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Azubis: Unser Job ist top!

Lydia Richter hat als beste Azubi-Konditorin in der Bäckerei Bubner vorzeitig ausgelernt.
Lydia Richter hat als beste Azubi-Konditorin in der Bäckerei Bubner vorzeitig ausgelernt. FOTO: Heike Lehmann
Elbe-Elster-Kreis. Gesunde Milch, knackige Brötchen, ein leckeres Schnitzel – wer möchte das nicht. Im Elbe-Elster-Kreis gibt es viele Landwirtschaftsbetriebe, Bäckereien und Fleischereien, die frische Lebensmittel produzieren. Doch sie haben es schwer, beruflichen Nachwuchs zu finden. Warum eigentlich? Vier junge Azubis brechen eine Lanze für ihre Berufe. Birgit Rudow, Heike Lehmann und Frank Claus / gb

Vier Fleischereien und zwei Bäckereien im Kreis suchen laut Handwerkskammer Cottbus händeringend einen Lehrling. Auch für den Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk sind noch vier Lehrstellen frei. Noch düsterer sieht es in der Landwirtschaft aus. Hier sind bei der Agentur für Arbeit 32 freie Lehrstellen und ein Platz für ein duales landwirtschaftliches Studium noch unbesetzt. Doch wer soll die frischen Lebensmittel künftig produzieren, wenn der Berufsnachwuchs fehlt? Zum Glück gibt es aber auch junge Leute, die sich bewusst für einen Beruf in der Lebensmittelproduktion entscheiden.

"Wenn ich in den Kuhstall komme, hole ich erstmal tief Luft. Ich schnupper das gern", sagt Eckhard Tzschoppe. Der 17-Jährige Herzberger lernt im zweiten Ausbildungsjahr Tierwirt mit der Fachrichtung Rinderhaltung in der Agrargenossenschaft Gräfendorf. Dabei macht er auch noch sein Fachabitur. Eckhard will nach der Lehre studieren. Etwas anderes als Landwirtschaft sei für ihn beruflich nie infrage gekommen, sagt er. In der Frühschicht um dreiviertel 2 aufstehen, Feiertags- und Wochenendarbeit - das alles macht ihm nichts aus. 700 Kühe müssen zweimal am Tag gemolken werden. "Ich hab gewusst, dass der Beruf kein Zuckerschlecken ist. Und ich habe eine Freundin, die dasselbe lernt", sagt er. Sein Ausbildungsbetrieb mache es ihm leicht. Die Bezahlung stimmt, sagt er, wohlwissend, dass das nicht überall so ist. Nach dem Studium möchte er zurückkommen und später eine verantwortungsvolle Position im Betrieb übernehmen. "Ich habe hier Aufstiegsmöglichkeiten. Das finde ich gut", sagt Eckhard. Und noch einen Vorteil hat sein Beruf: Die Milch für den Frühstückskaffee kommt direkt aus dem Tank.

Lydia Richter hat ihren Traumberuf gefunden. Die 27-Jährige schwärmt von der Kreativität, die sie als Konditorin ausleben kann. Die Finsterwalderin hat zunächst eine dreijährige Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin bei der Bäckerei Dreißig absolviert und dann drei Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Bei einem Tag der offenen Tür in der Bäckerei Bubner in Doberlug-Kirchhain hat es sie gepackt. In ihr schlummerte noch der Wunsch zur Konditorlehre und wenn, dann wollte sie die dort machen. "Ich habe dann auch nur diese eine Bewerbung geschrieben und es hat geklappt", erzählt sie strahlend, wie sie vor drei Jahren alles auf eine Karte gesetzt hat. "Mit Lebensmitteln zu arbeiten macht riesigen Spaß. Man kann kreativ und handwerklich zugleich sein. Du rührst Cremes in bestimmten Geschmacksrichtungen an, dekorierst, setzt zusammen, modellierst mit Schokolade oder spritzt Ornamente auf. Und bei all dem kannst du dich selbst einbringen", ist sie begeistert von ihrem Beruf. Ihrem Ausbildungsbetrieb hat sie die Lehrstelle inzwischen mit sehr guten Leistungen gedankt, mit so guten, dass sie bereits im Februar - einige Monate vorzeitig - die Lehre abgeschlossen hat. Und das als bester Lehrling ihres Jahrgangs! Ihr Prüfungsergebnis: Theorie - 2; Praxis - 1.

Franziska Schädel aus Goßmar ist Azubi im 3. Lehrjahr und wird Fleisch-Fachverkäuferin in der Fleischerei Arnold. Gegenwärtig arbeitet sie in der Filiale in der Finsterwalder Südpassage. Anfangs hatte die 20-Jährige Bedenken, den richtigen Beruf gewählt zu haben. Heute sagt sie: "Ich möchte nichts mehr anderes machen. Mein Job ist so vielfältig. Ständig neue Kunden, die ich gern bediene. Und das Vorbereiten der Auslage macht mir auch sehr viel Spaß. Das Auge isst mit, das weiß doch jeder."

Worauf achtet die Firma Arnold bei der Azubi-Auswahl? "Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und natürlich ordentliche Grundkenntnisse in Mathe und Deutsch sind uns wichtig", sagt Yvonne Arnold. Die besten Azubis des jeweiligen Lehrjahres bekommen die Führerscheinausbildung finanziert oder in gleichwertiger Höhe eine einwöchige Reise. Und wer sich auch gesundheitlich fit hält, bekommt am Monatsende einen Tankgutschein über 40 Euro.

Fritz Ruppert ist froh, ab September bei Arnolds in die Fleischer-Lehre zu gehen. Über eine Qualifizierungsmaßnahme der Handwerkskammer kann er jetzt bei Arnolds reinschnuppern. "Ich wollte nicht zu Hause rumsitzen", sagt der 20-Jährige aus Elsterwerda und meint: "In der Zerlegeabteilung gefällt es mir am besten." Er fühle sich wohl in der Arnold-Truppe, will unbedingt seinen Abschluss schaffen.

Zum Thema:
Die Handwerkskammer Cottbus meldet derzeit insgesamt 433 freie Lehrstellen. Neben dem Lebensmittelhandwerk (Bäcker: 12 freie Lehrstellen, Fleischer: 10) werden im Elbe-Elster-Kreis besonders Auszubildende gesucht für die Berufe Maurer (16), Kfz-Mechatroniker (9), Anlagenmechaniker/in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (8) sowie Zimmerer (7). gb