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Anstelle Gesangsbuch Tischchen für den Glühwein

Jürgen Spillecke hat die Tischchen anfertigen lassen.
Jürgen Spillecke hat die Tischchen anfertigen lassen. FOTO: M. Claus/mcl1
Prösen. Traditionell wird auch in Prösen zu Jahresbeginn Bilanz gezogen – auf der Hausväterversammlung. Doch in diesem Jahr trafen sich die Einwohner dazu am Sonntag nicht im angestammten Gasthaus "Central", sondern in der sanierten Kirche. Mona Claus/mcl1

Die Gaststätte zog einfach mit. Glühwein, Kaffee, Bier und heiße Bockwurst waren im Angebot. Außerdem hatten Pfarrer Otto-Fabian Voigtländer und Annelie Spillecke dafür gesorgt, dass das Gotteshaus mit angenehmen Temperaturen einlud.

Pfarrer wie Kirchenratsmitglieder hatten alle wärmegebende Technik zusammengetragen, um die Kirche aus den Minusgraden zu führen. Die Besucher der Versammlung haben sich an der Heiz- und Stromkostenrechnung beteiligt. Der Pfarrer wollte keine Diskussion um die Kosten und bot an, die Rechnung aus dem eigenen Geldbeutel zu begleichen. Schließlich füllte er den Betrag von 162 Euro auf 200 Euro auf und freut sich das Geld für eine nächste halbe Sitzbankheizung in den Sanierungstopf geben zu können.

Als Erster durfte Ortsvorsteher Dr. Jürgen Spillecke ans Pult und begrüßte die fast 70 Besucher zu dieser "anderen Art des Neujahrsempfangs", wie er es sagte. Pfarrer Otto-Fabian Voigtländer gratulierte er zu seinem anerkannten Dienstverhältnis auf Lebenszeit, dankte Spendern und Unterstützern und zeichnete am Ende der Veranstaltung aktive Bürger aus. Von Zeit zu Zeit wies das Ortsoberhaupt darauf hin, auch das Engagement des Gastronomen zu würdigen und Bestellungen aufzugeben.

Was Koch und Kellner Rick Gehre vom "Central" anfangs mit sichtlicher Zurückhaltung absolvierte, lief während der 90-minütigen Veranstaltung immer reibungsloser. "Ich war noch nie in meinem Leben in der Kirche", ließ er noch verlauten und sorgte bei den Besuchern für ein verständnisvolles Schmunzeln.

Die über mehrere Bauabschnitte renovierte und sanierte Kirche stand an diesem Tag natürlich im Mittelpunkt. Aufgezeigt wurden die Investitionen, die Mühen anerkannt und das damit verbundende Ehrenamt gewürdigt. Ungewöhnlich muten dabei die 52 Bänkchen an. Der Ortsvorsteher ließ sie von Enrico Schleinitz zimmern. Dort, wo sonst die Gesangsbücher Halt finden, kippelt jetzt auch kein Glühwein mehr.

Auch diese Fakten über Prösen nannte Jürgen Spillecke: Mehr Frauen als Männer leben derzeit im Ort, insgesamt 1795. 1030 davon haben ihren 50. Geburtstag bereits hinter sich. Außerdem stehen zehn weiblichen und einem männlichen Neugeborenen 21 Sterbefälle gegenüber und 70 Wegzüglern 42 Zuzügler. Der Ortschef machte deutlich, wie sehr ihm das Wohl der Kinder des Ortes am Herzen liegt - führte die örtliche Kita ins Feld, schwärmte von der Grund- und der Oberschule und dem herrlichen Gelände dort mit Turnhalle, vom Hort ebenso wie von der Bibliothek und den drei Spielplätzen sowie den aktiven Vereinen. Den Mitarbeitern um diese Institutionen sprach er seinen Dank aus. Worte des Dankes gingen auch an die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr und im Besonderen an Ralf Jähnigen, der kürzlich das "Ehrenabzeichen im Brandschutz in Silber am Band" verliehen bekam.

Die kommunalpolitische Bilanz der Gemeinde Röderland (Prösen, Saathain, Haida, Würdenhain, Reichenhain, Stolzenhain, Wainsdorf) zog Bürgermeister Markus Terne. Fakten dazu, mehr zu Vorhaben im Jahr 2017 und Informationen über den Sanierungsstand der Kirche lesen Sie in der morgigen Ausgabe ausführlich.