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| 19:45 Uhr

Bedeutsam auch für Elbe-Elster
B 101 Thyrow vor der Freigabe

Was aussieht wie ein entstehender Bahnhof, ist die neue Doppelbogen-Grünbrücke an der B 101 Ortsumfahrung Thyrow.
Was aussieht wie ein entstehender Bahnhof, ist die neue Doppelbogen-Grünbrücke an der B 101 Ortsumfahrung Thyrow. FOTO: LR / Frank Claus
Thyrow. Noch vor Weihnachten soll die B-101-Ortsumfahrung Thyrow (Landkreis Teltow-Fläming) fertiggestellt werden. Pendler aus Elbe-Elster in Richtung Berlin und Potsdam profitieren davon. Von Frank Claus

Wer aus Bad Liebenwerda und Herzberg kommend nach Berlin oder Potsdam fahren will, nutzt immer mehr die B 101 anstelle die A 13 über die Autobahnauffahrt Duben. Ab Jüterbog ist die Bundesstraße gut ausgebaut – zu Beginn zweispurig, dann in der 2+1-Variante und schließlich sogar mit je zwei Fahrspuren in beide Fahrtrichtungen. Nadelöhr ist in diesem Abschnitt bislang Thyrow, etwa 800 Einwohner zählender Ortsteil der Stadt Trebbin im Teltow-Flämig-Kreis. Dort wälzt sich die Fahrzeugkolonne durch den Ort.

„Durch Thyrow donnern täglich etwa 16 000 Fahrzeuge, davon 16 Prozent Schwerlastverkehr“, sagt Michael Herbst, der Projektleiter der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges). Nicht mehr lange. Noch vor Weihnachten soll die etwa 38,6 Millionen Euro teure Ortsumfahrung für den Verkehr freigegeben werden.

Die B-101-Ortsumfahrung Thyrow aus Richtung Berlin kommend. Seit der vergangenen Woche ist dieser Abschnitt bis zum Kreisel (linke Bildkante) befahrbar. Dort wird die neue Piste bereits an die fertiggestellte B 101 angeschlossen.
Die B-101-Ortsumfahrung Thyrow aus Richtung Berlin kommend. Seit der vergangenen Woche ist dieser Abschnitt bis zum Kreisel (linke Bildkante) befahrbar. Dort wird die neue Piste bereits an die fertiggestellte B 101 angeschlossen. FOTO: LR / Jens Berger

Damit wäre der etwa 35 Kilometer lange Abschnitt zwischen Luckenwalde über den Berliner Ring (A 10) bis nach Berlin dann autobahnähnlich ausgebaut. Das heißt, beide Fahrtrichtungen sind jeweils 10,50 Meter breit, zweispurig und mit Standstreifen ausgebaut. Da, so weiß der Projektmanager, hat sich in der Planungsphase der Landkreis Teltow-Fläming durchgesetzt. Denn zunächst war auch „nur“ eine 2+1-Variante wie zwischen Bad Liebenwerda und Elsterwerda oder vor Herzberg geplant. Der Kreis habe 5,6 Millionen Euro dazu gepackt und sich so den vierspurigen Ausbau „erkauft“.

Dass die Fertigstellung noch knifflig werden kann, weiß Michael Herbst. Frost oder starker Schneefall könnten das ehrgeizige Ziel noch ins Wanken bringen. Doch der Projektleiter ist nach Rücksprachen mit der Baufirma Matthäi zuversichtlich: „Die Bauleute haben mir bestätigt, dass sie das schaffen.“

Noch müssen Kraftfahrer die B 101 (rechts) verlassen und über den Kreisel und durch Thyrow (am Horizont) fahren.
Noch müssen Kraftfahrer die B 101 (rechts) verlassen und über den Kreisel und durch Thyrow (am Horizont) fahren. FOTO: LR / Jens Berger

Denn der Großteil der Bauarbeiten ist abgeschlossen. Zehn Bauwerke wurden errichtet, sieben Brücken und drei Durchlässe. Das imposanteste Bauwerk ist die 50 Meter lange Grünbrücke für Wildtiere – ein Doppelbogenbau aus Holz kurz vor Trebbin. Im Rohbauzustand mutet sie an wie ein Bahnhofskomplex. „Das ist bislang die größte, die nach diesem Konstruktionsprinzip errichtet worden ist“, so Michael Herbst. Denn die Brücke überspannt mit extra „Tunneln“ sowohl die neue vierspurige B 101 als auch die dann abgestufte Gemeindestraße nach Thyrow. „Diese Brücken werden angenommen“, weiß der Deges-Fachmann, zumal die Tiere mittels Zäunen geführt würden und gar keinen anderen Weg hätten, in diesem Bereich die Fahrbahn zu überqueren. Eine spezielle Bepflanzung und ein Sichtschutz gegen blendendes Fahrzeuglicht minimiere Störfaktoren.

