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B 101-Ausbau ohne Tunnel zum See

Stadtplaner Peter Lange sichtet die Unterlagen des Planfeststellungsbeschlusses.
Stadtplaner Peter Lange sichtet die Unterlagen des Planfeststellungsbeschlusses. FOTO: F. Claus
Bad Liebenwerda. Jetzt gibt es auch behördlich grünes Licht. Die B 101 kann zwischen Elsterwerda und Bad Liebenwerda im sogenannten "2+1-Querschnitt" – das bedeutet zwei Fahrspuren mit einer jeweils wechselnden Überholspur – ausgebaut werden. Der von der Stadt Bad Liebenwerda beantragte Tunnel von Dobra zum Kiessee Zeischa ist allerdings abgelehnt worden. Frank Claus

Zwischen Weihnachten und Silvester hat der Postbote zwei große Pakete im Bad Liebenwerdaer Rathaus abgegeben. Der Inhalt ist gewichtig. Es sind mehrere Aktenordner und der erfolgte Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau der B 101 zwischen Elsterwerda und Bad Liebenwerda. Die Unterlagen werden demnächst öffentlich ausgelegt. Sollte es zum Vorhaben keine Beanstandungen geben, scheint dem geplanten Fertigstellungstermin, der zeitgleich mit der Freigabe der B-183-Ortsumfahrung im Herbst 2018 liegen soll, nichts mehr im Wege zu stehen.

Die B 101 wird dreistreifig. Die Fachleute bezeichnen diese Bauausführung als 2+1-Querschnitt. Das bedeutet, dass es zwischen Bad Liebenwerda und Elsterwerda wechselseitig immer wieder Überholstreifen geben soll. Auch sonst dürfte der Ausbaugrad den Verkehr deutlich flüssiger machen. Denn auf dem 5,7 Kilometer langen Abschnitt ist auch ein zusätzlich zu den drei Streifen daneben liegender Wirtschaftsweg für langsam fahrende Fahrzeuge geplant. Zudem erhält die B 101 in dem Ausbaustück einen Straßen begleitenden Radweg.

Nicht zugestimmt hat die Genehmigungsbehörde dem von der Stadt Bad Liebenwerda und den Ortsteilen Dobra und Zeischa geforderten Tunnel. Der sollte in Höhe des Zeischaer Weges in Dobra unter der B 101 zum gegenüberliegenden Kiessee nach Zeischa führen. Begründet wird das damit, dass es in zumutbarer Entfernung - an der Tankstelle und an der Alten Frankfurter Straße (Straße zum Waldbad und weiter nach Prieschka) - Querungsmöglichkeiten geben wird. Auf den Einwand, dass damit eine Unfallquelle entstehen könnte, wenn Fußgänger versuchen, die dann dreistreifige Straße zu überqueren, verweist die Behörde auf die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung, die das verbiete. Verstöße seien notfalls zu ahnden.

Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter (CDU) kann diese Entscheidung inzwischen aus mehreren Gründen nachvollziehen. Erstens sind auch aus seiner Sicht in diesem Abschnitt genügend Querungsmöglichkeiten in zumutbarer Entfernung vorhanden. Zweitens könnte die Stadt zwar einen Tunnel auf eigene Kosten bauen - vermutlich um die 300 000 Euro - sie wäre allerdings gezwungen, die Unterführung auf der Kiessee-Seite zu verschließen, da sich dort Bergwerksgelände befindet, das nicht betreten werden dürfe. "Wir können Verstößen ja nicht noch behördlich die Tür öffnen."

Und drittens verweist der Bürgermeister auf die von den Stadtverordneten beschlossenen konzeptionellen Überlegungen zur Neugestaltung des Kiessees als Naherholungsgebiet. Dieses neue Areal befinde sich gegenüber der Tankstelle. Dort soll es später auch die Hauptzufahrt zum neuen Naherholungsgebiet geben. "Extra deswegen haben wir im Zuge des Neubaus der B-183-Ortsumfahrung eine Vereinbarung mit dem Landesbetrieb Straßenwesen abgeschlossen." Die sieht jetzt einen vierten Abzweig zum künftigen Waldbad an der neuen B 101/B 183-Kreuzung vor. Der Stadt Bad Liebenwerda kostet dieser Sonderwunsch am Ende 117 472 Euro.

Wie ernst der Kurstadt die Entwicklung des neuen Waldbadareals ist, unterstreicht der Bürgermeister auch: "Wir werden uns in den nächsten Wochen mit Eigentümern und Abbaufirmen an einen Tisch setzen, um weitere Schritte zu besprechen. Wir müssen zum Beispiel auch noch mal ins Wasser, also in den Nassschnitt gehen, um geforderte Böschungswinkel herzustellen. Es wäre doch prima, wenn das im Zuge jetziger Abbaggerungen gleich realisiert wird."