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| 22:20 Uhr

Neues Leben für alte Brauerei Bergemann?
Bald wieder Bier aus Bad Liebenwerda?

Die alte Bergemann-Brauerei in Bad Liebenwerda FOTO:
Bad Liebenwerda. Ein frisch gezapftes, in Bad Liebenwerda gebrautes Bier? Ist das nicht eine Vorstellung, die jetzt schon Durst macht? Die Stadt will die ehemalige Bergemann-Brauerei im Südring wiederbeleben. Von Frank Claus

Dass es in Bad Liebenwerda mal eine, vermutlich sogar mehrere Brauereien gab, das wissen viele. Die Einheimischen kennen auch das Objekt im Südring, in dem einst gebraut wurde. Nur die ältere Generation aber weiß, wie es darin aussah. Seit 1972 und damit mehr als 45 Jahre bleibt das große Rundbogentor, das in den Hof der einstigen Brauerei Bergemann führt, verschlossen.

Die HGB/IGB, eine einhundertprozentige Tochter der Stadt, will das Objekt, das im Inneren wie ein verwunschenes Schloss wirkt, aus dem Dornröschenschlaf wecken. Jedoch nicht aus eigener finanzieller Kraft. „Wir suchen nach einem Investor, der sich wie wir in das Objekt verliebt“, sagt Heike Schmidt-Dallüge, bei der HGB als Maklerin beschäftigt und für das Marketing tätig.

Geborstene Scheiben, bröckelnder Putz, abgenutztes Holz – eine Gebäudesubstanz, die sofort erahnen lässt, dass mit kleinem Geldbeutel wenig ausgerichtet werden kann. Und dennoch: Die alte Brauerei ist ein in vielen Bestandteilen wahnsinnig gut erhaltenes Zeugnis alter Brauereigeschichte. Wandmalereien, Kreuzgewölbe, außerordentlich gut erhaltene Holzbalken im Malzhaus, Reste des alten geschlossenen Ofens. Der Braukessel existiert leider nicht mehr, dafür aber noch so manches rustikale Arbeitsgerät. Imposant die Keller, in denen einst das Eis zur Kühlung gelagert wurde. Und dann der Gang hinaus auf den Hof. „Nun stellen Sie sich doch hier einmal einen Biergarten vor. Ist das mit Blick auf die St. Nikolaikirche nicht idyllisch?“ Heike Schmidt-Dallüge kommt ins Schwärmen und reißt selbst den sonst äußerst sachlichen HGB/IGB-Geschäftsführer Martin Ehring mit: „Hier könnte man was draus machen. Es wäre ein Riesending für Bad Liebenwerda.“

Unversucht lassen will die städtische Gesellschaft nichts. Sie hat ein Exposè herausgegeben, in dem ungeschminkt Bilder gezeigt werden. Und, in dem über die Geschichte der Bergemann-Brauerei so detailliert berichtet wird, dass Bierbrauer Lust bekommen sollen, diese alte Hopfenschmiede wiederzubeleben. Martin Ehring ist Realist. Ein bis zwei Millionen werden nötig sein, um das Haus komplett zu sanieren. „Aber“, so grenzt er ein, „vielleicht kann ein möglicher Investor ja Schritt für Schritt beginnen.“

Dabei ist die Wiederbelebung als Brauerei natürlich das I-Tüpfelchen der Träume. Auch andere Nutzungen seien denkbar. Eins ist aber Bedingung: „Um das für die Stadt historisch wertvolle Gebäude zu erhalten, sollte eine Sanierung mit sanfter Hand vorgenommen werden, um so viel wie möglich von der alten Substanz zu erhalten. Ein besonderes Augenmerk ist hier auf die alten Kreuzgewölbe und die Wandmalereien zu legen“, steht im Exposé geschrieben. Martin Ehring will alles dafür tun, die alte, im Jahr 1839 gegründete und nach mehreren Besitzerwechseln 1972 geschlossene Brauerei nicht Spekulanten vor die Füße zu werfen. Kapital will die Stadt aus dem Gebäude nicht schlagen. Sie hat nur einen Verkaufswert von 35 000 Euro angesetzt. „In dieser Lage ist dieses Geld allein das Grundstück wert“, sagt Martin Ehring. Heike Schmidt-Dallüge streut das Exposé nun vorerst bei Kleinbrauereien in der gesamten Bundesrepublik. Ihr erster Bier-Dienstreiseauftrag führt sie am 31. August und 1. September zum Brandenburger Brauereifest nach Fürstenwalde.