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Bald rollen die Betonlaster ans Röder-Wehr

Das einstige Röder-Wehr bei Würdenhain wird durch einen Neubau ersetzt. Die Arbeiten sollen in etwa einem Jahr beendet sein.
Das einstige Röder-Wehr bei Würdenhain wird durch einen Neubau ersetzt. Die Arbeiten sollen in etwa einem Jahr beendet sein. FOTO: Feller
Würdenhain. Der Ersatzneubau für das alte Röder-Wehr in Würdenhain schreitet voran. Für Spaziergänger und Radwanderer wird ein Übergang geschaffen. Manfred Feller

Im Juni des nächsten Jahres soll das neue Wehr in der Großen Röder bei Würdenhain in Betrieb gehen. Daran wird nicht gerüttelt. "Die Arbeiten liegen im Zeitplan", zeigt sich Planungsingenieurin Anja Kaussow vom Gewässerverband "Kleine Elster - Pulsnitz" zuversichtlich. Die vorbereitenden Arbeiten sind soweit gediehen, dass bald die ersten Betonlaster anrollen werden.

Unweit des alten Wehres und ein Stück vor der Mündung der Großen Röder in die Schwarze Elster entsteht eine neue Hochwasserschutzanlage. Sauberes fließt dort in bräunliches Wasser.

Die Kosten für den Ersatzneubau belaufen sich auf 2,7 Millionen Euro - einschließlich Planung, Entschädigung, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für die Inanspruchnahme der Natur, Prüfungs- und Überwachungskosten sowie Regieleistungen. Die reinen Baukosten betragen 1,86 Millionen Euro. Das Geld kommt aus Töpfen des Hochwasserschutzes von Bund und Land. Die EU hat die Planung finanziell unterstützt.

Das neue Wehr erhält ein acht Meter breites Doppelschütz, das elektrisch, jedoch nicht ferngesteuert bedient werden kann. Der Notbetrieb erfolgt von Hand. Im Hochwasserfall werden die Pegel in Sachsen abgerufen. Es bleibt am künftig neuen Wehr in Würdenhain genügend Zeit zum Handeln. Die Bedienung obliegt allein dem Gewässerverband.

Das Wasserbauwerk erhält in Fließrichtung links eine Fischwanderhilfe. Dabei handelt es sich um eine 44 Meter lange Treppe mit zehn 65 Zentimeter tiefen Becken. Davon profitieren soll vor allem der Lachs. Zielarten sind aber auch Barbe, Blei, Döbel, Hecht, Schmerle, Bitterling und Schlammpeitzger. Zur Ausstattung gehören ein Notverschluss und ein Abweiser für Treibgut. "Vom Wasser herangetragene Sedimente wie in der Pulsnitz sind an diesem Wehr nicht das Problem", sagt Anja Kaussow.

Mit dem Wehrneubau wird gleichzeitig noch ein Problem gelöst. Vor acht Jahren war die Brücke über die Röder, parallel zur Schwarzen Elster unter Protest abgerissen worden. Dieses landeseigene Bauwerk aus den 1930er-Jahren sei nicht mehr zu retten gewesen, hieß es. Seitdem nehmen vor allem die Elster-Radwanderer einen weiten Umweg.

"Das Land muss zwar keine neue Brücke bauen", so Anja Kaussow, "aber es ist ein Kompromiss zwischen dem Hochwasserschutz und den Belangen des Tourismus gefunden worden." Das Wehr erhält einen kurzen Bediensteg und einen 32 Meter langen, 1,50 Meter breiten Steg von Deichkrone zu Deichkrone, den Fußgänger und Radfahrer nutzen können. Den Lückenschluss zum Elsterradweg bezahlt der Landkreis, weil dies eine zusätzliche Leistung fernab des Hochwasserschutzes ist.

Der Baustart für das Wehr in Würdenhain war zunächst mit Hindernissen gespickt. Für die Zufahrt und die Baustelleneinrichtung wollte ein Flächeneigentümer seinen Grund nicht mehr zur Verfügung stellen, auch nicht mit einer Entschädigung. Ein anderer sprang dankenswerterweise ein, zeigt sich die Planungsingenieurin noch immer erleichtert.

Darüber hinaus muss in dem Naturgebiet auf das Getier Rücksicht genommen werden. Für das Umsiedeln der geschützten Zauneidechsen ist ein Extrahabitat angelegt worden. Zusätzlich wurden beiderseits der Deiche Amphibienschutzzäune aufgestellt. Der Bau wird zudem ökologisch begleitet.