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Bälle rollen mit höchster Präzision

Konzentration und Genauigkeit sind alles. Florian Pinkawa aus Friedersdorf während der deutschen Nachwuchsmeisterschaft im Billardkegeln.
Konzentration und Genauigkeit sind alles. Florian Pinkawa aus Friedersdorf während der deutschen Nachwuchsmeisterschaft im Billardkegeln. FOTO: privat
Rückersdorf. Noch ein Titel: Florian Pinkawa aus Friedersdorf ist zum wiederholten Male deutscher Meister im Billardkegeln geworden. Jetzt wird studiert. Manfred Feller

Erneut ist Florian Pinkawa aus Friedersdorf deutscher Jugendmeister im Billardkegeln geworden. Seit der Altersklasse 13 tritt der heute 17-Jährige für den Rückersdorfer Verein bei Titelkämpfen an und gewinnt in jedem Jahr die Trophäe.

Fast alle haben es schon einmal versucht, Billard zu spielen. Irgendwo in einer Kneipe oder im Urlaub. Als Zuschauer sieht es sooo einfach aus. Das ist beim Dartsspielen oder Golfen nicht anders. Doch um beim Billard die Bahnen der Kugeln vor dem Stoß "vorausberechnen" zu können, muss man lange und oft einsam trainieren. Das gilt für die verschienenden Spielarten des Billardkegelns (auch Eurokegeln) ebenso wie für Karambolage oder Pool-Billard und Snooker, wo die farbigen Kugeln eingelocht werden müssen.

Das Billardkegeln ist schon sehr speziell. Man kann es so oder so oder auch ganz anders spielen. In diesem Fall berührt der rote Spielball nach dem Stoß zuerst einen der beiden Treibbälle (weiß und gelb), dann geht es an die Bande - und nun erst dürfen die fünf Kegel in der Mitte getroffen werden und umfallen. Dafür gibt es Punkte. Wenn eine Kugel ohne den Umweg die Kegel direkt trifft, setzt es Minuspunkte. Florian Pinkawa weiß, dass sich selbst erfahrene Spieler dieses Malheur immer wieder leisten.

Sie alle haben bei jedem Turnier und jeder Meisterschaft ein Ziel, so der Abiturient aus Friedersdorf: "300 Punkte erreichen. Das ist wie eine Schallmauer. Wer das schafft, gehört zur Ehrenlegion." Der Junior hat es bisher einmal im Training und einmal in einem Spiel geschafft. "Meine Bestleistung sind 307 Kegel", sagt er. Zuletzt habe er zwar den Bestwert seines Trainers Volker Siebert aus den 1970er-Jahren in der Altersklasse 17 geschlagen, doch um an dessen aktuelle Höchstleistung heranzukommen, werde er ganz sicher noch einige Zeit brauchen. 338 Kegel stehen im Rekordbuch.

Florian Pinkawa, der schon bald nach seinem Einstieg in diesen Sport als Zwölfjähriger bei den Männern mittrainierte und dann auch spielte, wie er sagt, hat sich dadurch kontinuierlich verbessert. Der Kegeldurchschnitt bei 100 Stoß steigerte sich von Saison (September bis März) zu Saison. Angefangen habe er mit 130, es folgten 170, 205, 220 und 250. "Jetzt, in meiner sechsten Saison, komme ich nicht voran. Es geht eher zurück", gesteht er sich ein. Er hat zu wenig trainiert. Das Abitur hatte Vorrang. Ab September nimmt er ein duales Studium zum Verwaltungswirt in Wildau auf. Sein Arbeitgeber wird die Kreisverwaltung Elbe-Elster.

"Trotz des Studiums möchte ich bei dem Sport bleiben", sagt er. Und er will an seine vielen Erfolge, darunter fünffacher Kreismeister und mehrfacher Kreisrekordhalter, mit den anderen Rückersdorfern anknüpfen. Die zahlreichen Pokale im Vereinsheim sagen alles.

"Billard verbindet", möchte Florian Pinkawa, der 2016 Jugendsportler des Jahres im Elbe-Elster-Landkreis geworden war, das Spiel am grünen Tisch nicht missen. Jugendliche seien jederzeit willkommen. Billard spielende Frauen gibt es in Rückersdorf gar nicht.

Das Billardkegeln, wie es hierzulande gespielt wird, sei vor allem im Osten populär. Dabei sei die Lausitz stark vertreten - mit den Hochburgen Cottbus und Spremberg.

Bei den Meisterschaften messen sich die Jugendlichen in einem überschaubaren Feld von vielleicht zwei Dutzend der besten Spieler. Als deutscher Meister geht es für Florian Pinkawa nicht weiter. Denn EM und WM werden nach anderen internationalen Regeln gespielt, die sich u. a. in der Anzahl der Kegel, im Ballspiel und im Spielwechsel der Akteure unterscheiden.