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| 02:35 Uhr

B 169-Euphorie? Nicht in Elbe-Elster

Die Grafik (rote Linien) zeigt den geplanten Ausbaugrad der Strecke zwischen Bad Liebenwerda und Ruhland inklusive B-183-Ortsumfahrung Bad Liebenwerda, B-169-Ortsumfahrung Elsterwerda und B-169-Ortsumfahrung Plessa. Die blauen Linien zeigen den Ist-Zustand.
Die Grafik (rote Linien) zeigt den geplanten Ausbaugrad der Strecke zwischen Bad Liebenwerda und Ruhland inklusive B-183-Ortsumfahrung Bad Liebenwerda, B-169-Ortsumfahrung Elsterwerda und B-169-Ortsumfahrung Plessa. Die blauen Linien zeigen den Ist-Zustand. FOTO: Schubert/LR/Quelle: Verkehrsministerium Brandenburg
Elsterwerda/Plessa. Der Wille ist da: Für das Land Brandenburg besitzt nach Angaben des zuständigen Verkehrsministers der Ausbau der Leipzig-Lausitz-Trasse und damit die Ertüchtigung von B 169, B 101 und B 183 "Priorität". Für Elbe-Elsters Kommunalpolitik reicht diese Aussage nicht, um euphorisch zu werden. Frank Claus

Die Fakten sind bekannt. Seit mehr als 20 Jahren ringen Wirtschaft und Politik in Elbe-Elster um bessere Verkehrsanbindungen und haben in puncto Leipzig-Lausitz-Trasse auch verbündete Nachbarn. Mit der BASF Schwarzheide und dem Flachglaswerk in Torgau sind starke Industriebetriebe im Boot - mit der Kommunalpolitik aus Torgau, Gröditz, Riesa, Lauchhammer und Senftenberg ist eine Allianz geschmiedet worden. Nachdem das Vorhaben einer Autobahn 16 beerdigt werden musste, hatte Brandenburg eine neue Vision für eine "leistungsgerechte Verkehrsverbindung" ins Spiel gebracht: den Fernstraßenausbau mit Überholabschnitten über eine Leipzig-Lausitz-Trasse. Doch obwohl die B 169 als die am stärksten frequentierte Bundesstraße im Süden Brandenburgs deklariert wird - laut Verkehrszählung zwischen Ruhland und Elsterwerda täglich etwa 8000 Fahrzeuge, davon zwölf Prozent Schwerlastverkehr (Prognose bis 2030: 10 000 Fahrzeuge) - ist genau in diesem Abschnitt bisher wenig passiert.

Auch nach dem Informationsgespräch bei Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) am Montag sagt Plessas Amtsdirektor Manfred Drews: "Ich verstehe die Euphorie nicht, die in manchen Meldungen verbreitet wird." Er sei sogar eher enttäuscht und habe arge Bedenken, dass sich bei den vielen offenen, noch nicht finanzierten Projekten "in diesem Jahrzehnt noch was tut". Manfred Drews: "Planung bedeutet noch lange kein Baurecht." Der Minister hatte erläutert, dass "der Ausbau der Bundesstraßen zwischen Plessa und Bad Liebenwerda für den neuen Bundesverkehrswegeplan angemeldet" ist.

Darüber hinaus lägen die Unterlagen für den 5,7 Kilometer langen Abschnitt der B 169 von der A 13 bis Lauchhammer in seinem Ministerium zur Genehmigung und Übergabe an das Bundesverkehrsministerium bereit und für den sich anschließenden neun Kilometer langen Abschnitt bis Plessa sollen die Planungsunterlagen bis zum Jahresende fertiggestellt sein. Allerdings nur, "wenn es gelingt, zügig die notwendigen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen darzustellen, die wir wegen des Flächenverbrauchs benötigen", so Vogelsänger. Dazu schiebt der Minister die Verantwortung auch ein Stück zurück: "Hier ist auch die Region gefragt, uns mit Angeboten tatkräftig zu unterstützen."

Auch Elsterwerdas Bürgermeister Dieter Herrchen (parteilos), der neben Landrat Christian Heinrich-Jaschinski und Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter (beide CDU) für Elbe-Elster nach Potsdam gefahren war, hat die Runde "nicht so viel Neues" gebracht. Die Strecke werde ihm zu wenig in ihrer Gesamtheit betrachtet, gearbeitet werde nach wie vor nur "an bruchstückhaften Lösungen". Dieter Herrchen: "Was nützt eine Ortsumfahrung, wenn die Straßen davor und danach nur schleppend ausgebaut werden?" Und auch er glaubt, dass Elbe-Elster nach jetzigem Stand der Dinge noch lange auf die vom Land versprochene "leistungsgerechte Verkehrsverbindung" warten muss. Herrchen: "Allein das Planfeststellungsverfahren für den dreistreifigen Ausbau der B 101 zwischen Bad Liebenwerda und Elsterwerda dauert ja schon seit Januar 2011 bis jetzt."

Etwas mehr Klarheit habe das Gespräch beim Minister aber hinsichtlich des geplanten Ausbaugrades zwischen der A 13 und Elsterwerda gebracht. So sollen auf dem 15 Kilometer langen Abschnitt zwischen Plessa und Ruhland stellenweise zusätzliche Überholspuren gebaut werden. Das bedeutet, dass es in jeder Fahrtrichtung einzelne Überholabschnitte auf insgesamt drei Kilometern Länge geben wird. Der Ausbaugrad der gesamten Trasse entspreche dem Ist-Zustand der neu gebauten Strecke der B 87 zwischen Wiederau und Herzberg. Auch für die B 169 werde es einen straßenbegleitenden Wirtschafts- und Fahrradweg geben.