der Flächen ausgewirkt. Für die Mutterkühe der Mühlberger war der Wiesengrund zu feucht. Ansonsten mussten die Landwirte im Südwesten mehr als 100 umgestürzte Bäume von Wegen und aus Gräben räumen.

In den Kulturen der Genossenschaft Mühlberg sieht es so aus:

Wintergerste: Von der gesamten Getreidefläche besetzt die Wintergerste 900 Hektar. Der Ertrag: durchschnittlich 51 dt/ha. 55 bis 60 waren es in den Vorjahren. Die Gerste hat deshalb keine oder schwache Körner ausgebildet.

Winterroggen: Die Ernte auf den 1200 Hektar ist unterbrochen. Zwei Tage Sonne und Wind, dann kann es weitergehen. Die Erträge liegen mit 50 dt/ha zehn Dezitonnen unter dem Wunschergebnis. Je länger die Ernte dauert, desto mehr Unkraut schießt empor. Oft liegt das Getreide schon flach.

Weizen: Dieser steht auf den 650 Hektar noch komplett. Ansonsten ist die Mahd um den 10. August stets abgeschlossen. Erwartet wird ein mittelmäßiger Ertrag von 55 bis 60 dt/ha. Gut sind 70.

Sommergerste: Sie hat nur Futterqualität und steht auf 200 Hektar noch auf dem Halm.

Raps: Die Katastrophenernte auf 700 Hektar ist fast eingefahren. Nur 18 dt/ha (normal 25 bis 30) sind dem Mai-Regendefizit geschuldet.

Erbsen: Die 250 Hektar sind fast komplett eingelagert. Als Futter sind die Erbsen die Eiweißreserve für das ganze Jahr und ersetzen das genmanipulierte Soja. Die Mühlberger stellen die Milchproduktion um, erwarten dadurch aber keine zusätzlichen Einnahmen.

Mais: Der steht derzeit überall wie eine Eins. Von den 800 Hektar gehören 200 Hektar der Biogasanlage. 150 Hektar sind Körnermais, der gedroschen wird. Je nach Witterung wird ab September geerntet.

Zuckerrüben: Diese wachsen wie verrückt. Jedes Korn ist aufgegangen. Dadurch ist der Bestand zu dicht. Die Kampagne beginnt Mitte September.

Die Mühlberger haben bisher erst etwa 50 Prozent der Mähdruschfrüchte geerntet. Sie brauchen noch zehn bis 13 Druschtage.

Zum Thema:
Zur Agrargenossenschaft Mühlberg gehören fünf Gesellschaften: die Mutterkuh GmbH, die Landtechnik GmbH mit der Biogasanlage und drei Feldbau-GmbH. Der Tierbestand: 1000 Milchkühe stehen in Koßdorf, Altenau und Kosilenzien; 380 Mutterkühe in Möglenz; 500 Sauen in Fichtenberg, 2900 Läufer in der Aufzucht Burxdorf. Die Milchkühe geben im Durchschnitt etwa 10 000 Liter im Jahr. Dies sei eine gute Leistung. Je Sau werden jährlich im Schnitt 30,5 Ferkel geworfen. Dieser Wert liegt aufgrund der längeren Säugezeit von 35 Tagen (der Gesetzgeber schreibt 28 Tage vor) niedriger als in anderen Betrieben. Die Agrargenossenschaft beschäftigt 110 Mitarbeiter. Darunter sind 24 Frauen und sieben Auszubildende. Das Durchschnittsalter liegt bei hohen 50 Jahren. Auch deshalb wird schon immer ausgebildet. Bei der Gewinnung von Fachkräfte-nachwuchs, der meistens übernommen wird, gibt es kaum Probleme. Allerdings werden derzeit noch zwei Azubis für die Milchproduktion gesucht. Die Vorgänger-Genossenschaft war zu DDR-Zeiten etwa 2000 Hektar größer (heute 5900 Hektar bedingt durch den Kiesabbau und Privatisierung). 1991 wurden noch 780 Mitarbeiter gezählt. (mf)