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| 11:39 Uhr

Schnelle Verbindungen
Bahn schließt die Region ans Fernreisenetz an

 Außenansicht: Vorläufiger Designentwurf für KISS-Züge in der Intercity-Flotte der DB.  (Foto: DB/Priegnitz, Bearbeitung: N+P Industrial Design)
Außenansicht: Vorläufiger Designentwurf für KISS-Züge in der Intercity-Flotte der DB. (Foto: DB/Priegnitz, Bearbeitung: N+P Industrial Design) FOTO: Deutsche Bahn / (Foto: DB/Priegnitz, Bearbeitung
Elsterwerda. Ab Dezember geht es im IC-Zweistundentakt nach Berlin und Dresden. Ab Mai dann auch direkt bis nach Prag, Wien und Graz. Und es kommt zum Start gleich noch besser, dann hält erstmals jeden Tag sogar ein ICE (!) in Elsterwerda. Von Frank Claus

So oder zumindest so ähnlich soll es ab Dezember dieses Jahres aus dem Lautsprecher klingen: „Guten Tag, sehr verehrte Reisende. Das Zugpersonal begrüßt Sie im IC von Dresden über Berlin nach Rostock mit weiteren Stopps in Elsterwerda, Oranienburg, Neustrelitz und Waren/Müritz. Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass an allen Sitzen Steckdosen verfügbar sind, dass Sie kostenloses Wlan nutzen können und empfehlen Ihnen einen Besuch in einem der zwei Bord-Bistros. Gern können Sie sich aber auch am Platz bedienen lassen oder am Automaten Ihren Snack wählen. Ihr Fahrrad transportieren wir natürlich gern. Wir wünschen Ihnen eine angenehme Fahrt mit der Deutschen Bahn.“

Verdopplung des Angebots

Sie würden noch Ihren Ohren nicht trauen, sich im Traum wähnen, liebe Leser? Mit diesen Fakten hat DB-Personenverkehrsvorstand Berthold Huber am Dienstag bei einer telefonischen Pressekonferenz unter dem Titel „Mehr Fernverkehr für Ostdeutschland“ in die neue Bahnlinie auf der Route Dresden – Berlin – Rostock eingeführt und eine Verdopplung des Angebotes im Zuge der Unternehmensstrategie „Starke Schiene“ versprochen.

 Vier ostdeutsche Bundesländer sollen davon ab Dezember profitieren, sechs Städte im Osten erhalten einen Fernverkehrsanschluss im Takt. Ab Mai 2020 kommen weitere Haltepunkte in Berlin-Schönefeld und Warnemünde dazu. Zunächst werde auf dem alten Bahnhof Schönefeld gehalten. Mit Eröffnung des neuen Flughafens BER werde der direkt angefahren.

Halt in Doberlug-Kirchhain wird geprüft

Ein Halt am Bahnhof Doberlug-Kirchhain befinde sich gegenwärtig noch in der Prüfung. Dort solle es im November Testfahrten geben, nach denen entschieden werde, ob ein Stopp angesichts der vorherrschenden Bahnsteigbedingungen machbar sei.

 Bahnstrecke
Bahnstrecke FOTO: Deutsche Bahn

Die Inbetriebnahme der neuen Fernbahnlinie erfolge in zwei Ausbaustufen mit anfangs zehn Fahrten täglich (fünf Züge in jede Richtung). Gefahren werde zumeist mit den herkömmlichen IC. Ab März 2020 soll es dann zwischen 6 und 22 Uhr einen Zwei-Stunden-Takt mit 16 Fahrten täglich geben, dann mit den neuen KISS-Zügen. Damit verdopple sich das bestehende Angebot zwischen den Metropolen und Regionen in vier ostdeutschen Bundesländern.

Attraktive Reisezeiten

DB-Personenverkehrsvorstand Berthold Huber: „Wir wollen Schritt für Schritt Angebot und Kapazitäten des Schienenverkehrs in Deutschland ausbauen. Reisezeiten werden kürzer. Regionen rücken näher zusammen. Mit mehr Fernverkehr wird die Strategie einer starken Schiene für viele Menschen in Ostdeutschland in den kommenden Jahren konkret erlebbar.“

Das neue Angebot in den Ländern Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen solle zudem attraktive Reisezeiten mit sich bringen. Von Berlin nach Rostock sollen Reisende dann in nur zwei Stunden kommen. 90 Minuten Fahrtzeit verspricht die Bahn für die Reise von Dresden zum Flughafen Berlin Schönefeld. Enorme Vorteile werde diese neue Verbindung den Einwohnern im Elbe-Elster-Land bringen, die nun zusätzlich zum Regio-Verkehr mehrere Schnellverbindungen am Tag nutzen können.

