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Zur Direktverbindung Finsterwalde-Berlin
Hat Rainer Genilke nur die Finsterwalder Brille auf?

Eine Pendlerin zeigt Rainer Genilke
Rot für seine Sicht auf die Direktver-
bindung nach Berlin.
Eine Pendlerin zeigt Rainer Genilke Rot für seine Sicht auf die Direktver- bindung nach Berlin. FOTO: Torsten Silz
Meinung | Elsterwerda/Finsterwalde. Sabine Müller, seit 25 Jahren Bahn-Pendlerin zwischen Elsterwerda und Berlin, äußert sich kritisch zu den Überlegungen des CDU-Landtagsabgeordneten.

Sabine Müller aus Elsterwerda-Biehla pendelt seit 25 Jahren beruflich nach Berlin. Sie schreibt:  Das im LR-Artikel „Mehr RE 2 Züge“ vom 24. Oktober behandelte Thema Direktverbindung Finsterwalde – Berlin möchte ich keinesfalls unkommentiert so gelten lassen. Einige der Ausführungen des Verfassers Benjamin Lassiwe und insbesondere des Finsterwaldaer CDU-Verkehrspolitikers Rainer Genilke, der auch in der LR vom 25. Oktober zitiert wurde, sind wenig nachvollziehbar, teils blanker Populismus und sie blenden den Südbrandenburg-Raum zugunsten von Finsterwalde völlig aus.

Herr Genilke profiliert sich nun schon seit Jahren ausschließlich in und für Finsterwalde, um die seiner Meinung nach zwingend notwendige direkte Bahnverbindung zwischen Finsterwalde und Berlin neu zu erwecken. Mit der nun getroffenen Pro-Entscheidung werden Landessteuermittel bewusst aus dem Fenster geworfen.

 Zur Erinnerung: Die von ihm permanent geforderte Direktlinie wurde vom Land Brandenburg vor fast zehn Jahren abbestellt,  weil die Züge dieser Regionallinie überwiegend ungenutzt blieben. Die Finsterwaldaer Fahrgastzahlen waren völlig ungenügend. Teilweise war der Servicezugbetreuer der Bahn der einzige „Reisende“ im Zug.

Herr Genilke präsentierte dann einen Direktfernbus für angeblich betroffene Pendler in Richtung Berlin. Auch dieser Bus verkehrte nur kurzzeitig. Pendler und Fahrgäste im Bus: Fehlanzeige. Und das war nicht zwangsläufig dem unfertigen BER geschuldet. Nun, 2017, verkündet der CDU-Verkehrspolitiker Genilke wortreich die Wiederbelebung dieser  Regionalbahnlinie.

Ab 2022 soll also wieder ein Regionalexpress  Finsterwalde und Berlin im Zwei-Stunden-Takt anbinden Ein Sieg der Vernunft, so sieht es zumindest Genilke.

Wirklich ein Sieg der Vernunft? Ein klares Nein. Die für diese Direktverbindung angedachte Expresslinie 8 wird wohl keine vom Land zusätzlich bestellte Regionalzugverbindung sein. Vielmehr handelt es sich dabei offensichtlich um die Regionalexpresslinie, die, so die bisherige Planung, eigentlich zwischen Wismar, Doberlug-Kirchhain und Elsterwerda verkehren soll. Für diese fragwürdige Direktverbindung wird nun nach dem Willen des Verkehrsexperte Genilke die Regionalzugverbindung aller Haltepunkte zwischen Doberlug und Elsterwerda zumindest um 50 Prozent gekürzt. Denn laut dem Verkehrsexperten wird die RE 8 abwechselnd Finsterwalde und Elsterwerda anfahren. Das bedeutet für Reisende zwischen Elsterwerda und Doberlug eine Halbierung der Taktverbindung zu Gunsten einer völlig ineffizienten Anbindung von Finsterwalde. Leerzüge statt Fahrgastbeförderung. Dabei bleibt noch offen, welcher der beiden Abgangsbahnhöfe den morgendlichen Berufsverkehr bedienen wird. Und welche Pendler zeitlich auf der Strecke bleiben.

Was zeichnet einen Experten eigentlich aus? Fachwissen. Warum kommen mir da Zweifel auf? Objektive Kenntnis der Verkehrsströme kann ich nicht erkennen. Dann wäre diese Entscheidung so nicht gefallen.

Ich selbst pendle nun schon seit 25 Jahren nach Berlin. So lange der Fernverkehr mit IC und IR  in Doberlug einen Verkehrshalt einlegte, nutzten Finsterwalder den Fernzug und stiegen in Doberlug in den Regionalverkehr nach Finsterwalde um. (...)

Nun soll Doberlug-Kirchhain ab Dezember 2019 wieder einen Fernverkehrsanschluss erhalten. Und genau diese Fernzüge werden die Finsterwalder dann auch wieder nutzen, wenn der Übergang zur Regionalbahn in Doberlug-Kirchhain stimmig ist.

Bleibt noch die Frage: Wer bitte wird dann aber ab 2022 die vom Herrn Genilke gefeierte Direktregionalbahn Berlin-Finsterwalde nutzen? Ach ja.  Herr Genilke sieht ja eine große Zuzugswelle für Finsterwalde am Horizont. Die wird dann dieser Regionalbahn die Fahrgäste bescheren. Auch ein Argument. Oder eher ein Wolkenschloss. Fakt ist: Herr Genilke kann bislang keine belastbaren Fahrgasterhebungen, Zahlen oder Fakten zu den tatsächlichen Verkehrsströmen zwischen Finsterwalde und Berlin vorweisen. Wäre sicher auch kontraproduktiv. Ist es denkbar, dass die Erfüllung seiner nun schon über Jahre gebetsmühlenartig vorgebrachten Forderung der Wiederbelebung einer Direktverbindung für Finsterwalde möglicherweise ein auf 2019 vorausschauendes Wahlgeschenk des CDU-Kandidaten an die Finsterwaldaer Wählerschaft ist? Mit derartigem Lokalpatriotismus fügt er dem Süden Brandenburgs jedenfalls bewusst oder unbewusst Schaden zu. Und das haben die Reisenden und Pendler zwischen Doberlug und Elsterwerda auszubaden. Man kann nur den Kopf schütteln.