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| 18:21 Uhr

Sieben Millionen Euro investiert
Bad Liebenwerdas neuer Bildungstempel

Einweihung der Robert-Reiss-Oberschule in Bad Liebenwerda mit Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (3.v.l.). Für das Erinnerungsbild sind außerdem Architektin Judith Poller, Bürgermeister Thomas Richter, die Schüler und Reiss-Darsteller Angelo Seyfert und Heidi Schallschmidt als Ehefrau Mathilde, Landrat Christian Heinrich-Jaschinski sowie Schulleiter Hartmut Schmidt (v.l.) auf den Schulhof gekommen.
Einweihung der Robert-Reiss-Oberschule in Bad Liebenwerda mit Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (3.v.l.). Für das Erinnerungsbild sind außerdem Architektin Judith Poller, Bürgermeister Thomas Richter, die Schüler und Reiss-Darsteller Angelo Seyfert und Heidi Schallschmidt als Ehefrau Mathilde, Landrat Christian Heinrich-Jaschinski sowie Schulleiter Hartmut Schmidt (v.l.) auf den Schulhof gekommen. FOTO: LR / Frank Claus
Bad Liebenwerda. Jetzt ist auch der offizielle Akt vollzogen: Bad Liebenwerdas neue Robert-Reiss-Oberschule ist seit Freitag feierlich eingeweiht. Schon am Abend zuvor haben etwa 100 RUNDSCHAU-Leser bei „LR vor Ort“ die Schule in den höchsten Tönen gelobt. Von Frank Claus

Das ist ja wie ein …, Sie kennen ihn schon, liebe Leser – den Vergleich mit einer Nobel-Automarke. Er ist im Rahmen der offiziellen Einweihung und auch schon einen Abend vorher öfter herangezogen worden. Judith Poller, die Architektin, die mit ihrem Team von FI.plan Finsterwalde die neue Robert-Reiss-Oberschule in Bad Liebenwerda projektiert hat, hört diesen Vergleich nicht gern. „Das klingt so, als ob wir jede Menge Luxus eingebaut hätten und Geld rausgeschmissen haben“, sagt sie und fügt mit Nachdruck an: „Wir haben eine zeitgemäße Schule nach heutigen Standards geplant und gebaut.“

7,2 Millionen Euro hat sie gekostet. Gut angelegtes Geld, wie immer wieder von Rednern, Besuchern bei „LR vor Ort“ und vor allem von Schülern und Lehrern zu hören war. Für Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU) ist sie die Fortführung der vom Kreistag und der Verwaltung verfolgten Bildungsstrategie. „Wir setzen alles daran, in unseren zwölf Schulen an 16 Standorten inklusive des Oberstufenzentrums beste Lehr- und Lernbedingungen zu ermöglichen.“ Im Jahr 2009 hat der Landkreis die Trägerschaft für das 1971 als Polytechnische Oberschule eingeweihte Gebäude übernommen. Zwischenzeitlich beherbergte es das Echtermeyer-Gymnasium.

Wehmut, dass die alte Schule nun abgerissen wird? Keine! Nicht mal Schulleiter Hartmut Schmidt überkommt dieses Gefühl. Zu groß sind die Vorzüge des neuen Hauses. Und dennoch, so wie viele sagt auch er: „Uns verbinden viele schöne Erinnerungen an die alte Schule. Die bleiben haften.“

Dass bei „LR vor Ort“ am Vorabend so viele ehemalige Lehrer den Weg in die neue Schule fanden und danach übereinstimmend erklärten, dass das Haus eine „tolle neue Einrichtung“ sei, unterstreicht den Quantensprung. Diesen hat selbst Namensgeber Robert Reiss – in diese Rolle waren am Donnerstag der ehemalige Reiss-Büromöbel-Geschäftsführer Dietmar Menzel und am Freitag Schüler Angelo Seyfert geschlüpft – mehrfach gelobt. Und einer der jetzigen Reiss-Geschäftsführer, Gerd Widule, sicherte die weitere Unterstützung des Unternehmens zu. Er beglückwünschte Kreis und Stadt zu dieser neuen Bildungsstätte, die die Chancen, junge Fachkräfte mit ihren Familien nach Bad Liebenwerda zu locken, weiter erhöhe.

Schulleiter Hartmut Schmidt (2.v.l.) und Dietmar Menzel in Robert-Reiss-Robe mit Gästen beim Rundgang durch die Schule beim „LR vor Ort“-Termin.
Schulleiter Hartmut Schmidt (2.v.l.) und Dietmar Menzel in Robert-Reiss-Robe mit Gästen beim Rundgang durch die Schule beim „LR vor Ort“-Termin. FOTO: LR / Frank Claus

Für Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD), Ehrengast neben den Landtagsabgeordneten Diana Bader (Die Linke) und Iris Schülzke (fraktionslos, BVB/Freie Wähler), ist Bad Liebenwerdas neue Oberschule ein „Leuchtturm der brandenburgischen Schullandschaft“. Sie wisse, dass in die Schulen des Landes viel zu investieren sei, räumte ein, dass Deutschland „als führende Industrienation erheblichen Nachholbedarf in der Digitalisierung“ habe und sprach auch an, dass die technische Ausstattung die eine und die personelle eine ebenso wichtige Seite sei. Als hätte sie gewusst, was die Schüler John Che Plathe und Leon Schumann kurz nach ihr am Pult spitzbübisch mit Rückblick auf die alte Schule meinten: „Überall nagt die Zeit, nicht nur am Gebäude, auch an den Lehrern.“ Was sie so jugendlich unbekümmert aussprachen, hat ihnen keiner übel genommen, denn sie haben ja Recht: Es fehlt in vielen Schulen des Landes junger Lehrernachwuchs. Es sind Stellen unbesetzt oder es müssen Quereinsteiger aushelfen. Hartmut Schmidt hat dies bei „LR vor Ort“ bekräftigt. Seit Monaten gäbe es an der Schule zu wenig Mathelehrer.

Bürgermeister Thomas Richter erinnerte an die Anfänge – die Debatten, ob Schulsanierung oder Schulneubau der richtige Weg sei. Unmittelbar vor der Entscheidung habe man sich auch das Gebäude in Thalberg noch mal angeschaut. Heute resümiert er: „Zum Glück hat der Kreistag so entschieden.“ Und er holte ins Gedächtnis zurück, dass es im Stadtgebiet zur Wendezeit noch sechs Schulen gab. Inzwischen sind es noch zwei.

Die Robert-Reiss-Oberschule ist topmodern, in das Reiss-Grundschulzentrum seien schon 5,2 Millionen Euro geflossen, gut sieben Millionen Euro werden es bis zum Abschluss der Bauarbeiten werden.

An Bad Liebenwerdas neuer Schule – die Entscheidung zum Schulneubau fiel im Frühjahr 2014, Spatenstich war im Mai 2016 und Richtfest im November des gleichen Jahres – haben etwa 40 Firmen und mehrere Planungsbüros gearbeitet. Wenn auch Judith Poller den eingangs erwähnten Autovergleich nicht gern hört, das Kompliment des Schulleiters – „es ist ein Meisterwerk der Architekten“ – hört sie gern. Und gibt bescheiden zu: „Es ist eine schöne Schule, zu der wir eine besondere Beziehung haben. Die Arbeit hat uns immer Spaß gemacht.“