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| 16:14 Uhr

Grabmal von Robert-Koch-Mitarbeiter restauriert
Für Ärzte eine Frage der Ehre

 14 Ärzte aus Bad Liebenwerda haben sich zusammengeschlossen und die Sanierung des Grabes von Dr. Franz Bludau (Mitarbeiter von Robert Koch, Arzt von Bismarck) auf dem Bergfriedhof in Bad Liebenwerda hinbekommen - Vertreter des Heimatvereins Weinberge und Bürgermeister Thomas Richter (3.v.r.) freuen sich.
14 Ärzte aus Bad Liebenwerda haben sich zusammengeschlossen und die Sanierung des Grabes von Dr. Franz Bludau (Mitarbeiter von Robert Koch, Arzt von Bismarck) auf dem Bergfriedhof in Bad Liebenwerda hinbekommen - Vertreter des Heimatvereins Weinberge und Bürgermeister Thomas Richter (3.v.r.) freuen sich. FOTO: LR / Frank Claus
Bad Liebenwerda. Bad Liebenwerdaer Mediziner veranlassen nach einer Anregung der Lausitzer RUNDSCHAU auf dem Bergfriedhof die Restaurierung des Grabmals von Robert-Koch-Mitarbeiter, Dr. Franz Bludau. Von Frank Claus

Es war im vergangenen Jahr. Aus Anlass des Totensonntags widmete sich die RUNDSCHAU in einem Beitrag Grabstellen bedeutender Bad Liebenwerdaer auf dem Stadtfriedhof und auf dem Bergfriedhof. Während die Grabstätten von Robert Reiss, den Unternehmerfamilien Weiland, Ziehlke, Callai-Brochwitz, Simon, Weizsäcker, Miehe, Barth und Voigt einen sehr gepflegten Eindruck hinterlassen, sieht das von Dr. Franz Martin Bludau (1871-1949) auf dem Bergfriedhof eher traurig aus. Der Stein verwittert, die Inschrift kaum noch lesbar.

Dabei handelt es sich um einen bedeutenden Arzt und ehemaligen Einwohner von Bad Liebenwerda.

Zahnarzt Dr. Benno Damm reagiert sofort

 Die Grabstelle von Dr. Franz Martin Bludau auf dem Bergfriedhof in Bad Liebenwerda vor der Restaurierung.
Die Grabstelle von Dr. Franz Martin Bludau auf dem Bergfriedhof in Bad Liebenwerda vor der Restaurierung. FOTO: LR / Frank Claus

Als die LR fragte, ob nicht Ärzte der Stadt sich des Grabmals annehmen könnten, reagierte Zahnarzt Dr. Benno Damm sofort. „Der Beitrag war Thema bei uns am Frühstückstisch und ich habe mit meiner Frau gemeinsam sofort gesagt, da müssen wir was tun.“

Er schrieb Ärzte der Stadt an und erhielt sofort Zusagen zur Unterstützung. Insgesamt 14 Mediziner haben sich zusammengeschlossen und die Restaurierung in der Steinmetzwerkstatt Anlauff, dort ist der Grabstein auch hergestellt worden, finanziert. Mit Unterstützung des Heimatvereins Weinberge, der den Bergfriedhof in seine neue Wandertour aufnehmen will, soll der Grabstein und das Wirken des Mediziners fortan deutlicher in die Öffentlichkeit gerückt werden.

Bürgermeister Thomas Richter zeigte sich bei der Wiedereinweihung begeistert. „Es ist wunderbar zu wissen, dass sich Bürger so für ihre Stadt einsetzen. Das zeigt ihre Verbundenheit und sicher auch ein gehöriges Stück Stolz auf ihre Heimatstadt.“

Wer weiß schon noch, dass Dr. Franz Martin Bludau einer der Ärzte von Otto von Bismarck, des ersten Reichskanzlers des Deutschen Reiches, auf dessen Schloss in Pommern war?

