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| 16:58 Uhr

Aus dem Amtsgericht Bad Liebenwerda
Knast für Haschhändler aus Herzberg

 Der Drogendealer aus Herzberg hat nicht nur Haschisch in Berlin gekauft, sondern auch Ecstasy-Pillen.
Der Drogendealer aus Herzberg hat nicht nur Haschisch in Berlin gekauft, sondern auch Ecstasy-Pillen. FOTO: dpa / Boris Roessler
Bad Liebenwerda/Herzberg. Anstatt Deutsch und einen Beruf zu erlernen, handelt ein syrischer Kriegsflüchtling, der in Herzberg gemeldet ist, lieber mit Drogen. Dieses Geschäfts ist lukrativer, bringt aber Gefängnis ein. Von Manfred Feller

Hamoudi Hashi (Name geändert) lebt nach eigenen Angaben seit 2014 als syrischer Kriegsflüchtling in Deutschland. Von einem integrierten Facharbeiter mit guten Deutschkenntnissen ist er, der zu Hause sieben Jahre die Schule besucht habe, meilenweit entfernt. Doch er hat andere „Stärken“. Der Neu-Herzberger ist in seiner Wahlheimat eine gewisse Größe im Drogenhandel – oder vielmehr gewesen. Denn der wegen Diebstahls und Urkundenfälschung bereits zweifach Vorbestrafte sitzt seit Anfang September 2018 in Untersuchungshaft in Cottbus.

Wegen unerlaubten Handels und Besitzes von nicht geringen Mengen an Betäubungsmitteln ist er jetzt vom Schöffengericht Bad Liebenwerda zu zwei Jahren und drei Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Der Haftbefehl bleibt erhalten, weil Flucht- und Wiederholungsgefahr besteht. Am 20. Februar um Mitternacht endete die Einspruchsfrist gegen das Urteil. Bis zum Nachmittag lag dem Gericht nichts vor.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem gut frisierten 26-Jährigen, der schick gekleidet in weißem T-Shirt, modischem Schal und Lederjacke im Bikerstil in der Anklagebank sitzt, zwei bislang ermittelte Taten aus dem Jahr 2018 vor. Demnach habe er in Berlin reichlich Drogen erworben: einmal 482,95 Gramm Haschisch und 16 Ecstasy-Tabletten und dann 473,83 Gramm Haschisch in Form von fünf Platten.

Um diesen schweren Vorwurf abzuschwächen, erwähnt der Verteidiger, das Hamoudi Hashi selbst Crystal und Hasch konsumiert. Nur um diesen Konsum zu finanzieren, habe er gehandelt. Er habe also keineswegs die gesamten entdeckten Drogen gewinnbringend weiterverkaufen wollen. Für die Urteilsfindung spielt das aber keine Rolle. Die festgestellte Menge ist einfach zu groß. Dem Syrer bleibt angesichts der erdrückenden Beweise nichts anderes übrig, als den  Handel  zuzugeben.

Auf Fragen von Schöffenrichter Egon Schaeuble, wie er aktuell zu Drogen steht, streut sich der Angeklagte Asche aufs Haupt, weil das vor Gericht immer gut ankommt. „Ich kann auf Drogen verzichten. Mein Leben ist wichtiger als Drogen“, übersetzt der extra bestellte Dolmetscher. Im Gefängnis sei er ohne diese Stoffe ausgekommen.

Auch die Geschäfte, die der 26-Jährige gemacht hat, redet er klein. Ein Gramm Haschisch habe er angeblich für fünf Euro weiterverkauft. Abzüglich des Einkaufspreises je Lieferung von etwa 850 Euro und des vermeintlichen Eigenkonsums bliebe lediglich ein Gewinn von 350 Euro.

Ein Polizeibeamter als Zeuge macht eine andere Rechnung auf: Ein Gramm Haschisch werde in Berlin für 1,55 bis 1,70 Euro angeboten und auf dem Land für rund 7,30 Euro weiterverkauft. Ohne Eigenkonsum würde der Gewinn also bei mehr als 2500 Euro liegen – für eine Fahrt. Dafür muss ein Facharbeiter sehr lange arbeiten.

Laut der Polizei sei man dem Syrer durch einen Hinweis aus einem anderen Verfahren auf die Spur gekommen. Die genehmigte Telefonüberwachung ergab, dass der junge Mann mehrfach in die Hauptstadt gefahren sei. Ende Juni 2018 wurde er mit den Drogen festgenommen und bald darauf freigelassen, auch weil er in Herzberg gemeldet ist. Unbeeindruckt fuhr er wieder nach Berlin. Anfang September hatten die Beamten genügend Beweise, damit er in Untersuchungshaft gesteckt werden konnte. Die Polizei ermittle in weiteren Fällen und versuche auch, an die Lieferanten heranzukommen. Dabei könnte ihnen das sichergestellte Handy helfen. Dieses erhält Hamoudi Hashi nicht wieder zurück. Er darf sich lediglich seine Heimatkontakte notieren.

Die Staatsanwaltschaft möchte den gewerbsmäßigen Drogenhändler, der nach der ersten Festnahme dreist weitergemacht habe, für zwei Jahre und sechs Monate im Gefängnis sehen. Bewährung gibt es nur bis zwei Jahre Haft. Damit der Mann nicht abtaucht, solle es bei dem Haftbefehl bleiben.

Der Verteidiger plädiert für zwei Jahre auf Bewährung und gibt zu bedenken, dass ja über die Freigabe von Cannabis diskutiert wird. Zudem sei sein Mandant auf dem besten Wege der Integration. Beim Staatsanwalt sorgt die politische Bewertung von Drogen für Kopfschütteln. Das Schöffengericht urteilt schließlich zwei Jahre und drei Monate Haft ohne Bewährungzeit.

Nach etwa fünf Jahren in Deutschland ist der Syrer, der seinen angegebenen Drogenkonsum mit den psychischen Folgen des Krieges begründet, weit entfernt vom Arbeitsmarkt. Nach Angaben von Katrin Porsche, Leiterin der Stabsstelle Asyl in Elbe-Elster, hat der Mann  wie alle Schutzsuchenden auf jeden Fall den Integrationskurs besucht. Mit dem angestrebten B 1-Niveau sollte er die Alltagssprache beherrschen. B 2 (nach 24 Monaten) sei für die Ausbildung notwendig. Ob es weitergegangen ist, darf die nächste Station, das EE-Jobcenter, aus Datenschutzgründen nicht sagen. Laut Geschäftsführerin Anja Miersch seien im Vorjahr 78 Arbeitsintegrationen aus dem Bereich Asyl/Flucht erfolgt, überwiegend im Helferbereich. Das heißt: geringer Verdienst, weitere Hilfen sind erforderlich.