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| 20:16 Uhr

Wenn nicht nur Kohlekumpel staunen:
Das Lexikon vorm Kohle-Aus

 Heidrun Matthes, die Vorsitzende des Heimatvereins Maasdorf, inmitten der Ausstellung zur regionalen Kohle-, Energie- und Industriegeschichte am Natoureum Maasdorf. Sie ist längst zu einem „lebendigen“ Lexikon geworden. „Ich kann allen Unterstützern nur herzlich danken“, sagt sie.
Heidrun Matthes, die Vorsitzende des Heimatvereins Maasdorf, inmitten der Ausstellung zur regionalen Kohle-, Energie- und Industriegeschichte am Natoureum Maasdorf. Sie ist längst zu einem „lebendigen“ Lexikon geworden. „Ich kann allen Unterstützern nur herzlich danken“, sagt sie. FOTO: LR / Frank Claus
Maasdorf. Maasdorfer Heimatverein vervollkommnet beachtliche Ausstellung zur Industriegeschichte. Von Frank Claus

Es ist eine Ausstellung, die vermutlich schon in wenigen Jahren noch bedeutungsvoller wird als sie jetzt schon ist. Jetzt, wo um das Ausstiegsszenario für die Lausitzer Braunkohle gestritten wird und ein emotionaler Moment wie bei der Schließung der letzten noch aktiven Steinkohlezeche im Ruhrgebiet im Dezember des vergangenen Jahres auch hier in nicht mehr allzu langer Ferne liegt, macht sich der Heimatverein Maasdorf daran, die Freiluft-Ausstellung „Lausitzer Energie-, Kohle- und Industriegeschichte“ weiter zu vervollkommnen.

Schon jetzt widerspiegelt die Ausstellung mit zahlreichen, optisch wirksam gestalteten Tafeln Industriegeschichte im heutigen Elbe-Elster-Land, aber auch in den benachbarten Regionen um Lauchhammer und Gröditz. Es war nicht etwa die Braunkohleförderung, die in der Region zuerst den wirtschaftlichen Aufschwung einleitete. Viel älter als der erste Kohleaufschluss ist die Entwicklung des Lauchhammerwerkes, das im Jahr 2025 seinen 300. Geburtstag feiert. Aber die Existenz des Werkes forcierte die Kohleförderung und schließlich auch die Gründung des Eisenwerkes Gröditz im Jahr 1779/80 als Filiale des Hüttenwerkes Lauchhammer.

„Ehemalige und aktive Bergleute stehen heute fasziniert vor unserem Zeitstrahl, den wir zur Entwicklung der Industriegeschichte erarbeitet und gestaltet haben“, sagt die Vorsitzende des Heimatvereins. Takraf, das Nachfolgeunternehmen des Lauchhammerwerkes, habe bereits angefragt, um diesen Zeitstrahl als Leihgabe für das Jubiläumsjahr zu erhalten.

 Ausstellung zur regionalen Kohle-, Energie- und Industriegeschichte am Natoureum Maasdorf - mit Heidrun Matthes, Vorsitzende des Heimatvereins
Ausstellung zur regionalen Kohle-, Energie- und Industriegeschichte am Natoureum Maasdorf - mit Heidrun Matthes, Vorsitzende des Heimatvereins FOTO: LR / Frank Claus

Die Ausstellung in Maasdorf zeigt auf der Außenseite der Tafeln die Entwicklung der Erde und im Inneren die Entwicklung des Kohlebergbaus bis hin zu erneuerbaren Energien. Heidrun Matthes muss schmunzeln. „Wenn Schüler hier sind, halten sie sich vor allem an den Tafeln mit den neuzeitlichen Entwicklungen auf. Altgediente Bergleute wollen davon meist wenig wissen. Sie fachsimpeln dafür umso mehr über die Technologien, die einst angewandt wurden.“

 Ausstellung zur regionalen Kohle-, Energie- und Industriegeschichte am Natoureum Maasdorf - mit Heidrun Matthes, Vorsitzende des Heimatvereins
Ausstellung zur regionalen Kohle-, Energie- und Industriegeschichte am Natoureum Maasdorf - mit Heidrun Matthes, Vorsitzende des Heimatvereins FOTO: LR / Frank Claus

Förderbrücken – von der kleinsten bis zur größten; Persönlichkeiten der regionalen Industriegeschichte; Wie die Kohle einen Ort verändert hat, geschildert an der Gemeinde Tröbitz – in wetterfesten Büchern ist viel Spannendes nachzulesen. Der nachempfundene Bergbaustollen zeigt das „schwarze Gold“. Bald noch wirkungsvoller. „Wir wollen mit Licht- und vielleicht auch Geräuscheffekten noch tiefer eintauchen in die Zeit des Kohlebergbaus“, sagt Heidrun Matthes, die viele Mitstreiter an ihrer Seite weiß.

 Ohne Dampf keine Leistung – Kohle hat über Jahrhunderte entscheidend zum wirtschaftlichen Aufschwung beigetragen.
Ohne Dampf keine Leistung – Kohle hat über Jahrhunderte entscheidend zum wirtschaftlichen Aufschwung beigetragen. FOTO: LR / Frank Claus

Der letzte große „Ritt“ hat die gesamte Fläche noch attraktiver gemacht. „Innerhalb der Ausstellung wurde ein barrierefreier Rundweg geschaffen. Der Weg enthält auch spielerische Elemente. Neben verschiedenen Würfelspielen sind Kombinationen mit Quizfragen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden möglich, so unter anderem Würfeln nach Motiven bis zum Würfeln mit Quizfragen“, berichtet Heidrun Matthes stolz. Auch das bereits 2017 fertig gestellte Schachspiel bezieht sich mit seinen Figuren auf das Thema der Ausstellung. Außerdem wurden weitere Ausstellungselemente aufgestellt.

Und 2019? „Es gibt noch überall ein bisschen Feinschliff zu machen“, sagt die rührige Rentnerin und hat ein großes Ziel: Eine Publikation erarbeiten, mit der man noch wirksamer ins Marketing an Schulen aber auch bei touristischen Anbietern gehen kann. Der Eintritt soll frei bleiben.