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| 18:01 Uhr

Aus dem Amtsgericht Bad Liebenwerda
Drogenabhängiger Serientäter zu mehrjähriger Haft verknackt

Nach Auskunft seines Rechtsbeistandes haben erst die harten Drogen, wie hier von einem Kripobeamten sichergestelltes Crystal Meth, einen Kriminellen aus Tim T. gemacht.
Nach Auskunft seines Rechtsbeistandes haben erst die harten Drogen, wie hier von einem Kripobeamten sichergestelltes Crystal Meth, einen Kriminellen aus Tim T. gemacht. FOTO: Jens Schlueter / dpa
Bad Liebenwerda. Ein Sachse aus der Nähe von Torgau verübt in Falkenberg und Herzberg Straftaten. Er braucht Geld für seinen teuren Crystal-Meth-Konsum. Von Manfred Feller

Um seine starke Sucht nach der synthetischen Teufelsdroge Crystal Meth zu bedienen, hat Tim T. (Name geändert) skrupellos gestohlen und betrogen. Vom Schöffengericht in Bad Liebenwerda ist der mehrfach Vorbestrafte für eine lange Liste von Delikten, begangen unter anderem in Falkenberg und Herzberg, zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden.

Der 30-Jährige, der in der Nähe von Torgau wohnt, ist in Handschellen vor- und wieder abgeführt worden. Er sitzt in Berlin in Untersuchungshaft, weil er wohl in einer Arztpraxis versucht haben soll zu stehlen und ein Messer bei sich getragen haben soll. Unter Umständen erwartet ihn ein weiterer Prozess.

Vor dem Gericht in Bad Liebenwerda wirft ihm die Staatsanwaltschaft aus dem Jahr 2015 nicht weniger als 26 Straftaten vor: fünf Diebstähle, 20 Betrugshandlungen und eine Urkundenfälschung. So soll er aus dem Aufenthaltsraum eines Friseurgeschäftes in Falkenberg die Börsen mit Papieren und Geldkarten von zwei Mitarbeiterinnen gestohlen haben. Ebenso aus einem Auto. Zudem habe er sich in den Räumen von Bewohnern eines Altenheimes in Herzberg bedient. Es verschwanden Bargeld, Uhren und jede Menge Schmuck. Beim Durchsuchen der Wohnung des Angeklagten sei alles sichergestellt worden.

Doch zwischenzeitlich habe er mit den EC-Karten im Raum Herzberg und Oschatz eingekauft - bei Discountern, in einem Bekleidungsgeschäft, in Tankstellen und einer Drogerie. Der Gesamtschaden betrage etwa 1144 Euro. Das Verlesen der mehrseitigen Anklage dauert viele Minuten.

Im Namen seines Mandanten sagt Rechtsanwalt Ingo Stolzenburg, dass die Anklagepunkte so stimmen. Auf die Vernehmung von Zeugen kann daraufhin verzichtet werden.

Nach Auskunft des Rechtsbeistandes haben erst die harten Drogen aus Tim T. einen Kriminellen gemacht. Dem vorausgegangen seien schwierige familiäre Verhältnisse, Schicksalsschläge und schließlich Arbeitslosigkeit.

Mit seinem Bruder sei er bei seiner Oma aufgewachsen. Als diese 2001 verstarb, sei dies ein schwerer Einschnitt gewesen. Dann verloren die Eltern ihre Arbeit. Es begann der soziale Abstieg der Familie. Tim T. vernachlässigte die Schule. 2002 konsumierte er das erste Mal Haschisch. In der Tat sollen ihm Drogen dabei geholfen haben, wieder voran zu kommen. 2004 habe er einen guten Schulabschluss hingelegt, zog aus dem Elternhaus aus, machte aber keine Ausbildung. Zu diesem Zeitpunkt sei er bereits Drogendauerkonsument gewesen. Bis 2009 hielt er sich mit Gelegenheitsjobs und Zeitarbeit über Wasser. Dann nahm er eine Ausbildung zum Glastechniker auf.

Seine Mutter starb. Dies habe ihm, so der Anwalt, den Boden unter den Füßen weggezogen. Doch er beendete 2012 die Lehre, arbeitete in dem Beruf und verdiente gutes Geld. Zum Jahresende folgte der nächste Schlag. Ihm sei mitgeteilt worden, dass sein befristeter Arbeitsvertrag nicht verlängert wird.

Der tiefe Fall des jungen Mannes begann. Er konsumierte fortan auch Crystal Meth. Die Tagesdosis wuchs bis auf zwei Gramm an. Um die dafür notwendigen rund 150 Euro aufzutreiben, wurde er straffällig. Bereits im April 2013 verurteilte ihn das Amtsgericht Torgau wegen Betrugs. Es folgten Diebstähle mit und ohne Waffe und Betrug, weitere Verurteilungen und auch Haftstrafen. Die letzte nicht komplett abgesessene Strafe (zwei Jahre und acht Monate Haft) wurde ihm auf Bewährung Anfang 2017 erlassen, weil er sich therapieren ließ.

Eine Weile hatte er daraufhin durchgehalten, wurde dann aber rückfällig. Bei Abhängigen wie Tim T. bedürfe es mehrerer Therapieanläufe, so sein Anwalt. Sein Mandant kenne alle negativen Begleiterscheinungen des harten Drogenkonsums und strebe eine Langzeithilfe an.

Der ledige 30-Jährige hatte die Taten in Elbe-Elster binnen kurzer Zeit und unter dem Druck der Drogenbeschaffung begangen. Dies und sein Geständnis wirken weniger strafverschärfend. Wie in der deutschen Rechtsprechung üblich, wird aus der unverbüßten Reststrafe aus Torgau und der neuen Strafe aus Elbe-Elster eine Gesamtstrafe gebildet. Die Staatsanwaltschaft möchte Tim T. nunmehr drei Jahre und sechs Monate hinter Gittern sehen. Sein Anwalt plädiert für drei Jahre und zwei Monate. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Egon Schaeuble urteilt drei Jahre und sechs Monate. Gegen das Urteil ist inzwischen Berufung eingelegt worden.