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| 19:43 Uhr

Bad Liebenwerda
Mehr Verkehr in Bad Liebenwerda trotz Ortsumfahrungen

 Ein Draufblick auf die Innenstadt von Bad Liebenwerda mit Markt, Rossmarkt und Rösselpark (l.). Die Verkehrsbelastung durch Pkw ist immer noch hoch, trotz zweier Ortsumfahrungen. Aber: Das hat auch positive Hintergründe.
Ein Draufblick auf die Innenstadt von Bad Liebenwerda mit Markt, Rossmarkt und Rösselpark (l.). Die Verkehrsbelastung durch Pkw ist immer noch hoch, trotz zweier Ortsumfahrungen. Aber: Das hat auch positive Hintergründe. FOTO: LR / Jens Berger
Bad Liebenwerda. Das hat alle überrascht – Verkehrsplaner und Kommunalpolitiker. Die B-101- und B-183-Ortsumfahrungen von Bad Liebenwerda führen nicht zu einer spürbaren Entlastung der Innenstadt. Aber: Das hat auch positive Ursachen! Von Frank Claus

Mehr als 40 Millionen Euro haben Bund und Land für den Neubau der B-101- und B-183-Ortsumfahrungen von Bad Liebenwerda ausgegeben. Doch der Verkehr in der Innenstadt ist nicht wie erhofft zurückgegangen, hat auf einigen Straßen sogar zugelegt. Wobei das nur auf den Pkw-Verkehr zutrifft. Die Belastung der Stadt durch Brummis ist spürbar zurückgegangen.

Den Schlussfolgerungen zugrunde liegen Prognosezahlen vorm Bau der Ortsumfahrungen sowie Verkehrszählungen in den Jahren 2015 und 2019. In diesem Jahr ist an 29 unterschiedlichen Zählpunkten mittels Kamera die Verkehrsfrequenz ermittelt worden.

Ein Blick in die Geschichte: Die erste Ortsumfahrung (B 101) ging im Jahr 2003 in Betrieb, die Einweihung der B-183-Ortsumfahrung wurde im Herbst des vergangenen Jahres gefeiert. Nach der Prognose für das Verkehrsaufkommen sollen auf der B-101-Umfahrung im Jahr 2025 etwa 6000 Fahrzeuge rollen, momentan sind es 3700. Die B-183-Ortsumfahrung sollen den Visionen zufolge im Jahr 2025 etwa 8000 Fahrzeuge aus Richtung Elsterwerda nutzen, momentan sind es 3300. Das lässt bereits erahnen, dass die Innenstadt noch immer hoch frequentiert ist. Damit ist eine Befürchtung – die Innenstadt könnte nach Freigabe der Ortsumfahrungen totberuhigt sein – Stand heute vom Tisch.

Deutlich mehr Pkw in der Innenstadt

Dabei gibt es gleich eine ganze Latte interessanter Aspekte, die den Abgeordneten in öffentlicher Sitzung am 4. September vorgestellt werden sollen. Den kürzlichen Besuch der Verkehrsministerin hat die Verwaltung genutzt, die Ressortchefin brandaktuell von den Entwicklungen zu informieren. Den Zählungen zufolge stellt sich klar heraus, dass vor allem die Berliner Straße/Bahnhofstraße noch immer als schnelle Durchfahrtstraße genutzt wird. Dort haben sich die Zahlen von 2015 um fast ein Drittel erhöht. In der Bahnhofstraße wurden 2015 etwa 3700 Fahrzeuge in 24 Stunden gezählt, jetzt sind es dort 5400!

Auch der Verkehr in der Riesaer Straße ist beträchtlich. Messungen aus 2015 gibt es nicht, jetzt wurden 3900 Autos an einem Tag gezählt. Unvermindert hoch ist der Verkehr in der Dresdner Straße. Im Jahr 2015 waren es ab Lidl-Markt etwa 8400. Jetzt sind es immer noch 6700. Und ab Ladestraße in Richtung Stadtzentrum wurden einst 9600 Pkw gezählt, jetzt 8300. Ähnlich hoch sind die Zahlen bei der anderen Ausfall­straße Hag/Torgauer Straße, wo 2015 etwa 6300 Fahrzeuge und jetzt noch 3800 gezählt werden.

Für Bürgermeister Thomas Richter sind das einerseits überraschende Zahlen, anderseits aber auch Beleg für eine positive Entwicklung der Stadt. Und, so das Stadtoberhaupt: „Wir müssen jetzt die von uns angedachten innerstädtischen Verkehrsregelungen zügig umsetzen.“ Dabei geht es vor allem um die Verkehrsführung rund um den Lubwartturm ins Stadtzentrum.

Bad Liebenwerda hat an Anziehungskraft gewonnen

Vize-Bürgermeister Gerd Engelmann spricht aus, was in der Runde mit der Verkehrsministerin breite Zustimmung findet. „Bad Liebenwerda hat deutlich an Anziehungskraft gewonnen, hat eine Ziel- und Quellfunktion.“ Und damit sei nicht nur das Wonnemar gemeint, sondern zum Beispiel auch der Rösselpark, „der aus allen Nähten platzt“ und den Verkehrsstrom auf der Bahnhofstraße erheblich beeinflusse. Das hohe medizinische Angebot in der Stadt (Klinikbesucher, Nutzer von Epikur, etc.) sorge für ein Übriges. „Schauen Sie doch nur mal auf den Zulauf beim Onkologen Dr. Kreher“, so Bürgermeister Thomas Richter. Der umfangreiche Dienstleistungsbereich und nicht zuletzt Einzelhandel, Schule, Kultureinrichtungen, ansprechende Gastronomie würden Besucher in die Stadt locken.

Bad Liebenwerda sei zu einem Magnet im Elbe-Elster-Kreis geworden. „Das freut uns und zwingt uns gleichzeitig zu neuen Überlegungen“, sagt der Bürgermeister und will diese Debatte nun mit den Abgeordneten und Bürgern führen.

 Vor allem die Bahnhofstraße wird als schnelle Durchfahrtmöglichkeit genutzt. Ändert sich das, wenn die Schranken, wie prognostiziert, öfter schließen?
Vor allem die Bahnhofstraße wird als schnelle Durchfahrtmöglichkeit genutzt. Ändert sich das, wenn die Schranken, wie prognostiziert, öfter schließen? FOTO: LR / Lehmann/lr
 Ein Draufblick auf die Innenstadt von Bad Liebenwerda mit Markt, Rossmarkt und Rösselpark (l.). Die Verkehrsbelastung durch Pkw ist immer noch hoch, trotz zweier Ortsumfahrungen. Aber: Das hat auch positive Hintergründe.
Ein Draufblick auf die Innenstadt von Bad Liebenwerda mit Markt, Rossmarkt und Rösselpark (l.). Die Verkehrsbelastung durch Pkw ist immer noch hoch, trotz zweier Ortsumfahrungen. Aber: Das hat auch positive Hintergründe. FOTO: LR / Jens Berger