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| 16:19 Uhr

Handwerk im Landkreis Elbe-Elster
Handwerker sind begehrt wie lange nicht

Der Schradener Ortsvorsteher Olaf Redlich mit der Ansicht für das künftige Dorfgemeinschaftshaus. Der Umbau verzögert sich.
Der Schradener Ortsvorsteher Olaf Redlich mit der Ansicht für das künftige Dorfgemeinschaftshaus. Der Umbau verzögert sich. FOTO: Frank Claus
Elbe-Elster. Die Resonanz auf die von Kommunen ausgeschriebenen Leistungen für das Handwerk wird immer dürftiger, je näher die Saison rückt. Und es wird teilweise deutlich teurer. Von Manfred Feller

Mit den höheren Temperaturen sinkt die Anzahl der Angebote auf Ausschreibungen für Bau- und Handwerksleistungen, steigen oftmals die Preise und muss manch ein Projekt gar später gestartet werden, weil sich niemand meldet. Viele Firmen sind jetzt schon ausgelastet bis über beide Ohren. Wer jetzt als Bauherr etwas möchte, guckt unter Umständen in die Röhre.

Viele Kommunen sehen einen Trend, der sich mit den Jahren immer mehr zuspitzt. Marcus Radlach, Sachbearbeiter Hoch- und Tiefbau in der Amtsverwaltung Plessa, muss nicht lange überlegen, um ein Beispiel zu finden. Im zweiten Halbjahr 2017 wurde der Rohbau (An- und Umbau) des Dorfgemeinschaftshauses in Schraden ausgeschrieben. „Wir hatten keine Bewerber und mussten im Herbst erneut ausschreiben. Beteiligung und Preis waren dann gut“, sagt er. Der vorbereitende Abriss - unter anderem des Zwischentraktes - läuft.

Das Gesamtprojekt kostet rund 452 000 Euro. Über das Leader-Programm für die ländliche Entwicklung wird zu 75 Prozent gefördert.

„In den letzten Jahren stellen wir zunehmend fest, dass sich erst zum Winter hin mehr Bewerber melden und es deutlich günstiger wird. In der Saison wird es so teuer, dass wir eine Maßnahme dann lieber verschieben“, ergänzt er. Falls dies aufgrund des begrenzten Förderzeitraumes überhaupt möglich ist.

Marcus Radlach sieht momentan nur eine Möglichkeit, um aus diesem Dilemma herauszukommen: Verwaltung und kommunale Parlamente sollten den Haushalt für das Folgejahr noch im alten Jahr aufstellen und beschließen, damit zügig ausgeschrieben werden kann. Allerdings müsste auch das Land Förderbescheide zeitiger ausreichen.

Zwischen der Villa der Kindertagesstätte „Schmetterling“ in Falkenberg und dem Flachbau im Hintergrund, der inzwischen ein Spitzdach erhalten hat, soll ein Verbindungsbau entstehen. Doch auf die Ausschreibung für die Bauhauptleistungen hatte sich lediglich eine Firma gemeldet.
Zwischen der Villa der Kindertagesstätte „Schmetterling“ in Falkenberg und dem Flachbau im Hintergrund, der inzwischen ein Spitzdach erhalten hat, soll ein Verbindungsbau entstehen. Doch auf die Ausschreibung für die Bauhauptleistungen hatte sich lediglich eine Firma gemeldet. FOTO: Sylvia Kunze

Die Kommunen stünden im Wettbewerb um die Bau- und Handwerkerleistungen durchaus auch mit den privaten Hauseigentümern und Häuslebauern. Das günstige Baugeld lockt zum Ausgeben.

Wenn Verwaltungen ahnen, dass die Resonanz auf eine Ausschreibung saisonbedingt ausbleiben oder gering werden könnte, werden regionale Firmen persönlich darauf hingewiesen, sich das doch mal wenigstens anzusehen. „Manche haben es aufgrund ihrer Auftragslage nicht nötig zu gucken“, stellt Marcus Radlach fest.

