ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:15 Uhr

Tabuzone Kiessee Zeischa
Angler wollen wieder Fische fangen

Auch die Angler wurden ausgesperrt. Ernst Starke, Jürgen Richter und Frank Scharfenberg stehen vor dem verschlossenen Kiessee Zeischa.
Auch die Angler wurden ausgesperrt. Ernst Starke, Jürgen Richter und Frank Scharfenberg stehen vor dem verschlossenen Kiessee Zeischa. FOTO: LR / Manfred Feller
Zeischa. Seit etwa zweieinhalb Jahren dürfen die Petrijünger aus Bad Liebenwerda nicht mehr im Kiessee Zeischa angeln. Das Bergrecht steht dagegen. Warum eine zeitnahe Lösung nicht in Sicht ist. Von Manfred Feller

Der knusprige Sonntagsbraten ist fertig, duftet verführerisch, aber wir kommen nicht an ihn heran. Um satt zu werden, gibt es stattdessen eine Dose Ravioli.

So ähnlich geht es seit etwa zweieinhalb Jahren den rund 500 Mitgliedern des Angelsportvereins „Schwarze Elster“ Bad Liebenwerda. Der Pachtvertrag für den fischreichen Kiessee Zeischa war ihnen aus bergrechtlichen Gründen gekündigt worden. Seitdem halten sie - mehr oder weniger erfolgreich - die Rute vornehmlich in die ab Plessa ocker-bräunliche Elster (in der die Fische immer weiter flussabwärts ziehen) und in die Elbe. „Der Kiessee war unser Hausgewässer, besonders für die Arbeit mit den nun immer weniger werdenden Kindern und Jugendlichen im Verein wichtig und für die Rentner gut erreichbar“, schildert Jürgen Richter. Er war von 1995 bis 2010 Vorsitzender.

Seit der Wende habe der Verein Jungfische im Wert von rund 30 000 Euro eingesetzt. Der liefernde Fischereibetrieb habe nun das Nachsehen. Im Kiessee, der annähernd Trinkwasserqualität habe, in dem Pflanzen und Tiere beste Bedingungen vorfänden,  tummeln sich stattliche Fische vom Karpfen über den Aal und Zander bis zum Buntfisch. „Wir haben sogar Brutplätze für Zander geschaffen“, erwähnt Vereinsmitglied Ernst Starke. Der 81-Jährige zählt sich zu den Gründungsmitgliedern und war 15 Jahre Gewässerwart.

„Heute haben wir einen Überbesatz in dem See“, nimmt Jürgen Richter an. Nachsehen dürfen er und die anderen Petrijünger nicht, denn es gilt ein Betretungsverbot.  Dieses sei dem Verein nie ausgehändigt worden. Das Verfahren lief über Behörden und den Landesanglerverband.

Betretungsverbot, Zäune und Wurzeln versperren auch den Anglern den Weg.
Betretungsverbot, Zäune und Wurzeln versperren auch den Anglern den Weg. FOTO: LR / Manfred Feller

Seit genau 70 Jahren hegen und pflegen die Angler das beliebte, aber zu großen Teilen gesperrte Gewässer. In einem Jahr haben wir 52 Säcke Müll, den die Badenden hinterlassen haben, eingesammelt“, schaut Jürgen Richter zurück. „Unsere jahrzehntelange Arbeit ist hinfällig“, bedauert der langjährige Vorsitzende. Heimlich zu angeln, das komme nicht infrage. „Sonst ris- kieren wir bei den Kontrollen im Auftrag des Eigentümers unseren Fischereischein“, zeigt sich Jürgen Richter konsequent. Unterdessen würden sich anstelle der Angler Kormoran, Haubentaucher und Hecht über das fischreiche Nahrungsangebot freuen.

Der ehemalige Vorsitzende drängt darauf, dass sich der Landesverband intensiver in die Gespräche zur gewünschten Freigabe gesperrter Uferbereiche stark macht.

Dies tue er, versichert der Anglervereinsvorsitzende Horst Kummer aus Bad Liebenwerda, und informiere auf Nachfrage über den Stand der Dinge. „Deshalb halten wir als Verein die Füße still.“ Der Landesverband gehört für ihn in die Beratungsrunde mit Landesbergamt, Kurstadt und Grubeneigentümer.

Aus Sicht von Horst Kummer ist es unverständlich, warum der Kiessee vom Bergamt plötzlich gesperrt worden war. „Wir haben von Kindesbeinen an dort gebadet.“

Den Knackpunkt für eine baldige Freigabe einzelner Abschnitte sieht er in der notwendigen bergtechnischen Sanierung. Aus betrieblicher Sicht könne diese alsbald erfolgen, müsse aber nicht, so seine Einschätzung. Zu beachten ist jedoch, dass an dem See nach wie vor Kies gefördert wird, zum Beispiel für den derzeitigen Ausbau der B 101 zwischen Bad Liebenwerda und Elsterwerda. „Sicherheit geht vor“, sagt Horst Kummer. Aber es dürfe alles gern etwas schneller gehen.

Die Lösung sieht Bergwerksinhaber Mirko Schüring nur in einem Gesamtpaket und nicht in Teilfreigaben. „Wenn das Bergamt sagt, dass die Angler morgen wieder rauf können, dann setze ich mich mit ihnen zusammen und wir machen einen neuen Pachtvertrag“, sagt er. Er glaube aber an keine zügige Lösung.

Mit den Anglern, die sich auch um die Ordnung am Kiessee gekümmert haben, habe er nie ein Problem gehabt. Diese hätten auch stets ihre Pacht bezahlt. Folglich würde er sie gern wieder am See sehen.

„Uns ist die Lage bewusst“, sagt Torsten Schroschk, Abteilungsleiter beim Landesbergamt in Cottbus, zu den Forderungen der Badegäste und Angler. „Im Ergebnis der Beratung am 15. März in Bad Liebenwerda besteht zwischen den Teilnehmern Einigkeit, in einer kleineren Runde mit Stadt, Bergbauunternehmer und Landesbergamt und bei Erfordernis unter Hinzuziehung weiterer Partner wie Landkreis, Forst und Regionalplanung an einem mittelfristig zu erreichenden Gesamtkonzept zur Nachnutzung des jetzigen Kiessandtagebaues und zu dessen Umsetzung in Teilschritten zu arbeiten. Die zeitliche und räumliche Umsetzung in Teilschritten schließt auch das Angeln mit ein.“ Die Petrijünger dürfen also vorsichtig hoffen.