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Auf den richtigen Ton kommt es an

Passend zur kalten Jahreszeit stehen bei Beatrix Freiwald jetzt vor allem Geister, Schneemänner und Elche in der Werkstatt.
Passend zur kalten Jahreszeit stehen bei Beatrix Freiwald jetzt vor allem Geister, Schneemänner und Elche in der Werkstatt. FOTO: Anja Brautschek
Horst. Der Kreativmarkt in Plessa ist mittlerweile auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Rund 50 Kunsthandwerker zeigen am 5. November ihre Unikate. Viele davon sind schon seit Jahren dabei. Die RUNDSCHAU stellt in loser Reihenfolge einige der kreativen Köpfe vor. Heute: Beatrix Freiwald aus Horst. Anja Brautschek

Betritt man den Ausstellungsraum von Beatrix Freiwald in Horst bei Schönewalde, so bekommt man schnell gute Laune. Kleine Schneemänner, Elche, Schweine und Mäuse lächeln einen vergnügt an. Die Mütze des Nikolauses streckt sich raffiniert in die Höhe. Auch verspielte Windlichter, die wie kleine Häuser aussehen, sind zu finden. Alles hat Beatrix Freiwald in mühevoller Handarbeit aus Ton gefertigt, glasiert und gebrannt. Dabei ist sie eher zufällig zum Töpfern gekommen. Während eines Kuraufenthaltes hat sie die Technik erlernt und ist seitdem nicht mehr davon abgekommen. "Ich habe als Kind zwar gerne mit Knete oder Lehm gespielt, aber ohne die Kur hätte ich wahrscheinlich nie das Töpfern für mich entdeckt", sagt Beatrix Freiwald. Vor allem die Formbarkeit und die unendlichen Gestaltungsmöglichkeiten des Tons faszinieren die 64-Jährige.

Seit fast 20 Jahren formt sie Figuren, Vasen, Teller oder Tassen aus dem Material. Dabei wird keine Drehscheibe eingesetzt. Alles setzt sie per Hand zusammen. "Der Ton ist lebendig. Auch wenn ich dieselben Figuren herstelle, kommt doch immer etwas Neues heraus", erklärt sie ihre Leidenschaft. Das figürliche Arbeiten, also das Entwickeln von Gesichtern, Menschen oder Tieren aus Ton, macht ihr am meisten Spaß. Doch bis ein Prototyp für ein neues Wesen der Ton-Familie entstanden ist, kann es mehrere Monate dauern.

Dabei nutzt sie einfache Formen wie Kegel oder Kugeln und verziert sie mit kleinen Akzenten, um daraus einzigartige Kunstwerke zu fertigen. Und bei Beatrix Freiwald sitzt jeder Handgriff. Schnell setzt sie zwei Kugeln aufeinander. An die kleinere klebt sie zwei Tontropfen. Die größere verziert sie mit einer flauschigen Struktur. Schon hockt ein kleines Schaf auf der Werkbank.

"Für mich sind die einfachsten Formen und Werkzeuge die Besten", sagt sie. Um dem Ton den richtigen Schliff zu verpassen, setzt sie deshalb gern Teigschaber, Plätzchenausstecher oder Kugelschreiberhülsen ein. Bis zu 15-mal hat sie ein Werkstück in der Hand, bis auch der letzte Millimeter ihren Vorstellungen entspricht. "Für mich ist das sehr entspannend. Ich kann richtig die Seele baumeln lassen", sagt Beatrix Freiwald.

Ihre Erfahrungen und ihr Wissen gibt sie mittlerweile auch an interessierte Kinder und Erwachsene weiter. Beim Kreativmarkt in Plessa bietet sie ebenfalls seit vielen Jahren einen Töpferkurs an. Das Angebot war in den Vorjahren immer stark nachgefragt. "Die Teilnehmer können bei mir frei gestalten. Denn das fördert die Kreativität. Ich gebe dann Hilfestellung und Tipps", sagt die Hobby-Töpferin. Immer wieder ist sie fasziniert, wie konzentriert die Kinder beim Töpfern sind. "Manche versinken so richtig in die Arbeit. Und ich bin erstaunt, welche kreativen Ideen die Kinder haben."