| 18:16 Uhr

Kiesabbau
Annäherung beim Kiesgipfel

Brandenburgs Wirtschaftsstaatssekretär Hendrik Fischer (2.v.r.) besucht vorm Kiesgipfel im Rathaus die Elbekies GmbH.
Brandenburgs Wirtschaftsstaatssekretär Hendrik Fischer (2.v.r.) besucht vorm Kiesgipfel im Rathaus die Elbekies GmbH. FOTO: Frank Claus / LR
Mühlberg. In Mühlberg kommen Positionen knallhart auf den Tisch und werden sachlich abgewogen. Von Frank Claus

Von Friede, Freude, Eierkuchen ist die Debatte um den Kiesabbau in der Region Mühlberg noch immer weit entfernt. Diesen Wohlfühlzustand wird das Thema wohl auch nie erreichen. Zu unterschiedlich sind die Interessen – die der Tagebaubetriebe, der Landwirtschaft und der Bevölkerung, für die die Region Heimat ist. Und dennoch ist die gemeinsame Verständigung aller mit dem Kiesabbau beschäftigten Gremien ein weiterer Schritt zu mehr gegenseitiger Akzeptanz. Mit gut strukturierter Moderation haben Brandenburgs Wirtschaftsstaatssekretär Hendrik Fischer und die SPD-Landtagsabgeordnete Barbara Hackenschmidt den von ihnen initiierten „Kiesgipfel“ am Mittwoch im Mühlberger Rathaus geleitet. Dass sich zur Gesprächsrunde die geballte Führungsspitze des Landesbergamtes, Abteilungsleiter von Landesumweltamt und Wirtschaftsministerium an den südlichsten Zipfel des Landes Brandenburg aufmachten, ist zuallererst ein Verdienst der Bürgerinitiative „Für eine Heimat mit Zukunft“, deren Ziel es von Anbeginn ist, wirtschaftliche Interessen immer auch im Kontext zu denen der Einwohner zu betrachten. Carsten Maluszczak, der Leiter der Regionalen Planungsstelle Lausitz-Spreewald, hat die Runde geadelt: „Der Prozess, der zum Thema Kiesabbau in Mühlberg in Gang gesetzt worden ist, kann Vorbildwirkung für ähnliche Verfahren in Brandenburg haben.“

Staatssekretär Hendrik Fischer hat sich beim vorgeschalteten Betriebsbesuch bei der Elbekies GmbH einen Eindruck von den Dimensionen des Kiesabbaus verschafft. Ohne Umschweife hat Elbekies-Geschäftsführer Robert Finke in einer Präsentation die jetzigen Abbaufelder und künftige Vorhaben erläutert, eingestanden, dass Rekultivierung vernachlässigt worden sei, längst aber ein Umdenken stattgefunden habe. Anhand der geplanten Süderweiterung, betroffen ist ein etwa 40 Hektar großes Abbaufeld, wo gegenwärtig bereits hochwertiger Mutterboden abgeschoben wird, erläuterte er, wie eng mit der Landwirtschaft zusammengearbeitet werde. Schon während des Abbaus sollen Schutzmaßnahmen ergriffen werden, nach der Auskiesung ist festgelegt, Ackerflächen und Bruthabitate wiederherzustellen.

Auch der Abschlussbetriebsplan für das Werk IV sehe ganz konkrete Renaturierungsmaßnahmen vor. Dazu die Schaffung von Wander- und Reitwegen, einen Sportbereich für das Angeln und einen abgegrenzten Naturschutzbereich für die Tier- und Pflanzenwelt. Der Bürger­initiative solle dieses Dokument nun auch zugänglich gemacht werden. Klare Vorstellungen gibt es ebenso für die Nachnutzung des Werkes II, in dem jetzt noch gebaggert wird. Dort solle nicht nur eine Wasserfläche verbleiben. Geplant sei die Wiederherstellung von Flächen für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung, ein öffentliches Wegenetz mit Aussichtsplattform, eine Regattastrecke für die Ruderer und eine Inselwelt für Vogelkundler.

Robert Finke machte keinen Hehl daraus, dass perspektivisch im Werk V nochmals ein riesiger Kiestagebau entstehe. Schon jetzt sollen dort Wälle zur Lärmminimierung geschaffen werden. Auch technologisch sind Änderungen geplant. „Wir planen den Einsatz eines größeren Baggers, um künftig die Nachtschicht entfallen zu lassen und damit die Belastungen für die Bürger deutlich zu minimieren“, so Robert Finke. Er erklärte auch, dass Elbekies die Flächen bei Köttlitz erworben habe, dort aber keinen Kiesabbau plane.

Sigrid Käseberg und Uve Gliemann stellten für die Bürgerinitiative klar, dass der Kiesabbau dennoch zu erheblichem Flächenverzehr für die Landwirtschaft führen werde. Sie forderte von den Genehmigungsbehörden, vor allem die Summationseffekte aus allen in Planung befindlichen Vorhaben zu betrachten - vor allem hinsichtlich der Grundwassersituation und der damit einhergehenden Klimaveränderung.

Hans-Georg Thiem, Präsident des Landesbergamtes, versicherte, zuständige Genehmigungsbehörden nochmals zu sensibilisieren. Die Salami-Taktik des einzelnen Betrachtens von Vorhaben gehe nicht mehr, „hinterher ist die ganze Wurst weg.“

Kritisch sieht die Bürgerinitiative die im Planfeststellungsverfahren befindliche geplante Erweiterung des Abbaugebiets des benachbarten Berger-Kieswerkes. Dort sei ein Abbau rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche vorgesehen. Die beantragten Abbaugrenzen seien zu ortsnah, der geplante Gleisanschluss würde neben dem Abbaufeld weitere 21 Hektar Fläche verschlingen. 

Staatssekretär Hendrik Fischer mahnte die Firma sowie die Vertreter der Landwirtschaft und der Bürgerinitiative, dazu noch einmal Gespräche zu führen.