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| 18:25 Uhr

Schiff ahoi auf der Landesstraße 63
Staupitzer Asphalt schlägt Wellen

An der Bordsteinreihe entlang der Landesstraße 63 in Staupitz ist die auf- und absteigende Asphaltfahrbahn deutlich zu sehen. Anlieger Harald Schneider hat nachgemessen. Der Höhenunterschied beträgt sechs Zentimeter. Dadurch wird das Regenwasser in die Abläufe geleitet.
An der Bordsteinreihe entlang der Landesstraße 63 in Staupitz ist die auf- und absteigende Asphaltfahrbahn deutlich zu sehen. Anlieger Harald Schneider hat nachgemessen. Der Höhenunterschied beträgt sechs Zentimeter. Dadurch wird das Regenwasser in die Abläufe geleitet. FOTO: LR / Manfred Feller
Staupitz. Wer als Anlieger auf der nach wie vor für Ortsfremde gesperrten Landesstraße 63 durch Staupitz fährt, der wird seekrank. Von Manfred Feller

Die Freude in der Grünewalder Straße in Staupitz ist groß. Denn die Bauleute haben es noch rechtzeitig vor dem Winter geschafft, den kompletten Abschnitt der Landesstraße 63 samt neuem Unterbau und Asphalt bis auf den Gehweg fertig zu stellen. Ursprünglich sollte ein Teil erst im kommenden Jahr an der Reihe sein. Jetzt liegt die größte Belastung auf der nach wie vor für den Durchgangsverkehr gesperrten Grünewalder Straße hinter den Bewohnern.

Das dachten sich die Anlieger zumindest bis zur ersten Testfahrt. „Vorbei sind die Zeiten des Straßenlärms durch die damalige Huckelpiste“, haben einige zunächst lobend an den ehrenamtlichen Bürgermeister Fred Wickfeld geschrieben, um sofort einzuschränken: „Aus der Huckelpiste ist eine Wellenpiste geworden, bei der man sich im Pkw oder auf dem Motorrad wie auf hoher See fühlt.“

Harald Schneider, einer der Mitunterzeichner, fragt provokant: „Waren hier Seemänner am Werk?“ Oder hat es gar Rum zum Aufwärmen gegeben? Mit dem Zollstock marschiert der Staupitzer zur Bordsteinkante und misst nach: Auf wenigen Metern steigt und fällt die Asphaltdeckschicht um jeweils sechs Zentimeter. Ein Selbsttest zeigt, dass die Wellenbewegung bei zulässigen 50 km/h deutlich zu spüren, jedoch hinnehmbar ist.

„Aber daran hält sich doch vor allem in der Nacht keiner“, weiß Harald Schneider. Er und seine Nachbarn befürchten, dass nach der Freigabe auch Lastwagenfahrer mit leerem Hänger zügig durchfahren werden und es gehörig scheppern könnte. Schon jetzt wird Tempo 30 gefordert. Besser noch: Die Wellen im Asphalt abfräsen!

„Die Straße ist nicht das Optimum, aber ich kann damit leben“, sagt Bürgermeister Fred Wickfeld. Die Geschwindigkeitsbegrenzung für Lastkraftwagen sollte man zu gegebener Zeit beantragen.

Für ihn und viele andere Staupitzer ist diese Bauweise neu. Jedoch nicht für Torsten Wiemer, Dezernatsleiter beim Bauherrn Landesbetrieb Straßenwesen. Er verweist auf die Ortsdurchfahrt Schwarzheide-Ost in Richtung Ruhland. Das Problem auch in Staupitz sei, dass der neu gebaute Abschnitt der Landesstraße mit beidseitigem Längsgefälle so ziemlich in Waage liegt. „Die Planer mussten sich Gedanken machen, wie sie das Wasser wegbekommen“, erläutert Torsten Wiemer. Wäre ein Fahrradweg vorhanden, hätte man am Fahrbahnrand eine so genannte (gepflasterte) Pendelrinne bauen können, die auf- und absteigend das Regenwasser in die Abläufe leitet. Hier teilen sich Radler und Fahrzeuge die Straße. Die Pendelrinne am Rand wäre aufgrund ihrer wechselnden Höhe zum Asphalt für die Unmotorisierten eine Unfallgefahr.

Deshalb sei die Fahrbahn wellenförmig asphaltiert worden. „Dies ist nicht unsere Vorzugslösung, aber es fehlt das natürliche Längsgefälle“, begründet der Dezernatsleiter die Bauweise. Das Fahren darüber sei zwar ungewohnt, jedoch bei der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit überhaupt kein Problem.

Das sieht Harald Schneider zumindest im Winter etwas anders. Auf glatter Fahrbahn verringere sich durch die Wellenbewegung die Haftung der Reifen. Dies könnte in einen Unfall münden, wenn ein Kraftfahrer doch zu schnell unterwegs ist.