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| 16:58 Uhr

Aus dem Gericht Bad Liebenwerda
Vorbestraftes Betrügerpaar lässt Schöffengericht sitzen

FOTO: LR / Manfred Feller
Bad Liebenwerda . Wegen eines angeklagten schweren Diebstahls in Mühlberg erwartet die Sachsen Haft auf Bewährung. Von Manfred Feller

Wenn Angeklagte nicht erscheinen, was eher häufig als selten geschieht, dann hat das Gericht drei Möglichkeiten: einen neuen Termin ansetzen und die Person(-en) durch die Polizei vorführen lassen, einen Strafbefehl erlassen, wenn nicht mehr als ein Jahr Haft auf Bewährung in Aussicht steht, oder einen Haftbefehl erlassen.

Im Falle eines mutmaßlich diebischen Paares aus dem sächsischen Grimma entscheidet sich das Schöffengericht in Bad Liebenwerda unter Vorsitz von Richter Egon Schaeuble nach Beratung für je einen Strafbefehl mit dreijähriger Bewährungszeit, jeweils 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit, abzuleisten binnen vier Monaten und für je einen Bewährungshelfer.

Legen die Anwälte in Abwesenheit der Angeklagten Berufung ein, weil sie von deren Schuld nicht überzeugt sind, wird die Verhandlung neu angesetzt. Erscheinen die Personen erneut nicht, dann sollten die Strafbefehle gelten.

Der Frau und dem Mann aus Grimma wird vorgeworfen, ihren Vermieter in Mühlberg im Jahr 2016 bestohlen zu haben. Das Paar wohnte drei Monate mietfrei in einem Haus und soll sich vor seinem Abgang bedient haben. Aus einer aufgebrochenen Garage seien ein Essservice, wohl böhmische Vasen, Gläser und eine Urne mit der Asche eines Verstorbenen verschwunden. Der Gesamtwert wird vorsichtig auf 100 bis 200 Euro geschätzt.

Aus Sicht der Anwälte sei unklar, wer von den beiden was gestohlen hat und ob überhaupt etwas weggekommen sei, während die Staatsanwaltschaft aufgrund der Aktenlage einen hinreichenden Tatverdacht gegeben sieht. Weil die Garage mit Gewalt geöffnet worden sein soll, gilt dies als Diebstahl in einem besonders schweren Fall – selbst, wenn der Wert der Dinge nicht sehr hoch ist.

Bei dem Paar aus Grimma werden härtere Maßstäbe angelegt, da es schon einige Male vor Gericht stand. Sie hat drei Vorstrafen. Er ist zwölfmal vorbestraft. Beide unter anderem wegen gewerbsmäßigen Betrugs mit Urkundenfälschung. Darunter sei auch je eine Haftstrafe auf Bewährung gewesen. Auch diesmal droht eine vielmonatige Haftstrafe.

Das Schöffengericht, der Staatsanwalt und die Anwälte dürfen allerdings gespannt sein, ob die beiden Angeklagten zum nächsten Termin erscheinen.