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| 18:16 Uhr

Aus dem Gericht
Pulle am Lenkrad wird sehr teuer

Wer Alkohol trinkt und fährt, der riskiert seine Fahrerlaubnis. In Elbe-Elster gibt es wöchentlich mehrere neue Fußgänger.
Wer Alkohol trinkt und fährt, der riskiert seine Fahrerlaubnis. In Elbe-Elster gibt es wöchentlich mehrere neue Fußgänger. FOTO: Michael Helbig
Bad Liebenwerda. Fast täglich meldet die Elbe-Elster-Polizei, dass sie Alkohol- und Drogenfahrer gestoppt hat.

Wer Alkohol trinkt, dann fährt und erwischt wird, der landet in Elbe-Elster ziemlich schnell vor Gericht in Bad Liebenwerda. Am 5. Mai dieses Jahres wurde eine 55-Jährige aus Finsterwalde von der Polizei kontrolliert. Sie war mit dem Fahrrad unterwegs. Der Alkoholtest ergab stattliche 1,63 Promille. Der Verhandlung blieb die Frau in dieser Woche unentschuldigt fern. Doch dies schützt sie vor Strafe nicht. Ihr wird nun ein Strafbefehl zugestellt. Eine Geldstrafe wird das Mindeste sein.

Wie alle, die sich mit 1,6 Promille und mehr im Straßenverkehr bewegen, ob mit Motor-, Muskelkraft oder als Pferdekutscher, so hat auch die Radfahrerin eine Straftat begangen, die strafrechtlich verfolgt und gerichtlich geahndet wird, so Stefan Wagenmann, Amtsleiter Straßenverkehrsamt im Landkreis. Hat die Finsterwalderin eine Fahrerlaubnis, muss sie zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU), im Volksmund „Idiotentest“ genannt. Dieser kann so oder so ausgehen.

Zur MPU müsse auch, wer zweimal in zehn Jahren bei einer Verkehrskontrolle mit Alkohol im Blut auch etwas unter der 0,5-Promille-Grenze erwischt wird, obwohl er verkehrsmäßig nicht auffällig war. Er gelte als Wiederholungstäter. Wer darüber liegt, ist seinen Führerschein ohnehin erst einmal los. Die absolute Fahruntüchtigkeit beginnt bei 1,1 Promille.

„Wenn getrunken wird, dann richtig“, stellt Stefan Wagenmann fest. Das heißt, nicht wenige Alkoholsünder in Elbe-Elster haben mit 2,0 und mehr Promille am Steuer gesessen. Der Spitzenwert liegt bei 4,17 Promille. Alkohol im Straßenverkehr sei ein Dauerproblem. „Die Tendenz ist über alle Bevölkerungsgruppen hinweg ungebrochen“, stellt der Amtsleiter fest.

Bei den anderen Drogen oder auch dem Mischkonsum mit Hochprozentigem sehe es nicht anders aus. Die meisten Erwischten im Straßenverkehr konsumieren die gefährliche synthetische Droge Crystal Meth. Wer ertappt wird, komme um die MPU nicht umhin, weil die Kraftfahreignung infrage gestellt wird. Und wer am Wochenende eine Droge konsumiert, muss am Montag nicht unbedingt klar im Kopf sein. Im Falle einer Kontrolle ist die Fahrerlaubnis sofort weg.

„Im Landkreis Elbe-Elster wurde durch die Fahrerlaubnisbehörde im Jahr 2017 insgesamt 31-mal der Führerschein entzogen und dieser 43-mal versagt. Darin sind nicht die Entzüge enthalten, die durch die Gerichte oder durch andere Behörden, zum Beispiel die Staatsanwaltschaft, ausgesprochen wurden“, so Stefan Wagenmann. Am Amtsgericht in Bad Liebenwerda werden fast jede Woche mehrere Alkohol- und Drogensünder, die im Straßenverkehr unterwegs waren, verurteilt.

Laut der Polizeistatik wurden im Jahr 2017 genau 53 Verkehrsunfälle unter Alkohol und/oder Drogen verursacht. Außerdem wurden 84 Alkoholfahrer (Tendenz fallend) und 60 Drogenfahrer (Tendenz deutlich steigend) aus dem Verkehr gezogen. Nicht wenige dürften unentdeckt auf Achse gewesen sein.

Wie hoch der Prozentsatz der Erwischten im Vergleich zu allen Fahrerlaubnisinhabern ist, lässt sich nach Angaben des Straßenverkehrsamtes nicht sagen, weil die Anzahl der aktuellen Inhaber nicht statistisch erfasst wird. „Dies ist darin begründet, dass es keine Mitteilungspflicht gibt, wenn ein Fahrerlaubnisinhaber seinen Wohnsitz oder seinen Namen ändert. Zudem sind Führerscheine aus DDR-Zeiten nicht registriert“, erläutert Stefan Wagenmann. Eine Zahl kann er jedoch nennen: Zwischen dem 1. Januar 1994 und dem 31. Dezember 2017 wurden im Landkreis 103 901 Führerscheine erteilt - die Abgänge nicht abgerechnet.

Und dann gibt es Personen, die keine Fahrerlaubnis mehr haben, und trotzdem motorisiert unterwegs sein wollen. Wie eine 31-Jährige aus Rückersdorf. Sie saß 2014 im Drogenrausch am Lenker. Die Fahrerlaubnis wurde ihr entzogen. Trotzdem setzte sie sich hinter das Steuer und wurde mehrfach erwischt. Deswegen und aufgrund anderer Straftaten, wie Computerbetrug, Körperverletzung und Diebstahl, war sie bereits mit Geldstrafen bedacht worden. Auch sie hielt es diese Woche  nicht für erforderlich, vor Gericht zu erscheinen. Für die jüngste Tat ergeht ein Strafbefehl über 240 Tagessätze zu je 15 Euro. Hinzu kommt eine zwölfmonatige Fahr- erlaubnissperre. Die Frau kann widersprechen.