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| 20:13 Uhr

Bedingungen sind ideal
Das Auerhuhn ist heimisch geworden

 Mit der Wildkamera aufgenommen: ein Auerhahn. Die Ringe belegen, es ist ein einst in Schweden gefangener.
Mit der Wildkamera aufgenommen: ein Auerhahn. Die Ringe belegen, es ist ein einst in Schweden gefangener. FOTO: LR / Naturpark
Bad Liebenwerda. Das Wiederansiedlungsprojekt des Auerhuhns im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft und in der Rochauer Heide gestaltet sich sehr erfolgversprechend. Die nächste Fangexpedition ist nach Schweden aufgebrochen. Von Frank Claus

Das sind sie, liebe Leser. Die ersten Fotos, die Ihnen die RUNDSCHAU von Auerhahn und Auerhuhn in freier Wildbahn zeigen kann. Dr. Alexander Zimmermann, der Projektleiter des Auerhuhnprojektes, hat inzwischen viele davon. Aufgenommen wurden sie mit mehreren Wildkameras. Überwiegend an „Huderstellen“.

Was das sind? Die RUNDSCHAU hat Lars Thielemann bei einem Kontrollrundgang in einem der Auswilderungsreviere begleitet und einen außerordentlich zufriedenen Chef des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft vorgefunden. Die Bedingungen für die Wiederansiedlung des Auerhuhns – der charakteristische Hühnervogel war um 1990 ausgestorben, eine letzte Henne wurde 1998 in der Rochauer Heide gesichtet – hier bei uns sind ideal. Lars Thielemann kommt ins Schwärmen, als an diesem Morgen das Sonnenlicht durch die Kiefern-, Eichen und Birkenzweige dringt. „Guck mal, so lieben es die Auerhühner. Weite Blaubeer- und Preiselbeerteppiche, sich abwechselnde dichte Gebüsch- und Waldbestände und dazwischen immer wieder helle Offenflächen.“

 So sehen ideale Bedingungen aus – aufgenommen im Naturpark.
So sehen ideale Bedingungen aus – aufgenommen im Naturpark. FOTO: LR / Frank Claus

Sogar die Stürme der vergangenen zwei Jahre befördern das Wiederansiedlungsprojekt. Die umgestürzten Bäume haben große Wurzelteller aus dem Erdreich gerissen und den darunter liegenden, sandigen Waldboden freigelegt. Den nutzen die Hühnervögel als „Huderstellen“, in denen sie Staubbaden, ihr Gefieder wechseln und die dringend benötigten kleinen Steinchen aufnehmen können. Ausgerechnet dort und oben auf diesen Wurzelstumpen sind mit Wildkameras bisher die meisten Aufnahmen gelungen.

 Eine Henne beim Staubbad im Naturpark.
Eine Henne beim Staubbad im Naturpark. FOTO: LR / Naturpark

Lars Thielemann ist vor allem den Mitarbeitern der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), von Bundes- und Landesforst, Revierförstern, Jägern aber auch vielen privaten Waldbesitzern dankbar. „Wir stoßen überall auf offene Ohren, wenn es darum geht, Forst- und jagdliche Maßnahmen auch ein stückweit unter dem Blickwinkel des Wiederansiedlungsprojektes durchzuführen“, sagt er. Die Wiederansiedlung des Charaktervogels und Wappentiers des Naturparks ist ohne Übertreibung auch zu einer Herzensangelegenheit geworden.

Dabei ist langer Atem nötig. Nachdem sich das Ausbrüten von Eiern, die Aufzucht in Volieren und das anschließende Auswildern als untauglich erwiesen haben – die Tiere haben in freier Wildbahn nicht lange überlebt – zeitigt der Fang in Schweden stetige Erfolge. Seit 2012 sind 339 Tiere in Schweden gefangen worden.

 Auch so etwas wird gefunden: Hier hat der Fuchs zugeschlagen.
Auch so etwas wird gefunden: Hier hat der Fuchs zugeschlagen. FOTO: LR / Frank Claus

Ganz sichere Nachweise gibt es momentan über 120 hier lebende Tiere. „Wir vermuten, dass es noch einige mehr sind, können das aber nicht exakt nachweisen“, sagt der Projektleiter. Denn geschummelt wird nicht. Der Nachweis der Tiere erfolgt über Ringe, einige wenige tragen noch Sender – vor allem aber über die Genetik.

Jedem einst freigelassenen Tier ist eine Feder entnommen worden. Mithilfe des Institutes für Zoo- und Wildtierforschung Berlin ist so inzwischen eine stattliche Gen-Datenbank entstanden. Jede Feder, die in freier Wildbahn gefunden wird – und das sind jede Menge – wird auf gleichem Weg „katalogisiert“. Allein daraus lässt sich ableiten, dass die Zahl der hier in Brandenburg ausgebrüteten Nachkommen inzwischen stetig wächst.

 Lars Thielemann kontrolliert sogenannte Huderstellen.
Lars Thielemann kontrolliert sogenannte Huderstellen. FOTO: LR / Frank Claus

60 Tiere dürfen pro Jahr in Schweden entnommen werden. Gerade wieder brechen zeitversetzt Fangteams nach Schweden auf. Noch 19 Tiere können in diesem Jahr gefangen werden. Die drei Fangcrews wollen vor allem Hähne fangen – eine besonders schwere Angelegenheit. Nächtelang liegen die Teams in freier Wildbahn in Erdkuhlen in Zelten. Die Hähne kommen bei Tagesanbruch von den Wipfeln der Bäume, in denen sie schlafen, zu den Balzplätzen. Dort wird versucht, sie mittels Fangnetzen zu überlisten. „Die Bedingungen gerade sind nicht einfach. Minus fünf bis ein Grad herrschen in Jämtland und Västerbotten und es hat begonnen zu schneiden“, berichtet Dr. Alexander Zimmermann.