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Bahnstrecke Berlin-Dresden: Ab 10. Dezember rollen wieder Züge

Im gesamten Trassenverlauf sind die Masten gestellt und die Fahrleitungen montiert. Alle Gleise liegen in Endlage, müssen aber noch geschliffen werden.
Im gesamten Trassenverlauf sind die Masten gestellt und die Fahrleitungen montiert. Alle Gleise liegen in Endlage, müssen aber noch geschliffen werden. FOTO: Frank Claus
Elsterwerda. Nach mehr als einem Jahr Sperrung werden ab dem 10. Dezember dieses Jahres wieder Züge über die Strecke Berlin-Dresden zwischen Wünsdorf und Hohenleipisch fahren. Frank Claus / red/fc

Das erklärte am Freitag Michael Baufeld, Sprecher Großprojekte der Bahn AG, und entgegnete damit in jüngster Vergangenheit vermehrt auftretenden Spekulationen, wonach es Bauverzug bei der Realisierung des 73 Kilometer umfassenden Großprojektes gebe. Seit August 2016 ist die Strecke in Brandenburg komplett gesperrt. Gleise, Bahnsteige, Bahntechnik werden für Tempo 200 erneuert und 18 Bahnübergänge im Land Brandenburg mit Straßenüber- oder -unterführungen ersetzt.

In der Tat habe es zu Jahresbeginn im Baulos Süd zwischen Walddrehna und Hohenleipisch Schwierigkeiten gegeben. Vor allem die komplizierten Bodenverhältnisse seien dafür ursächlich gewesen. "Der Baugrund erwies sich schwieriger als aus Erkundung und Planung heraus erwartet. Deshalb mussten die Gründungskörper mehrerer Brückenbauwerke umgeplant werden. Das führte ebenso wie die Frostperiode Anfang 2017, während der in durchgefrorenem Boden bestimmte Arbeiten nicht ausgeführt werden konnten, zu Verzögerungen", so der Bahnsprecher.

In Abstimmung zwischen Baufirmen und Bahn sei das Konzept für den Bauablauf optimiert worden. Die Strecke werde pünktlich für den Verkehr freigegeben. Aus momentaner Sicht gebe es keine Zweifel daran, dass alle Brücken und die jeweiligen Straßenanbindungen rechtzeitig fertig werden. Die LR hat sich gestern bei einem Baurapport im Abschnitt zwischen Walddrehna und Hohenleipisch vom Baufortschritt überzeugt.

Dort werden alle Arbeiten von einer Arbeitsgemeinschaft der Strabag Rail und Strabag AG umgesetzt. Ausnahme sind die Arbeiten zur Ausrüstung der Strecke mit elek- tronischer Stellwerkstechnik. Dafür hat Siemens den Auftrag.

Im gesamten Abschnitt, so Michael Baufeld, liegen die neuen Gleise bereits in Endlage, die neuen Oberleitungsanlagen sind montiert, die Modulgebäude der elek- tronischen Stellwerke stehen und werden mit den technischen Anlagen ausgerüstet. Auch die Arbeiten an den Bahnsteigen in Walddrehna sind in vollem Gange und werden dem Sprecher zufolge im September abgeschlossen.

Im Baulos Süd müssen sieben Eisenbahnbrücken und acht Straßenbrücken (diese als Ersatz für Bahnübergänge) neu gebaut werden. In Walddrehna läuft der Verkehr künftig unter den Gleisen hindurch. Schwierige Grundwasserverhältnisse haben die Arbeiten erschwert. Um bei Starkregen die Unterführung nicht "absaufen" zu lassen, ist eine Hebeanlage samt Wasserauffangbehälter im Bau.

Unweit davon in Wehnsdorf ersetzt eine Brücke den Bahnübergang. Die Widerlager stehen, die Straßenanbindungen sind aufgeschottert, um demnächst die Asphaltschicht zu erhalten. Ähnlich ist der momentane Bauzustand an allen Schienenüberführungen. Besonders imposant sind die neuen Straßenführungen über die Gleise in Rückersdorf-Süd, wo die Trasse einem Omega gleicht, und zwischen Hohenleipisch und Gorden, wo eine neue Brücke den alten, engen Backsteintunnel ersetzt. Ein bis zu 14 Meter hoher Damm wird dazu aufgeschüttet und verdichtet. "Ab 3. August wollen wir dort die Stahlbetonelemente der Brücke montieren", so Bauüberwacher Falk Hofner. Über das Bauwerk sollen ab 8. November die ersten Fahrzeuge rollen. Der Zeitplan müsse unbedingt gehalten werden, da vor Freigabe der Bahnstrecke am 10. Dezember noch der alte Tunnel abgerissen werden müsse. Die Eisenbahnbrücken bei Oppelhain und Gorden (südlich von Rückersdorf) sowie drei Bachbrücken zwischen Brenitz und Doberlug-Kirchhain wurden in der ersten Hälfte dieses Jahres fertiggestellt. Auch auf den übrigen Baustellen der neuen Straßenbrücken gehe es voran, so Michael Baufeld: "Viele Widerlager sind bereits fertiggestellt und einige Brückenüberbauten eingebaut. Von September bis November werden die Straßen auf den neuen Brücken nach und nach für den Verkehr freigegeben." Bei Brenitz leuchten auch die ersten Signalanlagen entlang der Gleise bereits.

Zum Thema:
Am 10. Dezember 2017 werde die Bahnsperrung wieder aufgehoben und der Abschnitt vorerst für Tempo 160 in Betrieb genommen. Bis 2020 soll die Strecke mit dem einheitlichen europäischen Zugsicherungssystem ETCS (European Train Control System) ausgerüstet werden, dann könne Tempo 200 gefahren werden. Im Fernverkehr werde es einen Zwei-Stunden-Takt auf der Relation Hamburg - Berlin - Dresden - Prag geben. Geplant sei eine zusätzliche Fernverkehrslinie (Warnemünde - Berlin - Dresden) ab Ende 2019 ebenfalls im Zwei-Stunden-Takt. Zunächst werde es einen Früh- und Abendstopp in Elsterwerda geben.Ziel des Gesamtausbaus der Bahnstrecke Berlin-Dresden sei es, die Fahrzeit zwischen den Hauptbahnhöfen der sächsischen Landeshauptstadt und der deutschen Hauptstadt auf 80 Minuten zu verkürzen. red/fc