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Interview mit Frank Neubert
Auf vollbusiger Fußballerin weich gelandet

Ex-Schiedsrichter Frank Neubert aus Hosena liest aus seinem Buch
Ex-Schiedsrichter Frank Neubert aus Hosena liest aus seinem Buch FOTO: Manfred Feller / LR
Elsterwerda. Der Ex-Gröditzer und -Elsterwerdaer Frank Neubert liest am Freitag in der Stadtbibliothek aus seinem Buch „40 Jahre Schwarze Sau“.

In Ihrem Buch lästern Sie als ehemaliger Fußballschiedsrichter  ganz schön über andere. Mal ehrlich: Wie viele Partien haben Sie derart verpfiffen, dass der Spielausgang beeinflusst worden ist?

Neubert Ganz ehrlich – einmal. Mir ist mal ein schlimmer Fehler in Ort- rand passiert. Ein Blackout. Ich habe einen Strafstoß gegen Laubsdorf gegeben, obwohl der Ortrander Sportfreund Löffler den Ball selbst mit der Hand im Strafraum gespielt hat. Somit kam Ortrand zum 2:2-Ausgleich. Laubsdorf hätte sicher gewonnen. Ich habe mich nach dem Spiel entschuldigt. Das war dennoch großer Mist.

Welche war die höchste Liga, in der Sie gepfiffen haben und welche Liga hätten Sie sich zugetraut, wenn man Sie hätte gelassen?

Neubert Ende der 70er-Jahre durfte ich als ganz junger Schiedsrichter bereits in der höchsten Spielklasse im damaligen Bezirk Dresden Spiele leiten. In der DDR war das die 3. Liga. Vielleicht hätten meine Leistungen auch für die nächsthöhere Spielklasse gereicht. Nach der politischen Wende hätte ich mir auch die Oberliga zugetraut, leider wäre der zeitliche Aufwand, dann auch als Assistent mal nach Wismar, Wolfsburg oder Rostock zu fahren, einfach zu hoch gewesen.

Haben Sie schon mal einen Spieler vom Platz gestellt, der zwar äußerst unangenehm war, aber nichts Ahndungswürdiges angestellt hatte?

Neubert Ja. Im Buch „Schwarze Sau“ gibt es eine Episode, in der ein Spieler in Wülknitz vom Platz gestellt wurde, der eigentlich gar nicht gefoult oder gemeckert hatte. Der Akteur war aber reichlich angetrunken und erhielt nach der Einwechselung zur Sicherheit für die anderen Akteure gleich nach der ersten Körperberührung die rote Karte.

Gerüchte sagen, dass am Ende einer Saison vor allem in den unteren Klassen gern geschummelt wird. Die eine Elf will nicht aufsteigen und die andere braucht noch Punkte. Merkt das ein Schiri?

Neubert Es gab schon mal Spiele, bei denen ich festgestellt hatte, dass die Luft raus ist. Dann wurde auch weniger gefoult oder gegen die Schiri-Entscheidungen gemosert. In Kraupa wurde zu DDR-Zeiten schon mal ein Fass vom begehrten „Wernesgrüner Pils“ in die Gästekabine gerollt, wenn es am Tabellenende für die Gastgeber knapp wurde.

Sind Sie – aus welchem Grund auch immer – schon einmal bedroht oder bestochen worden, damit Sie ein Spiel beeinflussen?

Neubert Bedroht nie, bestochen auch nicht. Ganz selten hat man uns ein besonders üppiges Abendbrot nach dem Spiel versprochen, wenn die Heimmannschaft gewinnen sollte. Es war dann aber auch nur die übliche Bockwurst.

Welche Mannschaften und Spieler sind Ihnen noch in guter Erinnerung und warum?

Neubert Sehr gern habe ich Spiele im Landesverband Sachsen gepfiffen. Dort sind wir fast immer sehr anständig behandelt worden. Auch in Herzberg, Mühlberg, Falkenberg oder Guben und Ludwigsfelde waren die Funktionäre und Schiri-Betreuer absolut freundlich und fair. Die besten Zuschauer gab es in Prettin in Sachsen-Anhalt. Die haben sogar bei den Freistoßpfiffen gejubelt und uns angefeuert.

Wenn Sie noch Schiri wären: Wo möchten Sie nie wieder eine  Spielleitung übernehmen und warum?

Neubert In meinem Buch sind da auch einige Beispiele zu lesen. Die Schiedsrichtereinsätze in der Landesliga in Tettau waren wirklich nur ganz selten ein Vergnügen. Und der damalige Ortrander Torwart  Raak war in Sachen Unsportlichkeit unerträglich, scheint auch heute noch ein Schiedsrichter-Hasser zu sein. Auch das kann man im Buch nachlesen.