Nach Angaben eines Bahnsprechers gelangen Reisende aus Elsterwerda dann in 40 Minuten nach Dresden (20 weniger als mit der Regionalbahn) und in 90 Minuten bis zum Berliner Hauptbahnhof (30 Minuten weniger als mit dem Regio).

VBB-Tarif soll anerkannt werden

Noch nicht entschieden ist, ob Reisende zwischen Elsterwerda und Berlin dann auch das günstige VBB-Ticket nutzen können. „Wir arbeiten dran, dass die VBB-Tarifanerkennung umgesetzt werden kann. Die Verhandlungen mit DB Fernverkehr zur Anerkennung im IC zwischen Elsterwerda und Berlin laufen derzeit“, erklärt dazu Elke Krokowski, Pressesprecherin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB). „Wir sind optimistisch, dass wir das gemeinsam hinbekommen“, heißt es am Morgen dazu in der Presserunde seitens der Bahn. Die neue Fernverbindung solle auch die Entwicklung der Tourismusregionen Sächsische Schweiz, Mecklenburgische Seenplatte und Ostseeküste weiter positiv befördern.

Die DB wolle auf der Linie moderne Doppelstockzüge einsetzen. Die Züge sollen nach Unternehmensangaben im Dezember von der österreichischen Westbahn übernommen werden. Nach einer Anpassung an DB-Standards – vom Reservierungssystem bis zum Außendesign – sollen die Doppelstockwagen ab 8. März rollen. Die Züge sollen mit einer Reisegeschwindigkeit von bis zu 200 Kilometern pro Stunde unterwegs sein und 300 Sitzplätze bieten.

Weil zum Start noch nicht genügend der IC-Züge verfügbar sein werden, soll für die Strecke gar ein ICE-Kurzzug eingesetzt werden, bestätigte die Bahn am Mittwoch. Auch dieser Zug fahre zum gleichen Tarif wie die IC-Züge.

Insgesamt wolle die Bahn kräftig in Hochgeschwindigkeitszüge investieren. Sollte die Mehrwertsteuer wie geplant gedeckelt werden, werde es weitere erhebliche Millionen-Investitionen geben, kündigte Personenverkehrsvorstand Berthold Huber an.

Noch keine Details zu den Preisen

Die Fernverkehrslinie Dresden–Berlin–Rostock solle helfen, mit der Deutschen Bahn mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen und damit einen wichtigen Beitrag für die Mobilitätswende und den  Klimaschutz zu leisten. Deshalb, so Huber, habe die Bahn bei der Liniengestaltung  auch stark auf die möglichst passgenaue Verknüpfung mit den Angeboten in der Fläche geachtet.

Genauere Details zur Preisgestaltung wurden noch nicht genannt, allerdings verwies die Bahn auf die Vorteile der unterschiedlichen Bahncards. Wer rechtzeitig buche, könne in der „Sparpreiswelt“ Fahrten zwischen Rostock und Dresden für 19,90 Euro und für 17,90 Euro (ohne Mehrwertsteuer) ergattern.

Ziel sei es, die Anzahl der Fernverkehrsreisenden zu verdoppeln – auf 260 Millionen Kunden pro Jahr. Im Jahr 2015 seien 130 Millionen Passagiere mit der Bahn gereist, bis Ende dieses Jahres rechnet die Bahn mit 150 Millionen Reisenden im Fernverkehr.

Vindobona wird wiederbelebt

Noch ein Bonbon wird es für Reisende ab Elsterwerda ab Mai kommenden Jahres geben. Der Vindobona wird wiederbelebt. Der Zug werde einmal täglich als durchgehende Verbindung von Berlin über Dresden via Prag nach Wien und Graz –  so wie schon zwischen 1957 und 2014 – rollen und nun auch um 7.36 Uhr in Elsterwerda halten.

Damals wie heute soll die Linie nach dem lateinischen Namen der Stadt Wien, Vindobona, benannt bleiben.