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| 17:46 Uhr

Tankzugunglück vor fast 21 Jahren
Bahnhof Elsterwerda bleibt ewig verseucht

Flammendes Inferno. Mehrere Kesseltankwagen mit Benzin stehen am 20. November 1997 auf dem Bahnhof in Elsterwerda in Flammen. Explosionen zerstören mehrere Gebäude und die Bahnanlagen. Die Löscharbeiten dauern eineinhalb Tage. Tonnenweise versickert Benzin im Erdreich.
Flammendes Inferno. Mehrere Kesseltankwagen mit Benzin stehen am 20. November 1997 auf dem Bahnhof in Elsterwerda in Flammen. Explosionen zerstören mehrere Gebäude und die Bahnanlagen. Die Löscharbeiten dauern eineinhalb Tage. Tonnenweise versickert Benzin im Erdreich. FOTO: Kreisverwaltung Elbe-Elster
Elsterwerda. Hunderte Tonnen Benzin sind bei einem verheerenden Tankzugunglück im Bahnhof von Elsterwerda im November 1997 versickert. Mehr als die Hälfte der Schadstoffe wurde gehoben. Der Rest wird noch viele Generationen beschäftigen und weiterhin viel Geld kosten. Von Manfred Feller

Das verheerende Tankzugunglück vom 21. November 1997 mit zwei toten Feuerwehrleuten, Verletzten und einem Sachschaden in vielfacher Millionenhöhe wird noch Generationen von Geologen beschäftigen. Denn bis zum Jahr 2006, da wurde das Heben der schädlichen Fracht tief im Boden „aufgrund mangelnder Effizienz“ unterbrochen, konnten 260 Tonnen Schadstoffe auf unterschiedlichste Weise beseitigt werden. Versickert waren bei der Katastrophe jedoch aus 13 Tankkesselwagen etwa 470 Tonnen unverbleites Normalbenzin. Darin enthalten sind die Hauptschadstoffe Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylol sowie Mineralöl-Kohlenwasserstoffe.

„Unter Berücksichtigung der natürlichen Schadstoffminderung wird der Standort noch für mehrere 100 Jahre belastet sein und demzufolge eine dauerhafte Überwachung des Grundwassers erforderlich machen“, steht in dem aktuellen Sachstandsbericht des Landkreises. Darüber informierte Daniel Mar­czykowski, Sachgebietsleiter untere Wasser-, Abfallwirtschafts- und Bodenschutzbehörde, die Abgeordneten des Kreisausschusses. Eine utopische Alternative wäre, den Bahnhof abzureißen, bis in die verseuchte Tiefe auszukoffern und alles wieder neu aufzubauen.

Nachdem die Grundwassersanierung vor zwölf Jahren vorläufig gestoppt worden war, bildeten sich von den am stärksten verseuchten Punkten aus, dort, wo die Benzinkesselwagen ausgelaufen sind, unterirdisch vom Grundwasser getriebene Schadstofffahnen in südwestlicher Richtung. Die nebenstehende Grafik der TU Berlin zeigt auf Basis der Daten der 70 Grundwassermessstellen auf sechs Ebenen zwischen drei und 16 Metern Tiefe, dass sich die fünf, durchschnittlich etwa 132 Meter langen Grundwasser-Schadstofffahnen noch auf dem Bahnhofsgelände befinden. Nur zwei würden sich um ungefähr fünf Meter im Jahr vorwärts bewegen. Die anderen seien nach Angaben der auswertenden Geologen zum Stillstand gekommen.

Die Wucht der Kesselexplosionen beschädigte nicht nur mehrere Gebäude schwer, sondern forderte auch Tote und Verletzte.
Die Wucht der Kesselexplosionen beschädigte nicht nur mehrere Gebäude schwer, sondern forderte auch Tote und Verletzte. FOTO: Kreisverwaltung Elbe-Elster

Die stark verdünnten Fahnenenden, so wird angenommen, könnten möglicherweise durch natürliche Abbauprozesse in ihrer Ausdehnung gebremst werden. Starke Niederschläge und Hochwasser würden die Ausbreitung jedoch wieder in Gang setzen.

Sollte die Gefahr bestehen, dass die Grundstücksgrenze des Bahnhofes durchbrochen wird, Leitparameter ist hier das Benzol, das die höchste Mobilität und Toxizität besitze, dann müssten nach Jahren wieder praktische Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden, so Daniel Marczykowski. Dazu gehören sogenannte Verteidigungsbrunnen.

Nach dem anfänglichen Verdacht, der sich bestätigt hat, wird seit 2016  auch die Schadstoffgruppe der perfluorierten Tenside (PFT) im Grundwasser überwacht. Dieser Stoff befand sich seinerzeit im Löschschaum. Er ist gut wasserlöslich, sehr mobil und werde nicht durch Mikroorganismen abgebaut. Gesetzliche Grenzwerte gebe es nicht, nur Richtlinien. Sollte eines Tages Gefahr drohen, dieser Stoff nach außen dringen, müsste das Grundwasser in Brunnen durch Aktivkohlefilter gereinigt werden. Das Unglück des Jahres 1997 bleibt also ein Thema für die Ewigkeit.

Das Bahnhofsgelände mit den Standorten der Kesselwagen, aus denen Benzin getreten ist. Die Schadstofffahnen haben sich nach Südwesten ausgebreitet, aber die Bahnhofsgrenze nicht durchbrochen.
Das Bahnhofsgelände mit den Standorten der Kesselwagen, aus denen Benzin getreten ist. Die Schadstofffahnen haben sich nach Südwesten ausgebreitet, aber die Bahnhofsgrenze nicht durchbrochen. FOTO: LR