Sind Sie bei einem Spiel schon einmal verletzt worden?

Neubert Nein. Nur einmal bin ich auf eine Damenfußballerin „aufgelaufen“, lag auf dem Rasen und auf ihr, direkt auf der Oberweite. Die Brille und die Trillerpfeife waren weg, aber die Zuschauer begeistert. Nachdem ich auf allen vieren von der Sportlerin heruntergekrabbelt war, hat sie noch lautstark nachgefragt, ob ich mich verletzt hätte. Das steht natürlich ausführlich in der „Schwarzen Sau“.

Wer steht im nächsten Jahr im Fußball-WM-Finale und wer wird Weltmeister?

Neubert Portugal gewinnt überraschend das Finale gegen Brasilien.

Welche ist Ihre Lieblingsmannschaft ganz unten und ganz oben?

Neubert Nachdem ich den Westberliner Radiosender RIAS 1971 erstmals empfangen konnte, freute ich mich über Siege von Hertha BSC – bis heute. Beim HSV wundere ich mich über jede überstandene Relegation.

Dynamo Dresden hat in der Lausitz und in Elbe-Elster viele Fans. Hält die Elf die 2. Liga?

Neubert Die Dresdener werden eine bessere Rückrunde spielen und am Ende gut im Mittelfeld landen.

Steigt Energie Cottbus auf? Was sagen Sie zu dem umstrittenen Aufstiegsprozedere in der Regionalliga?

Neubert Klar steigt Cottbus auf. Die jetzige Regelung ist absolut unfair. Jeder Regionalligameister sollte nach den 34 erfolgreichen Punktspielen einfach aufsteigen – fünf Mannschaften rauf – fünf aus der 3. Liga runter! Wo ist das  Problem?

Was halten Sie von RB Leipzig?

Neubert In Leipzig wird eine überragend gute Nachwuchsarbeit in einem überragend ausgebauten Leistungszentrum geleistet. Daran sollten sich alle Bundesligamannschaften und Fans orientieren. Jene Fußballfreunde, die diesen Konzernclub kritisieren, sitzen in Hoffenheim, Hamburg und München selbst im Glashaus. Ich sage: Endlich wird im Osten wieder guter Fußball auf höchstem Niveau angeboten und gespielt.

Besuchen Sie selbst Fußballspiele?

Neubert Selten. Ich habe durch meine Arbeit, das Buchschreiben und meine Modellbahnleidenschaft wenig Zeit. Auf dem Sportplatz beneide ich hin und wieder schon die dort tätigen Schiedsrichter.

Waren Sie einst selbst ein guter Fußballspieler?

Neubert Gut eher nicht. Ich habe mal in einer Dresdener Lehrlingsmeisterschaft im Endspiel das goldene Tor geschossen und direkt danach auf dem Karrierehöhepunkt die aktive Laufbahn am Ball beendet.

Haben Sie noch lustigen Lesestoff für ein zweites Buch?

Neubert Bei den Lesungen gibt es bereits zwei Kapitel, die nach dem Erscheinen meines Buches entstanden sind. Den Gästen gefallen die zusätzlichen Geschichten, da kommt bestimmt noch was. Mein  allererstes Werk ist allerdings ein Lehrbuch für Hochschulen und Unis, das vom Springer/Gabler Verlag 2016 gedruckt wurde. Das nächste Buch wird mit Erfahrungen und wieder tatsächlichen Erlebnissen – dann aus der Wirtschaftsförderung im öffentlichen Dienst – zu tun haben.

Wer sollte sich dann davor fürchten?

Neubert Nur die „Verhinderungsbehörden“.

Wie sind Ihre bisherigen Fußballbuch-Lesungen gelaufen?

Neubert Überraschend gut. Jedenfalls haben das die Veranstalter und Bibliothekarinnen gesagt. In Hoyerswerda wurden sogar zwischen den Lachsalven weitere Zugaben gefordert. Es gibt ja bei den Lesungen auch kein stures Vorlesen. Ich bringe auch die einmaligen Schiedsrichter-Karten in Blau und Schwarz mit und stelle Situationen nach. Die Zuschauer dürfen sich auf eine gute Unterhaltung freuen.

Gibt es weitere Anfragen?

Neubert Neben zwei Firmenveranstaltungen darf ich noch 2017 bei diversen Schiedsrichter-Weiterbildungen im Land Brandenburg auftreten. Am 17. Januar gibt es einen lustigen Leseabend in Gröditz, später dann noch in Bautzen und Königs Wusterhausen.

Mit Frank Neubert
sprach Manfred Feller