Später war er als Chefarzt in verschiedenen Krankenhäusern in den Kolonien tätig. Als Mitarbeiter des berühmten Prof. Robert Koch bekämpften beide auf der Adriainsel Brioni erfolgreich die Malaria. Nach dem Ersten Weltkrieg forschte der Oberregierungsrat in Berlin auf dem Gebiet der Tropenhygiene und Bakteriologie. Sie wollen mehr über den Arzt wissen? Dank Sabine Kretzschmann vom Stadtarchiv können Sie auf www.lr-online.de intensiver nachlesen.

Aus dem Stadtarchiv:

Dr. Franz Martin Bludau wurde am 24. Januar 1871 in Deutsch-Krone geboren. Als frischgebackener Arzt kam Bludau in Vertretung nach Varzin/Pommern auf Bismarcks Schloss, um ihn zu betreuen.

Die Begegnung mit Robert Koch

Bludau trat 1896 als Assistenzarzt bei der Kaiserlich-Deutschen Schutztruppe in Afrika ein; er wurde u.a. Chefarzt des Nachtigall-Krankenhauses in Togo und später auf Veranlassung von Robert Koch Chefarzt des Gouvernements-Krankenhauses in Duala/Kamerun. Dann kamen arbeitsreiche Jahre mit Robert Koch, mit dem er gemeinsam die Insel Brioni vor lstrien/Adria von der Malaria befreite und auf dessen Veranlassung er 1910 nach der Türkei ging, dort das deutsche Krankenhaus in Adana einrichtete und den ärztlichen Dienst beim Bau der Bagdad- und Mersinabahn versah.

Sein Betätigungsfeld erstreckte sich in den Tropen auf Malaria, Lepra, Schwarzwasserfieber, Pocken und Ruhr. Über seine Mitarbeit bei Robert Koch erzählt er, dass er nach einer Rückkehr nach Berlin erst ein halbes Jahr in seinem Labor tätig gewesen und dann mit ihm nach Brioni gegangen ist, um dort die grassierende Malaria zu bekämpfen. Die Bewohner hatten einen Horror vor dem Pieken des Ohrläppchens, weil sie glaubten, auf dem Glasplättchen würde ihre Seele mit Blut dem Teufel verschrieben.

Vom Säugling bis zum Greis wurde alles mit Chinin behandelt. Kinder erhielten es bei zugehaltener Nase in flüssiger Form. Danach gab es einen Bonbon. ln fünf Monaten war die Insel malariafrei, was die Weltpresse damals gebührend würdigte.

Bludau nahm als Oberarzt am I. Weltkrieg teil. Nach Schluss des Krieges trat er als Oberregierungsrat in den staatlichen Dienst, um sich mit wissenschaftlichen Arbeiten auf bakteriologischem und tropenhygienischem Gebiet zu befassen. Mit erreichter Altersgrenze schied er aus.

Bis zum Tod in Bad Liebenwerda

1945 schloss er sich dem Heer der Flüchtlinge nicht an, sondern blieb noch in Pommern und leistete Polen und sowjetischen Soldaten ärztliche Hilfe. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er mit seiner Frau in Bad Liebenwerda im Grundstück der Familie Strombeck, Hauptstraße 6 (heute Dresdener Straße; abgerissenes Rittergut). Er freute sich damals immer über einen Besuch. Verstorben ist er am 10. Februar 1949 an Asthma/Herzversagen und wurde in einem kleine Kreis von Trauergästen auf dem Bergfriedhof von Pfarrer Schulze beigesetzt. Die Todesanzeige für Franz Bludau wurde am 10. Februar 1949 von der Haushälterin Klara Wolf beim Rat der Stadt aufgegeben. Der Grabstein wurde von Frau Bludau in Auftrag gegeben. Gesetzt wurde der Grabstein von der Firma Anlauff. Seine Ehefrau lebte danach bis 1953 im Altersheim Mühlberg. Sie verstarb am 13. Mai 1953.