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| 13:47 Uhr

Ein Merzdorfer erklimmt unglaubliche Höhen
Treppenlauf bis über die Wolken

Ausdauersportler Peter Oßendorf (7. v. l.) aus Merzdorf inmitten der Extremtreppenläufer aus drei Ländern in Hannover.
Ausdauersportler Peter Oßendorf (7. v. l.) aus Merzdorf inmitten der Extremtreppenläufer aus drei Ländern in Hannover. FOTO: privat
Merzdorf. Peter Oßendorf aus Merzdorf hat sich einem Wahnsinnsmarathon in Hannover gestellt und diesen fast geschafft. Von Manfred Feller

Wie verrückt muss man sein, um sich das zuzumuten: 42,95 Kilometer nicht auf ebener Strecke, sondern in einem Hochhaus hinauf und hinabzulaufen. Das waren beim 4. Vertical-Marathon kürzlich in Hannover nicht weniger als irrwitzige 7333 Höhenmeter oder 83 808 Treppenstufen. Oder noch anders ausgedrückt: Jene Ausdauersportler, die durchgekommen sind, bewältigten bei 194 Auf- und Abstiegen sagenhafte 5044 Etagen. Das Zeitlimit lag bei 15 Stunden.

Wer als Untrainierter schon einmal fünf Etagen im Eiltempo hinaufgestiefelt ist, der weiß sehr genau, dass die Luft dort oben sehr knapp werden kann. Kein Problem für Peter Oßendorf aus der Gemeinde Merzdorf im Schradenland. Der Ultra-Ausdauerathlet gehörte zu dem elitären, ausgewählten Kreis von 25 Treppensprintern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich dieser wahnsinnigen Herausforderung stellen durften. „Voraussetzungen für die Bewerbung im vorigen Jahr waren unter anderem ein gelaufener Marathon unter drei Stunden, ein Ultralauf über mindestens 50 Kilometer und ein längerer Treppenlauf“, erläutert Lebensgefährtin Nicole Schneider.

Es komme selten vor, aber diesmal hatte der durchtrainierte, 1,85 Meter große Mitvierziger, der mit einem Wettkampfgewicht von immerhin 90 Kilogramm angetreten war, Pech. Eine Verletzung zwang ihn in Hannover zur vorzeitigen Aufgabe.  Nach 130 Runden war Feierabend. Aber auch dahinter steht eine respektable Leistung von mehr als 56 000 Treppenstufen, etwa 4900 Höhenmetern und fast 29 Kilometer Laufleistung.

Das tut weh: Peter Oßendorf beim Training in den Grödener Bergen.
Das tut weh: Peter Oßendorf beim Training in den Grödener Bergen. FOTO: privat

Damit belegte Peter Oßendorf Platz 19. Nur 14 Starter schafften die kompletten 194 Auf- und Abstiege in dem Hochhaus. Der Sieger André Weinand (Altersklasse 40) von der LG Ultralauf aus der Pfalz brauchte zehn Stunden, 13 Minuten und eine Sekunde. Die beste Frau war Dr. Gabriele Hirsemann (AK 55) von der Eintracht Hildesheim mit etwas mehr als elf Stunden. Es waren allesamt nicht die ganz jungen Teilnehmer dabei.

Peter Oßendorf hatte im Herbst erfahren, dass er im Februar starten darf. Es begann das knochenharte Training auch in den heimatlichen Grödener Bergen mit unendlich vielen Stufenläufen hinauf zum Heidebergturm. Kraft und Kondition sind für einen Treppenwettbewerb notwendig. Die Ausdauer holt er sich auch bei den verschiedenen Volksläufen, wie beim Frostwiesenlauf in Burg, beim Schneeglöckchenlauf in Ortrand, beim Spreewaldmarathon, beim Elsterlauf in Bad Liebenwerda oder bei den Läufen in Großthiemig und Gröden.

Schnappschuss vom Merzdorfer beim Treppenmarathon 2018.
Schnappschuss vom Merzdorfer beim Treppenmarathon 2018. FOTO: privat

Neben der Familie unterstützen ihn auch seine Sportfreunde. Zum Beispiel David Döring und Frank Wilhelm aus Elsterwerda oder Maik Eisleben aus Großkmehlen und Volker Heine aus Gröditz. „Diese Jungs sind einfach klasse. Immer finden wir neue Trainingsstrecken. Gemeinsames Laufen macht viel Spaß“, versichert Peter Oßendorf.

Genauso wichtig wie die körperliche Fitness ist die Ernährung. „Im Alltag essen wir als Familie ganz normal“, verrät Lebensgefährtin Nicole Schneider. Vor Wettkämpfen werde ballaststoffreich mit viel Obst und Gemüse gegessen. Hinzu kommen Fisch und weißes Fleisch sowie Nudeln und Kartoffeln. Um sich an die verdauungsfreundliche Häppchen- ernährung während der großen Läufe zu gewöhnen, wird die Anzahl der Mahlzeiten in den letzten beiden Wochen bei minimalen Portionen von vielleicht 200 Gramm (eine Hand voll) erhöht.

Eine lange Verschnaufpause gönnt sich Peter Oßendorf nicht. Es geht verrückt weiter. Nächste Höhepunkte sind der ­Mount-Everest-Treppenmarathon in Radebeul über 24 Stunden (der Merzdorfer läuft n einer Dreierstaffel), der Schlosstriathlon in Moritzburg und die Ultralauf-Challenge über 84 Kilometer im Lebuser Land.

FOTO: Privat