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| 15:59 Uhr

Für eine Filmdokumentation
Versöhnender Austausch in Polen

 Ein deutsch-polnisches Erinnerungsfoto an die Begegnung vor dem Denkmal für die polnischen Opfer in Potulice.
Ein deutsch-polnisches Erinnerungsfoto an die Begegnung vor dem Denkmal für die polnischen Opfer in Potulice. FOTO: BR
Elsterwerda/Potulice. Dr. Gustav Bekker aus Elsterwerda hat sich um die Aussöhnung von Polen und Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg besonders verdient gemacht. Jetzt ist er erneut nach Polen gereist. Von Dr. Gustav Bekker

Es war für mich schon eine Überraschung, als mich im April Herr Alexander Landsberger aus München anrief und anfragte, ob ich bei der Erstellung einer Filmdokumentation über von Deutschen in Polen geleistete Zwangsarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg mitwirken könnte. Das Bayerische Fernsehen wolle einen diesbezüglichen Film senden. Da wir mit meiner Frau ohnehin einen Kultururlaub in Polen geplant hatten, sagte ich die Mitarbeit zu.

Doch zunächst verlebten wir unseren Urlaub im Osten Polens. Wir folgten den Lebensspuren des Josef Ignacy Kraschewski, der uns hier vor allem durch seine Sachsen-Trilogie „Gräfin Cosel“, „Brühl“ und „Aus dem Siebenjährigen Krieg“ bekannt ist. Unser Unternehmen wurde eine erlebnisreiche und beindruckende Reise durch die polnisch Kultur- und Naturlandschaft an der weißrussischen Grenze.

In der Weite dieser Landschaft am herrlichen Bug suchten wir einige Schlösser, Klöster und Kirchen auf. Wir bewunderten die Kulturschätze, insbesondere die für uns Mitteleuropäer ungewöhnliche Pracht der Ikonenaltäre in den Kirchen der Rechtgläubigen. Wer sich für farbenprächtige Holzkirchen und Holzhäuser interessiert, dessen Augen werden immer neue Perlen dieser Holzarchitektur in den Dörfern am Bug finden. Die Menschen hier sind hilfsbereit, gastfreundlich und uns Deutschen gegenüber sehr aufgeschlossen.

Auf der Rückreise durchfuhren wir die Stadt Wegrow und besuchten hier das prächtige Schloss, das einst Franziska Krasinska-Wettin, der Schlossherrin von Elsterwerda (1776 – 1796), gehörte. Übrigens können Sie im Hotel „Everest“ dieser Stadt dem polnischen Faust, genannt Twardowski, begegnen. Er soll Napoleon auf seinem Zug nach Moskau die Vernichtung seiner Armee vorausgesagt haben.

Zum Schluss unserer Reise fuhren wir nach Naklo n. Not. (Nakel an der Netze), der Partnerstadt von Elsterwerda. Hier erwartete uns das bayerische Filmteam im Ortsteil Potulice. Nun begann die schwere Arbeit einer wahrheitsgetreuen Filmdokumentation über das Thema Zwangsarbeit im polnischen Arbeitslager Potulice. Da wir uns schon seit 20 Jahren um die deutsch-polnische Aussöhnung bemühen, zogen wir auch polnische Zwangsarbeiter zur umfassenden und wahren Erstellung der Filmdokumentation hinzu. Das Treffen mit den polnischen Zwangsarbeitern wurde so zu einer herzlichen, interessanten und versöhnenden Begegnung.

Das Filmteam erstellte die Dokumentation in Potulice, im Museum der Stadt Naklo n. Not., im Staatsarchiv in Bydgoszcz und an den Denkmälern für die polnischen und deutschen Lageropfer.

Beim Blick in die Geschichte dürfen wir die von deutschen Frauen nach Kriegsende geleistete Zwangsarbeit nicht vergessen. So ist auch das Arbeitslager Potulice, das von 1941 bis 1945 für Polen und von 1945 bis 1949 für Deutsche existierte, ein trauriges Kapitel der europäischen Nachkriegsgeschichte. Jahrelang leisteten hier in verschiedenen Werkstätten des Lagers, auf den Potulice umgebenden Gütern und bei polnischen Bauern deutsche Frauen, so auch meine Mutter, Zwangsarbeit als Kriegsreparation, ohne später einen Pfennig der Entschädigung zu erhalten.

An unserer deutsch-polnischen Begegnung ehemaliger Zwangsarbeiter nahmen auch der Stellvertretende Bürgermeister unserer Partnerstadt und zwei weitere Mitarbeiter teil. Herr Krzystof Blonski gedachte der unzähligen Toten beider Nationen und bat uns, partnerschaftlich im vereinten Europa nach vorn zu schauen.

Den Bürgern vom Elsterwerda wünschte er Gesundheit und Wohlergehen und er würde sich freuen, unsere Bürgermeisterin Frau Anja Heinrich und weitere Bürger aus Elsterwerda in Polen noch in diesem Jahr begrüßen zu können.

Dem Filmteam um Regisseur Alexander Landsberger gebührt Dank für die Aufarbeitung eines traurigen und schwierigen Themas der europäischen Nachkriegsgeschichte.