Plessa musste zum Beispiel für die Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten an dem neuen Mehrzweckgebäude an der Grundschule wegen der in Aussicht gestellten Förderung in die beschränkte Ausschreibung mit öffentlichem Teilnahmewettbewerb gehen. Die Zeit war günstig. Der Auftrag konnte im Dezember vergeben werden. Jetzt sähe es wahrscheinlich sehr schlecht aus. Für die später ausgeschriebenen Lose Elektro, Heizung, Sanitär und jetzt Trockenbau und Akustik meldeten sich schon weniger Anbieter.

FOTO: Marco2811 / fotolia

Ganz schwierig werde es mit dem Umbau der alten Schule mit Bibliothek in Hohenleipisch zum Gemeindezentrum. Der Fördergeldbescheid sei immer noch nicht da. Planung, Ausschreibung und Ausführung müssen warten. Ob daraus während der beginnenden Bau-Hoch-Zeit noch etwas wird? Notwendig sind Bauleute (Fassade, Mauerwerks- trockenlegung), Zimmerer, Dachdecker, Fußbodenleger, Tischler, Trockenbauer, Elektriker, Heizungsbauer, Installateure und Maler. Alle haben zu tun. Niemand wartet auf Hohenleipisch.

In der Stadt Falkenberg sieht es ähnlich aus. Die Kita „Schmetterling“ soll zwischen der Villa und dem ehemaligen Flachdachgebäude einen Verbindungsbau erhalten. Die dafür notwendigen Bauhauptleistungen wurden auf dem Vergabemarktplatz Brandenburg und auch auf der Internetseite der Stadt publiziert. Landesweit Hunderte Firmen, auch die benachbarten Sachsen, hätten zugreifen können. „Daraufhin bekamen wir aber nur ein Angebot. Hätten wir noch einmal ausgeschrieben, wäre es jetzt noch schwieriger geworden“, weiß Bauamtsleiterin Gundula Manigk. Unter diesen Umständen gestalten sich Bietergespräche mit Preisverhandlungen natürlich schwierig.

Einschließlich des Daches vom Flachbau und der Rettungstreppe an der Villa sollte das Gesamtprojekt rund 600 000 Euro kosten. Gundula Manigk weiß schon jetzt, dass es teurer wird. Ein Nachschlag Fördergeld und Eigenmittel sei notwendig.

Sie hat festgestellt, dass Handwerksbetriebe zu oft schließen, weil es keine Nachfolge gibt. „Und es kommen keine nach“, bedauert sie. Die Elektroarbeiten für die Kita seien gar zweimal ausgeschrieben worden. Beim ersten Mal hätten drei Firmen die Unterlagen aus dem Internet heruntergeladen. Reaktion: null! Beim zweiten Versuch kamen drei, jedoch teurere Angebote. Ende Oktober soll der Zwischenbau fertig sein.

Weniger Probleme habe es bei der Kita-Erweiterung für etwa 200 000 Euro (Bau und Ausstattung) in Großrössen gegeben. Dafür drängt die Zeit bei der Astrid-Lindgren-Grundschule in Falkenberg. Dort wird das Projekt „Gemeinsames Lernen“ verwirklicht. Geplant sind Anbau, behindertengerechter Umbau und neue Funktionsräume. Der Förderbescheid wird im April erwartet. Erst dann kann ausgeschrieben werden. „Wir müssen wegen des Fördergeldes 2018 starten und im nächsten Jahr fertig werden“, macht die Bauamtsleiterin Druck.

Ein Vorteil in Falkenberg seien die Doppelhaushalte. Jener für 2018/19 wurde im März beschlossen. Damit liege die Stadt bei den Investitionen insbesondere für das kommende Jahr gut im Rennen - wenn das Warten auf die Förderbescheide nicht wäre.

Anscheinend bangt nicht jede Stadt vor einer Ausschreibung von Handwerksleistungen. Derzeit habe Finsterwalde damit jedenfalls kein Problem, teilt die Pressestelle nach Rücksprache im Fachbereich Bauen, Stadtentwicklung und Verkehr mit. „Als Stadt bemühen wir uns, anstehende Investitionen und Baumaßnahmen bereits langfristig zu kommunizieren, beispielsweise beim Unternehmertreffen der Stadt und in den Stadtverordnetenversammlungen“, so Sprecherin Paula Vogel. Auf die zu erwartenden Ausschreibungen stellen sich die Handwerksbetriebe dann rechtzeitig ein.