ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:05 Uhr

Sichere Geldquelle für beide Seiten
Eine Unterschrift bringt der Kurstadt Bad Liebenwerda mehrere Millionen Euro

Beide Seiten sind sichtbar zufrieden mit dem langfristigen Stromkonzessionsvertrag (v. l.): für Bad Liebenwerda Kämmerer Gerd Engelmann und Bürgermeister Thomas Richter sowie für die enviaM Kommunalbetreuer Hartmut Brand und Thilo Schröter, Leiter Kommunalbetreuung.
Beide Seiten sind sichtbar zufrieden mit dem langfristigen Stromkonzessionsvertrag (v. l.): für Bad Liebenwerda Kämmerer Gerd Engelmann und Bürgermeister Thomas Richter sowie für die enviaM Kommunalbetreuer Hartmut Brand und Thilo Schröter, Leiter Kommunalbetreuung. FOTO: LR / Manfred Feller
Bad Liebenwerda. Die Kurstadt und der Energieversorger enviaM besiegeln einen neuen Konzessionsvertrag. Von Manfred Feller

So wertvoll kann ein „Autogramm“ sein: Mit einer Unterschrift hat Bürgermeister Thomas Richter (CDU) der Kurstadt Bad Liebenwerda für die Jahre 2021 bis 2040 insgesamt voraussichtlich bis zu fünf Millionen Euro an Einnahmen beschert. So hoch beläuft sich in der Summe die Strom-Konfessionsabgabe der envia Mitteldeutsche Energie AG (enviaM) für die nächste besiegelte Vertragslaufzeit.

„Bad Liebenwerda schätzt den regionalen Energiedienstleister enviaM für seine Zuverlässigkeit. Wir sind froh über die gelungene Zusammenarbeit während der vergangenen Konzessionsperiode. Daher fiel die Entscheidung unseres Stadtrates zugunsten der Erneuerung des Wegenutzungsvertrages mit enviaM“, sagt Thomas Richter.

Die Gegenleistung der Kommune ist, dass sie ihre öffentlichen Verkehrswege für das Verlegen und den Betrieb von ober- und unterirdischen Stromverteilungsanlagen, Umspannstationen, Leitungen, Kabeln usw., die der unmittelbaren Versorgung der Verbraucher im Gemeindegebiet dienen, zur Verfügung stellt. Zugleich verpflichtet sich enviaM, die Kunden unter anderem möglichst sicher, effizient und umweltverträglich zu versorgen.

Anders als in manch einem Ballungszentrum hatte sich auf die Bekanntgabe (im Bundesanzeiger) des neu abzuschließenden Wegenutzungsvertrages in Bad Liebenwerda erwartungsgemäß lediglich der regionale Energieversorger gemeldet. „Die Stromversorgung ist eigentlich eine kommunale Aufgabe“, stellt Bad Liebenwerdas Kämmerer Gerd Engelmann fest.

Doch eigene Stadtwerke seien angesichts der nur rund 9300 zu versorgenden Einwohner in der Kurstadt mit ihren 15 Ortsteilen nicht nur unrentabel. „Wirtschaftlich kleine Einheiten sind bei Investitionen auch wenig flexibel. Notwendige hohe Ausgaben können an die Existenz gehen“, ergänzt Thilo Schröter, Leiter Kommunalbetreuung bei enviaM. Mit mehr als 500 Kommunen im Netzgebiet sei der Energieversorger deshalb auch so etwas wie eine Solidargemeinschaft.

Zudem müssten im Wechselfall etwaige Stadtwerke oder ein anderer Anbieter das Anlagevermögen erwerben. Deren Wert allein im Raum Bad Liebenwerda bewege sich schätzungsweise in Richtung eines dreistelligen Millionenbetrages. Das Versorgungsgebiet um die Kurstadt sei ungefähr 138 Quadratkilometer groß und umfasse ein Stromleitungsnetz von immerhin 380 Kilometern.

Die Höhe der Konzessionsabgabe richtet sich nach dem Stromverbrauch der Privathaushalte und kleiner Gewerbebetriebe. Mit leichten Auf- und Abbewegungen zeigten die jährlichen Zahlungen an die Stadt seit 2013 (fast 242 000 Euro) eine sinkende Tendenz. Die Kurve, so die Kämmerei, weist seit 2017 jedoch wieder nach oben.

Dies hat nach Auskunft von Bürgermeister Thomas Richter seine Gründe. Die Anzahl der Geburten (einst um die 200 im Jahr, heute etwa 80) und die Zuzüge gleichen die Wegzüge und Todesfälle seit zwei Jahren mehr als aus. „Dafür muss man aber etwas tun“, bemerkt das Stadtoberhaupt, dass Erfolge keiner Kommune in den Schoß fallen. Eine Maßnahme der Kurstadt sei, dass sie immer wieder Bauflächen ausweise, um dem Bedarf nachzukommen.

Der neue Stromkonzessionsvertrag mit der enviaM enthalte Verbesserungen für die Stadt. So werde der Höchstbetrag der Konzessionsabgabe gezahlt. Zudem gelte ab 2021 bei Baumaßnahmen nicht mehr die Folgekostenregelung von 50 zu 50. Die envia übernehme dann 100 Prozent. Außerdem erhöht sich die Gewährleistungsfrist von drei auf fünf Jahre.

Der Energieversorger sei zudem ein guter Sponsor für Vereine und Feste. Er helfe sogar, Einsparungsmöglichkeiten zu erschließen, wie bei der Straßenbeleuchtung, obwohl er lieber Strom verkauft. „Das erhöht unsere Glaubwürdigkeit“, bemerkt Thilo Schröter, Leiter der enviaM-Kundenbetreuung.