Wer aus Bad Liebenwerda, Falkenberg oder Herzberg in die Landes- oder Bundeshauptstadt muss, nutzt zunehmend mehr die B 101. Aus Elbe-Elster gibt es allerdings Kritik zum nicht ausgebauten Abschnitt zwischen Herzberg und Jüterbog. Die Tempo-70-Abschnitte im Alleenbereich nerven.
Wer aus Bad Liebenwerda, Falkenberg oder Herzberg in die Landes- oder Bundeshauptstadt muss, nutzt zunehmend mehr die B 101. Aus Elbe-Elster gibt es allerdings Kritik zum nicht ausgebauten Abschnitt zwischen Herzberg und Jüterbog. Die Tempo-70-Abschnitte im Alleenbereich nerven. FOTO: LR / Schubert, Sebastian

Gegenwärtig laufen die Asphaltarbeiten auf Hochtouren. Die werden sich bis in die erste Dezemberwoche hinziehen. Weil auch dort wie beim dreistreifigen B-101-Ausbau zwischen Bad Liebenwerda und Elsterwerda im Kompaktasphaltverfahren Binder- und Deckschicht zugleich eingebaut werden, sind die Ansprüche an die Temperaturen nicht ganz so hoch. Während im herkömmlichen Verfahren die Tragschicht nicht unter zehn Grad auskühlen sollte, könne mit dem neuen Verfahren bis null Grad gearbeitet werden.

Die Temperaturen spielen übrigens auch eine Rolle für die abschließende Markierung. Während früher weiße Farbe aufgespritzt wurde, kommen jetzt bei Neubauvorhaben geriffelte Markierungsbänder zum Einsatz, die auf den noch warmen Asphalt aufgewalzt werden. „Das Verfahren werden wir vermutlich nicht mehr anwenden können, deshalb wird zunächst eine Zwischenlösung aufgetragen“, so Michael Herbst. Das liege auch darin begründet, dass Markierungsfirmen für Arbeiten, die zwischen November und März ausgeführt werden, keine Gewährleistung mehr übernehmen müssen.

Auf einem Teil der Neubaustrecke rollt übrigens bereits jetzt der Verkehr – und zwar aus Berlin kommend vom Ende der Altausbaustrecke bis zum neu gebauten Kreisel vor Thyrow. Dort werde der Verkehr gegenwärtig zweispurig im Gegenverkehr geführt.

Ein Blick unter einen Bogen der Doppelbogen-Grünbrücke kurz vor Trebbin. In dieser Bauart ist sie bisher einzigartig.
Ein Blick unter einen Bogen der Doppelbogen-Grünbrücke kurz vor Trebbin. In dieser Bauart ist sie bisher einzigartig. FOTO: LR / Jens Berger

Das Hauptaugenmerk liege gegenwärtig aber auf der genau entgegengesetzten Seite. „Wir bereiten jetzt den Anschluss der neuen Ortsumfahrung an den ‚alten’ B-101-Abschnitt aus Richtung Jüterbog/Luckenwalde vor“, so der Projektleiter. Dort müsse noch der komplette Asphalt eingebaut werden. Die Fahrbahn unter der Wildbrücke sei hingegen bereits fertig. Auch die Aufträge für die Montage der Schutzplanken seien vergeben, in großen Teilen des Trassenverlaufes sind sie installiert. Das Gros der Verkehrszeichen stehe.

Von diesem Ausbauzustand träumt das Elbe-Elster-Land für den B 101-Abschnitt bis Jüterbog. Auf der länderübergreifenden Tagung der Landkreise Elbe-Elster, Teltow-Fläming, Wittenberg und Nordsachsen zur Verkehrsinfrastruktur bezeichnete Egbert Neumann vom Brandenburgischen Infrastrukturministerium den Zustand der B 101 zwischen Herzberg und der A 10 als gut, wenn die Ortsumfahrung Thyrow fertiggestellt ist. Dieser Stand müsse gesichert und überwacht werden, sagte er. Herzbergs Bürgermeister Karsten Eule-Prütz kritisierte aber die langen Strecken mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 km/h vor allem zwischen Herzberg und Jüterbog.