| 02:46 Uhr

B 169/101: Schmoren im eigenen Saft

Man könnte doch mal wieder zählen, wenn sonst schon nichts passiert: Obwohl die B 169 als die am stärksten frequentierte Bundesstraße im Süden Brandenburgs deklariert wird – laut Verkehrszählung zwischen Ruhland und Elsterwerda täglich etwa 8000 Fahrzeuge, davon zwölf Prozent Schwerlastverkehr (Prognose bis 2030: 10 000 Fahrzeuge) – ist genau in diesem Abschnitt bisher wenig passiert.
Man könnte doch mal wieder zählen, wenn sonst schon nichts passiert: Obwohl die B 169 als die am stärksten frequentierte Bundesstraße im Süden Brandenburgs deklariert wird – laut Verkehrszählung zwischen Ruhland und Elsterwerda täglich etwa 8000 Fahrzeuge, davon zwölf Prozent Schwerlastverkehr (Prognose bis 2030: 10 000 Fahrzeuge) – ist genau in diesem Abschnitt bisher wenig passiert. FOTO: LR
Elsterwerda. Was passiert, wenn mehr als 20 Jahre erklärt wird, dass ein Projekt Priorität genießt und sich trotzdem nichts tut? Elsterwerdas Bürgermeister Dieter Herrchen antwortet auf die Frage mit einem Wort: Politikverdrossenheit. Frank Claus

Seit mehr als 20 Jahren ringt Elsterwerda um den Ausbau der Bundesstraßen 169 und 101, fordert die Ortsumgehung der Stadt und eine schnelle Anbindung an Autobahnen. Bürgermeister Dieter Herrchen (parteilos) und seine Vorgänger haben die Unternehmer der Stadt immer wieder vertröstet, ihnen versichert, dass sie alles in ihrer Macht Stehende tun würden.

Aber Bund und Land lassen die Stadt jetzt wieder mal im Regen stehen. Ihre Teilnahme am Forum "Vorfahrt für die Wirtschaft" am Sonnabend im Rahmen des Frühlingsfestes haben die zuständigen Ressortchefs von Bund (Alexander Dobrindt, CSU) und Land (Kathrin Schneider, SPD) jedenfalls abgesagt. Warum sollen sie auch kommen? Entscheidend Neues gibt es ohnehin nicht zu berichten. Seit mehr als 20 Jahren wird gebetsmühlenartig wiederholt, dass vorgenannte Projekte im sogenannten "vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes" stehen. Der wird in diesem Jahr überarbeitet und Brandenburgs Verkehrsministerin sieht ihren Part erfüllt: Das Land Brandenburg hat diese Projekte erneut angemeldet.

Papier ist geduldig, die Unternehmen längst nicht mehr. Verlässliche Politik sieht anders aus - das wollen sie am Samstag noch einmal scharf formulieren und sich im Ergebnis des Forums mit einer Resolution an Bund und Land wenden. Elsterwerdas Bürgermeister Dieter Herrchen hält sich an einem kleinen Strohhalm fest. Ein Vertreter des Landesbetriebes Straßenwesen hat zugesagt, den aktuellen Planungsstand noch einmal zu erläutern. Herrchen weiß, dass dies nur die ausführende Behörde ist. "Ich will aber schon wissen, was in einem Jahr passiert oder nicht passiert ist." Vor Jahresfrist hatte der noch im Amt befindliche Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) Hoffnung gemacht, dass es mit B 169 und 101 nun endlich voranginge. Vom dreistreifigen B-169-Ausbau in ersten Abschnitten war die Rede. Brandenburgs Verkehrsministerin lässt auch vage durchblicken, dass sie mit einem Planfeststellungsbeschluss für die B 101 zwischen Elsterwerda und Bad Liebenwerda rechnet und es für möglich hält, auch dort einen dreistreifigen Ausbau zeitgleich mit der Einweihung der B-183-Ortsumfahrung Bad Liebenwerda 2017/2018 hinzubekommen.

Zum Thema:
Das Wirtschaftsforum am 18. April ab 11 Uhr im ehemaligen Geschäft AWG Moden im Gewerbegebiet in Elsterwerda ist öffentlich. Der Bundestagsabgeordnete Michael Stübgen (CDU) und Verkehrsexperten weiterer parlamentarischer Ebenen, auch aus Sachsen, haben ihr Kommen zugesagt.Landrat Christian Heinrich-Jaschinski stärkt der Stadt Elsterwerda als CDU-Stadtchef im Ringen um den Straßenausbau den Rücken.